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Britpop ist tot! Es lebe Britpop!

2010-08-11 10:00:03

  • KAS2, MH2
  • KAS3, MH3
  • KAS1, MH1

Kasabian bringen an einem lauen Sommerabend mit britischer Coolness die Wiener Arena zum Toben und erinnern ein wenig an früher.

„Ist das Liam Gallagher?“, fragt mich die Dame neben mir verwundert und deutet auf den Typen, der die Open-Air Bühne der Wiener Arena betritt: enge Jeans, Goldkette, Koteletten, verspiegelte Fliegerbrille (trotz bereits eingetretener Dunkelheit), Rockstarposen, schlaksig-arroganter Gang, sogar seine Haltung beim Singen erinnert ein wenig... Tatsächlich, wenn Tom Meighans Stimme nicht so markant anders klingen würde, man könnte wirklich meinen der Sänger von Oasis würde soeben "Shoot the runner" intonieren und das Kasabian-Konzert eröffnen...

Doch ist es nur der erste Blick der täuscht?

Music is my …


Ab geht’s – nach "Shoot the runner" folgt "Underdog", was mich immer an den Kicker Kaká und LCD Fernseher erinnert, und "Where did all the love go?". Das Publikum ist an diesem angenehmen Sommerabend vom ersten Takt an auf der Seite der Band, das Open-Air Gelände wirkt wie ein Mensch gewordenes Wellenbad und die Brandung weitet sich im Verlauf des Konzerts immer mehr aus, versiegt nie.

Wenn ich die sechs Herren so beobachte muss ich immer wieder an Liam Gallagher und Britpop denken. Meine Nachbarin hat nicht unrecht. In Gestik, Bewegung und auch Aussehen erinnert die Band an die Hochblüte dieser Musikrichtung in den 90ern – Oasis, Suede, The Verve, Stone Roses... alles ein bisschen dasselbe.

Doch Kasabian scheinen nur die positiven Eigenschaften ihrer Ahnen übernommen zu haben. Die Coolness und diese absolute Lässigkeit. Arroganz und Imponiergehabe (siehe Gallaghers!) ist nicht zu erkennen, dafür wirkt Sänger Meighan einfach zu natürlich und begeistert von Musik, Abend und Stimmung. Und Gitarrist Jay Mehler ist sowieso einfach nur cool (man betrachte bitte Foto Nr.3!).

"I.D." wird als erster Song vom selbstbetitelten Debütalbum Kasabian gespielt – einer meiner absoluten Favoriten: spacig, psychedelisch, aber trotzdem dermaßen tanzbar. Grossartig! Es folgen weitere vom jüngsten Longplayer West Ryder Pauper Lunatic Asylum, dazwischen Klassiker wie "Reason is Treason", "Stuntman" und im Anschluss "Doberman" als mein zweites persönliches Highlight. Meine Nachbarin fragt mich im Zuge dessen, ob der Trompeter denn von der Schlagerparade geborgt sei. Eine Zeit lang ignoriere ich sie daraufhin.

… my love


Die Lieder sind extrem abwechslungsreich, zum Teil aber nicht mal so eingängig, komplexer, aber dennoch ist niemand hier im Hof gewillt auch nur eine Sekunde lang still zu stehen. Auch weil Tom Meighan und Sergio Pizzorno das ihre tun um die Stimmung am Kochen zu halten, sowohl durch animierende Kommentare zwischen den Songs (Anmerkung: ohne auch nur jemals das Wort „F*ck“ zu gebrauchen. Ja, Herr Gallagher, das geht auch!), als auch durch zweistimmigen Gesang. Der Sound ist gut, der Bass wummert, Schlagzeuger Ian Matthews wirbelt über sein Drumkit, Orgel, Keys und Synth peppen jeden Song dezent aber merkbar auf. Jay Mehler bleibt cool.

Britpop im 21. Jahrhundert – keine Affektiertheit, dafür weiterhin unglaublich lässig. Und kein verbohrtes Streben irgendwelchen Idolen nachzueifern, sondern innovativ in Musik und -stil. Denn Songs/Hits wie "Underdog", "Where did all the love go?", "Empire" und "Lsf" wären manchen Britpop-Helden der 90er niemals gelungen. Zu groß war die Bemühtheit um Lässigkeit und die Obsession endlich Beatles-Status zu erreichen, zu eingeschränkt der Fokus.

Umso mehr muss ich dann schmunzeln, als sich meine Nachbarin wieder zu Wort meldet und meint "Fast Fuse" und "Take Aim" erinnere sie doch sehr an die Fab Four aus Liverpool. Und überhaupt, da spielen doch Pink Floyd, die Stones und die ganze Beat-Musik aus den 60ern auch eine große Rolle, oder? Wie wahr. Kasabian haben ungewollt etwas erreicht, wo andere scheiterten.

"Oasis have gone. We are the biggest band in Britain now!"


Ein etwas demotiviertes "Club Foot" beendet das reguläre, über 1,5 Stunden dauernde Set. Kurz kommt mir die Befürchtung, dass die alte „british attitude“ doch wieder überhandnimmt und das Konzert unverdient unrühmlich zu Ende geht.

Doch es kommt anders und die Zugaben - "Fire", "Vlad the impaler" und "Lsf" verlangen dem Publikum scheinbar alles ab. Doch wir wollen noch mehr und singen die Melodie von "Lsf" endlos lang weiter. Da applaudieren uns sogar Kasabian erstaunt zurück und genießen das Ausklingen eines gelungenen Konzertabends!

Betrachte ich die Band Kasabian nun, dann verstehe ich, was Gitarrist und Songwriter Sergio Pizzorno mit seinem Zitat gemeint hat. Große Ähnlichkeiten sind vorhanden. Sie haben die guten Sachen behalten und gesteigert, unnötiges entsorgt. Britpop geht’s also besser als je zuvor! Und Kasabian sind die würdigen Erben!

Als wir aus dem Arena-Gelände schlendern klopft mir die vormalige Stehnachbarin auf die Schulter: „Weißt', meine Schwester ist Anthropologin und auch gut in Musik und Bands und so. Sie sagt, dass es einem so schnell gar nicht auffallen würde, wenn man die Sänger dieser britischen Bands untereinander austauscht. Ich glaub sie hat wirklich recht.“

Ich auch.

Und etwas stimmt leider nicht ganz! Take That sind immer noch "bigger" als Kasabian!

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AutorInnen

Philipp Hainzl

Philipp Hainzl

i used to be alternative when mainstream was different.

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Kommentare




 

13.08.2010
D

soll heißen: "music is my whore"

[antworten]




 

13.08.2010
D

soll heißen: "music is my whore"

[antworten]




 

16.08.2010
PhilippH [info]

na zum glück hab ich auf der falschen lyric-database recherchiert ...

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25.11.2011
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