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Blixa Bargeld: Europa kreuzweise

2009-05-23 15:46:34

  • Buch1 Europa1

„Ich bin ein Forschungsreisender ohne Auftrag, Fachgebiet und Reiseziel.“ Auf Tour mit den Einstürzenden Neubauten. Blixa Bargeld fasst das zusammen, was man schon immer wissen wollte. Nachzulesen in „Europa kreuzweise".

Die Fahrt im Tourbus, der Soundcheck und danach der gemütliche Gang ins Restaurant, in Blixa Bargelds Fall meist alleine, das nennt man Tournee. Wer auf schreiende Groupies und ausschweifende Exzesse in Europa kreuzweise wartet, wird enttäuscht. Viel mehr bietet das Werk erheiternd-monotone Ansichten des Frontmanns der Einstürzenden Neubauten, eine ausgeprägte Setliste der Konzerttournee, Fragmente neu entstehender Songs und einen gehobenen Restaurantführer.

Steht ein freier Tag zwischen Konzerten an, wird dieser meist zur Reise in die nächste Stadt genutzt. Bietet der Tag jedoch mehr Freizeit, dann begleiten wir Blixa Bargeld ins Museum oder zum Schuhe kaufen – natürlich nur in Edel-Läden. Einblick in die Stadt gibt Blixa selten, viel mehr bietet er Anekdoten zu früheren Konzerten und Restaurantbesuchen.

Die einstürzenden Neubauten


Die Gründung der Einstürzenden Neubauten 1980 wird vom Mythos eines Zufallsprodukts umgeben. Blixa Bargeld sollte in einem Berliner Club spielen, woraufhin er ein paar Freunde anrief. Das Konzert gefiel. Bald musste aus Geldmangel das Schlagzeug des Drummers Unruh verkauft werden. Aus Schrott und Alltagsgegenständen wurde ein adäquater Ersatz gebaut, der den speziellen Sound der Einstürzenden Neubauten ausmacht. Neben der Musik arbeitete die Band mit experimentellen Theatermachern wie Heiner Müller oder Peter Zadek zusammen.

Bargeld war auch auf Solopfaden zu finden, er spielte von 1984 bis 2003 als Gitarrist bei Nick Cave and The Bad Seeds. Die Litanei Europa kreuzweise beschreibt die Europa-Tour der Einstürzenden Neubauten im Frühjahr 2008. Von den Gigs berichtet Bargeld kaum, die seltenen Anrufe seiner Ehefrau werden zwar erwähnt, doch gehobener Gastronomie wird eine eindeutig größere Bedeutung zugesprochen. Der gut durchdachte Speiseplan eines jeden Restaurantbesuches wird detailliert beschreiben.

Eine Litanei


„Früher hatte ich immer nur ein Paar Schuhe; wenn die auseinanderfielen, selbst mit Gaffertape nicht mehr tragbar waren, kaufte ich neue. Es gab eine Periode der schwarzen Gummistiefel. Es gab eine Periode der Cowboystiefel. Ich bin schon lang in der Periode der italienischen Schuhe – Schuhe mit Schnürsenkel.
Schuhen, die aussehen wie die Idee eines Schuhs. Platonisch sozusagen.
Ich habe jetzt mehr als ein Paar Schuhe. Ich war in einem Schuhgeschäft in Bologna, als Ratzinger zum Papst angerufen wurde; die Belegschaft klebte am Radio, ich probierte Schuhe an. In Sizilien saß ich im Rollstuhl – aus dem rechten Fuß war mir ein ansehnlicher Splitter entfernt worden – und kaufte in der Altstadt von Catania Schuhe; ich trug für eine Weile nur den linken. Nieselregen.“

Schuhe, Restaurants mit Kellnern, die bessere Anzüge tragen als man selbst, und die Bandkollegen am Rande erwähnt, das birgt Europa kreuzweise. Blixa Bargeld, der einst trockene Nudeln mit Ketchup-Krönung aß, hat sich gemausert. Schwermütige Poesie vereint mit erheiternder Poetik gibt der Gourmand wider. Nicht zu verachten ist der beste Tipp um in Wien Milchrahmstrudel zu bekommen.


Europa kreuzweise
Eine Litanei

Blixa Bargeld
erschienen im Residenz-Verlag, 2008.
Hardcover, 128 Seiten, 14,90€

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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