2009-02-24 10:52:05
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wirft gern mit Statistiken und Zahlen um sich, um seine politischen Einstellungen zu untermauern. Mit der Wahrheit nimmt er es dabei nicht immer so genau.
Straches Gleichungen sind einfach. Auch wenn er es nicht explizit sagt, wird doch klar, dass sie beispielsweise nach folgendem Schema funktionieren: Viele Arbeitslose – viele Ausländer = keine Probleme. Das leuchtet jedem ein und klingt plausibel. Doch die Zusammenhänge und Sachverhalte sind viel komplexer, als der gelernte Zahntechniker das gerne zugeben würde.
Gealtert
Alle Bevölkerungen der Erde altern mittlerweile. Besonders weit ist dieser Prozess in Europa fortgeschritten, was langfristig zu einem Schrumpfen der Bevölkerung führt. Unser Kontinent wird 2050 ca. 125 Millionen Einwohner weniger zählen als heute. Ein großer Unsicherheitsfaktor bei solchen Prognosen ist auch die Zuwanderung und wie streng die Restriktionen der einzelnen Staaten in Zukunft sein werden. Zwar kann Zuwanderung den Überalterungsprozess nicht aufhalten, geschweige denn umdrehen, aber sie kann die daraus resultierenden Folgen abbremsen. Etwa die massiven Belastungen für die Gesundheits- und Pensionssysteme westlicher Staaten, die bei immer weniger Beitragszahlern aufrecht erhalten werden müssen.
Unwissen
Strache will von alledem nichts wissen, seiner Meinung nach ist Zuwanderung durchaus verzichtbar. In der <em>NEWS</em>-Ausgabe vom 6. Februar 2009 meint er, Frauen würden ohne weiteres vier Kinder bekommen, wenn sie es sich nur leisten könnten. Dabei ignoriert er, dass staatliche Förderungen zwar die Kinderzahlen leicht heben können, aber dass kein Familien-Programm der Welt im Stande ist, die österreichische Gesamtfertilitätsrate (Kinder pro Frau) von 1,38 im Jahr 2007 auf einen Wert um die vier zu katapultieren. Für den Geburtenrückgang sind neben ökonomischen Überlegungen unter anderem folgende Gründe verantwortlich:
• Das Aufkommen neuer Familienformen
• Die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit
• Das Fehlen einer kindgemäßen Umwelt vor allem in Städten
• Das Fortschreiten des Säkularisierungsprozesses
• Effizientere Verhütungsmethoden
Auch ein Aufspalten der Gesamtfertilitätsrate dürfte beim <em>FPÖ</em>-Chef kein Hochgefühl auslösen, denn sie lag bei den Inländerinnen im Jahr 2007 nur bei 1,29 Kindern pro Frau, während sie bei ausländischen Frauen mit 1,91 und bei den türkischen sogar mit 2,61 deutlich höher war.
Um eine stabile Bevölkerung zu erhalten, ist eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau nötig, da nicht alle Geborenen ins reproduktionsfähige Alter gelangen. Folglich hat auch Strache mit seinen zwei Kindern aus erster Ehe relativ wenig zum Bevölkerungswachstum Österreichs beigetragen. Seine Scheidung hat allerdings einen neuen Scheidungsrekord in Wien mitverursacht, wo derzeit fast 60% aller Ehen geschieden werden.
Staatsbürgerschaftslotterie
Erhält man nach einer langen Prozedur die österreichische Staatsbürgerschaft, so zählt man nicht mehr zu den ca. 10% der ausländischen Bevölkerung. Der Chef der Freiheitlichen Partei prangert gerne an, dass Österreich einen fast doppelt so hohen Ausländeranteil im Vergleich zu solch klassischen Einwanderungsländern wie zum Beispiel Frankreich mit knapp 5,7% aufweist.
Doch das liegt einzig und allein an Österreichs restriktiver Migrationspolitik. Während man in Österreich erst nach zehn Jahren um die Staatsbürgerschaft ansuchen kann, ist dies in Frankreich schon nach fünf Jahren möglich. Auch erhalten bei uns Kinder von Ausländern, die bereits in Österreich geboren sind, nicht die Staatsbürgerschaft, während sie in Frankreich sofort mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres automatisch verliehen wird. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund liegt in Frankreich also weit höher als in Österreich.
Chancenauswertung
Zuwanderung sollte Strache auch hin und wieder als Chance betrachten, denn wenn er Österreich weiterhin für die Österreicher reservieren will, wird auch er sich um seine Pension Sorgen machen müssen. Österreich ist es schon heute nicht unrecht, wenn Zuwanderer in das Sozialsystem einzahlen. Und dieser Trend wird sich nicht abschwächen.
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STÜRB STRACHE.
Schade nur, das die Hirntote Masse der Jugend von heute (ich bin 16, ich darf so reden.) sich solche Texte nicht durchliest, da liegt ja irgendwie das Problem. Daham statt Islam ist kurz, einfach, einprägsam, und, am überzeugendsten, es reimt sich, whew. Wegen der Massenmedien und der verwahrlosung und ...
Ich geh sogar so weit das ich sagen würde, das das irgendwie einfach der Prozess ist, also, so eine Art Zivilisationsprozess, einfach durch die Globalisierung usw... Weil den Leuten von klein auf von allen Richtungen das Hirnschmalz gemörsert wird und solche Zombies dann auf jeden Hype und jede Hetze aufspringen.
Scheisse, ich wär wirklich gern Teenie in den achzigern Gewesen... oder den neunzigern... aber heute, das ist uncool, echt
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Fertilitätsrate
interessanter text. Aber zur Ergänzung: Ich denk, die im Vergleich zu früher so geringe Fertilitätsrate hat ganz besonders auch mit den Werten einer Gesellschaft zu tun. In unserer wollen alle cool und unabhängig sein, und mit einem Kinderwagen herumzugehen wird eben nicht als cool und schon gar nicht als unabhängig empfunden. Insofern könnte der Strache schon erfolgreich sein, wenn er es schafft, den Jungen Lust auf Kids zu machen...
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Daniel
"Durch Poppen Zuwanderung stoppen"
Je mehr Österreicher Kinder in die Welt setzen,desto weniger sind wir von Zuwanderern abhängig, die später unser Sozial- und Pensionssystem finanzieren,
ihr wuschiger HC
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Hoppala
Daniel ist natürlich nicht das Thema,sorry
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Randbemerkung
Erstens: Alle Politiker verwenden Statistiken, die nicht stimmen. Man kann Statistiken nämlich so schön verfälschen und Zahlenspiele zeugen rhetorisch von einer Fachkompetenz. Glauben Politiker. In Wirklichkeit jonglieren sie mit Zahlen, die sie aus irgendeiner Statistik rausgeholt haben, die sie im besten Falle auch noch selbst in Auftrag gaben und selbst verfälscht haben (durch falsche Gewichtung etc.). Der größte Fehler bei Statistiken wird vor der Erhebung gemacht. Das macht sie auch zu einem so wunderbaren Werkzeug. Und die Bevölkerung denkt im seltensten Falle mit, weil sechsstellige Zahlen und mehr zu viel abverlangt.
Zweitens: Ein Punkt am Rande: Fareed Zakaria sieht den wichtigsten Punkt bei Zuwanderungen im Verbessern des demografischen Zustands, der in Europa katastrophal ist. Würden wir in Österreich jetzt hohe Geburtenzahlen forcieren, hätten wir das Problem, dass einerseits ein Pensionssystem mit verhältnismäßig vielen Pensionisten zu erhalten ist, andererseits hohe Kinderzahlen zu managen wären. Da brauchen wir Arbeiter, die das Kapital erwirtschaften (erarbeiten). Da wir sie nicht haben, müssten sie von außen kommen. Einfache Rechnung...
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