2008-12-03 13:36:40
Blackmail gastierten am 30. November im Wiener WUK und stellten erneut unter Beweis, weshalb sie zu den führendsten und besten Bands aus Deutschland zählen.
Aus der deutschen Indieszene sind sie nicht mehr wegzudenken. Von der Muse oft geküsst, vom großen Erfolg immer etwas vernachlässigt. Blackmail haben sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. Nahezu alle zwei Jahre gibt es ein neues Album. Die Arbeit von Gitarrist und Produzent Kurt Ebelhäuser ist berühmt berüchtigt, findet auch über Landesweite Anerkennung. Zu Recht.
Auch live drückt der Sound unweigerlich.
Am 30. November war es wieder einmal Zeit für ein musikalisches Statement.
Everyone get in
Eröffnet wurde der Abend im Wiener WUK von Diego. Die Band kommt ebenfalls aus Deutschland und hat gerade ihr zweites Album Two veröffentlicht. Sie präsentierten kühl arrangierte Songs, die zwischen neueren Editors und älteren Joy Division liegen. Liest sich zwar wie ein bloßer Abklatsch, machte aber auf der Bühne einen guten Eindruck. Besonders das Falsett des Sängers lässt mich sowohl an Tom Smith als auch an Ian Curtis denken. Die Songs sind tanzbar und melodisch.
Nach kurzer Umbaupause legten Blackmail dann los. Everyone Safe vom Album Aerial View durfte den Abend eröffnen. An zweiter Stelle wartete The Mentalist, der erste Song vom aktuellen Tempo Tempo. Danach gab es Altes und Neues. Der Sound im WUK war satt und voll, aber nicht zu laut oder gar matschig. Gitarrenwände prasselten auf einen ein, Schlagzeuger Mario Matthias beherrschte sein Drumkit selbstsicher, Carlos Ebelhäuser ließ den Bass wuchtig-grollend über den Köpfen der Zuschauer kreisen, und Sänger Aydo Abay, sichtlich gut gelaunt, verschenkte Bier ans Publikum. Das gab Pluspunkte in der Sympathieskala.
Der charismatische Frontmann tänzelte und bewegte sich ansonsten galant über die Bühne, heizte dem Publikum an den richtigen Stellen ein, lehnte sich aber auch zurück um seiner Band Platz zu machen oder um die Leute zum Mitsingen zu bewegen.
Play with me, tomorrow you'll bleed
Es war ein Abend mit Wall Of Sound-Garantie, mit Songs, die wie alte Bekannte sind. Mitreißendes Material wie Same Sane oder schwer groovende Rocker wie Evon hörte man gerne wieder. Auch die neuen Songs wurden spielfreudig dargeboten. Es gab Besinnliches (The Good Part, das Gary Jules bzw. Tears For Fears-Cover Mad World) und kathartisch-Kraftvolles (Moonpigs, Couldn't Care Less, (Feel It) Day By Day).
Highlight des Abends blieb aber das brachiale Finale von It's Always A Fuse To Live At Full Blast. Der Sound schien eine Stufe höher, die Lautstärke noch massiver und der Hang zur Gigantomanie in greifbarer Nähe. In diesem Grollen und Tosen konnte man sich vollkommen verlieren. Zeit zum Durchatmen gab es wenig. Pause konnte man auch später noch machen.
Friedliche Stimmung ohne Gedrängel, tolle Songs und eine gelungene Atmosphäre. Beim nächsten Mal können ruhig mehr Leute daran teilhaben.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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