2007-04-02 00:10:05
Tomte, Anajo, Nova International, Miles, Schönheitfehler, echophonic, Spillsbury, Jugendstil, Incorporated und El Phones Maya. Reichenstein lässt zu seinem zehnten Geburtstag mit einem sehr feinen Line-Up aufhorchen. Mehr als nur ein regionaler Geheimtipp. Reichenstein wurde im letzten Jahr von der FM5-Redaktion zum viertbesten österreichischen Independent-Rock-Festival gewählt. Nicht zu unrecht! Reichenstein feiert Geburtstag – und FM5 gratuliert sehr herzlich.
Reichenstein wird heuer zehn Jahre alt. Zehn Jahre, in denen eine Menge passiert ist. FM5 nahm dies zum Anlass, um genauer nachzufragen, wie alles begonnen hat. Beim Interview mit Sebastian Reiter, alias Beppo und Norbert Eder, zwei Reichenstein Urgesteinen, konnten wir manches Geheimnis lüften. Nicht nur am musikalischen Sektor haben sich die Veranstalter heuer einiges einfallen lassen. Man feiert ja nicht alle Tage...
Was war die Ursprungsidee? Wie ist es zum Burg-Open-Air gekommen?
Norbert: Es gab zwei Beweggründe. Einerseits die einzigartige Location der Ruine Reichenstein – auch wenn sie damals noch nicht die Infrastruktur geboten hat wie heute.
Zweitens, und das stand im Vordergrund: Wir wollten ein Alternativprogramm zu bei uns üblichen Zeltfesten und Feuerwehrbällen bieten. Die kleine heimische alternative Szene fördern, das ist uns vorgeschwebt. Diese war damals noch nicht sehr ausgeprägt. Das war alles erst mehr oder weniger im Entstehen begriffen. Damals hätte noch keiner an ein Frequency oder Aerodrom gedacht, das wäre noch nicht möglich gewesen.
Beppo: Am Anfang war es aber auch kein Festival, sondern ein Burgfest mit Rockmusik. Daraus entwickelte sich über die Jahre ein echtes, kleines Festival, das in der Region durchaus Akzente gesetzt hat.
Was macht Reichenstein einzigartig?
Beppo: Festivals sind im Prinzip alle ähnlich. Irgendwo wird eine große Bühne auf einer Wiese, einem Parkplatz oder sonst wo aufgebaut. In Reichenstein ist das nicht so. Hier fungiert die Burg als natürliches Ambiente. Man spielt im zweiten Stock, quasi über den Dächern der Burg, zwischen alten Gemäuern, über dir die Sterne und ein Ausblick, der dich in eine andere Zeit versetzt. Die Bühne ist durch die Burg natürlich gegeben – und das macht wohl das einzigartige Flair aus. Es ist einfach anders als sonst. Einfach “merkwürdig“!
Nach welchen Kriterien stellt ihr euer Line-Up zusammen?
Beppo: Bernhard Wild hat bei uns das Booking über. Bei einem Zwei-Tages- Festival braucht man natürlich einmal zwei Headliner. Was in Reichenstein schon mal nicht so einfach ist, denn die Bands müssen Zeit haben, müssen leistbar sein und es muss eine Band sein, die die Leute auch sehen wollen. Wir versuchen vorwiegend gute österreichische Bands auszuwählen. Sehr wichtig ist uns, dass wir auch immer eine neue erfrischende, unbekannte Band engagieren. Jede Band hat einmal klein angefangen, jede Band muss einmal Live-Erfahrung sammeln. Das ist wichtig, weil Bands sich sonst nicht entwickeln können. Die Bands von morgen zu finden, das ist natürlich unser Ziel, was zugegeben natürlich sehr schwierig ist. Trotzdem: Von mehr als 150 Bandanfragen pro Jahr versuchen wir, auch heimischen Bands eine Plattform zu geben. Heuer werden beispielsweise El phones Maya spielen, eine sehr feine Band aus Tragwein.
Für zehn Jahre Reichenstein haben wir uns aber schon einiges einfallen lassen. Nova International, Schönheitfehler, echophonic, Spillsbury, Tomte, Anajo, Miles, Jugendstil, Incorporated und El Phones Maya. Dazu haben wir uns noch ein paar andere Überraschungen einfallen lassen.
In 10 Jahren Reichenstein ist auch einiges passiert. Ihr habt euer Festival auch einmal absagen müssen. Das Festival wurde quasi ja einmal verboten?
Norbert: Ja, das war für mich persönlich eine kleine Katastrophe, weil mein Herz sehr an diesem Festival hängt. Es ist uns in mühevoller Kleinarbeit gelungen, den Widerstand des Besitzers sowie von Teilen der Bevölkerung und auch einiger Zeitungen auszuräumen. Es war viel Energie von unserer Seite notwendig, um durch die Mauer von Vorurteilen durchzudringen. Vorurteile wie “Sex, Drugs und Rock'n Roll“. Reichenstein ist nicht nur ein Vorurteil. Reichenstein ist viel mehr. Über 150 Leute arbeiten freiwillig und unbezahlt für dieses Festival. Wie die Leute Reichenstein aufnehmen und leben, das ist schon sehr beeindruckend. Nur das galt es zu kommunizieren.
Was waren eure persönlichen Highlights in den letzten zehn Jahren?
Beppo: Das ist schwierig, weil es eigentlich sehr viele gab, aber die Stimmung bei Heinz war für mich schon ein persönliches Highlight oder die FM4-Ankündigung, dass Reichenstein die nationale Antwort auf Wiesen sei oder unter die Top10 Festivals Österreichs gewählt worden zu sein, das waren wirklich schöne Momente.
Reichenstein wird immer mit der JVP in Verbindung gebracht. Habt ihr damit bei Künstlern Problemen gehabt?
Norbert: In der Regel nicht. Es ist richtig, dass Reichenstein anfangs von der JVP organisiert wurde. Doch es war keine Parteiveranstaltung. Der Reinerlös kam beispielsweise der Burgruine Reichenstein zu. Die JVP hat daran nichts verdient. Außerdem muss man sich das anders vorstellen. In einem Ort wie Reichenstein helfen alle mit. Da fragt man nicht: Bist du bei der ÖVP oder bei der SPÖ? Das gemeinsame Miteinander, das macht auch dieses Festival aus. Heute ist übrigens der Kultur- und Burgverein Reichenstein der Veranstalter. Würden sich die Leute mit dem Festival nicht identifizieren, es wäre nicht möglich. Heuer arbeiten 180 Personen an der Entstehung und Durchführung des Festivals mit. Reichenstein ist halt in gewisser Weise anders, was aber gut so ist.
Wie sehen die Zukunftspläne aus?
Norbert: Das ist schwierig. Die Burg ist in dieser Form nicht ausbaufähig, sprich ganz große Bands können wir wirtschaftlich auch nicht holen. Zumindest solange wir auf der Burg bleiben und nicht die Bühne in der Vorburg – oder sonst wo bauen. Doch dass, das eben nicht so ist, das macht genau Reichenstein so einzigartig.
Ihr habt vorher schon Überraschungen angekündigt. Möchtest du nicht für uns exklusiv ein paar dieser Überraschungen preisgeben?
Beppo: Die erste große Überraschung ist, dass es heuer einen Reichenstein-Sampler geben wird. „10 Jahre für die Ewigkeit“ – Der ist wirklich sehr fein. Auf diesem Sampler wird sich auch der Reichenstein-Song befinden – der ist von Paul Wallner, seineszeichens Sänger und Gitarrist von der St. Pöltner „Blechblascombo“ Jugendstil (lacht), geschrieben worden. An dieser Stelle einen großen Dank an den netten Herrn.
Zweite große Überraschung wird der „Reichenstein-Music-Award“ sein, den Norbert Eder und Fred Schreiber – bekannt von der "Sendung ohne Namen" – moderieren werden. Ich glaub, ich hab schon a bissl zuviel gesagt, es sollen ja Überraschungen sein. Aber es wird noch ein paar solcher Überraschungen geben.
Wie kommt man zu Tickets?
Tagespass im VVK | 12,- Euro (excl. Vorverkaufsgebühren) |
Weekendpass im VVK | 20,- Euro (excl. Vorverkaufsgebühren) |
Tagespass an der Abendkassa | 15,- Euro (Streng begrenzte Besucherzahlen!) |
Campinggebühren | 3,- Euro pro Zelt |
Erhältlich sind die Tickets bei allen OÖ Raiffeisenbanken, bei Ö-Ticket unter www.oeticket.com bzw. der Hotline 01/96096
sowie bei WienXtra.
Wenn ihr erfahren wollt, warum Reichenstein die Ursache dafür ist, dass das Mühlviertel als "merkwürdiger Teil Österreichs" bezeichnet wird, findet ihr Details unter: http://alt.fm5.at/08_03/reportagen/reichenstein.php3
Gewinnspiel:
2 mal 2 Tickets zu gewinnen [+Newsletter 1 mal 2 Karten]
Gewinnfrage: Welche fürstliche Familie besitzt die Ruine Reichenstein heute?
Die richtige Antwort bitte mit Namen und Adresse an redaktion@fm5.at schicken.
2 Sampler "reichenstein burg-open-air 2004" zu gewinnen
Wegbeschreibung:
Der Ort Reichenstein liegt im verträumten Aisttal ca. 25 km östlich von Linz und gehört zur Gemeinde Tragwein. Als Ort kann man Reichenstein ja gar nicht wirklich bezeichnen. Eine Ruine, eine Kirche, ein Gasthaus und eine Handvoll Häuser.
Eine ausführliche Wegbeschreibung und weitere Informationen findet ihr unter:
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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