2007-04-02 00:10:44
Der in Schottland geborene und in den USA aufgewachsene Schriftsteller Iain Levison verfasste kürzlich sein zweites Buch namens „Betriebsbedingt gekündigt“, in dem er weitgehend überzeugt.
Amerikanischer schwarzer Humor
Als ob die von seiner Freundin Kelly initiierte Trennung für den ohnehin nahe am Abgrund stehenden Ich-Erzähler Jake Skowran nicht schon genug wäre, verliert er auch noch seinen Arbeitsplatz bei der Fabrik. Das sind genug Gründe, um den Job eines Auftragskillers, der ihm von dem dunkle Geschäfte treibenden Ken Gardocki angeboten oder regelrecht unter die Nase gehalten wird, anzunehmen. Der erste Auftrag lautet: Jake muss Ken’s Frau, die Ken angeblich betrügt, umbringen. Doch schon nach dem ersten Erfolg, sprich: den ersten Mord, dämmert es Jake, wie schwer so ein Job überhaupt ist: „Es dämmert mir zum ersten Mal, dass ein Auftragskiller mehr zu tun hat, als einen Abzug zu drücken“. Dieser Satz ist geradezu prototypisch für das mit schwarzem Humor verseuchte Buch, das sich stark nach einem amerikanischen B-Movie-Film liest. Auch bei folgendem Zitat, bei der es um den Dogentest, den der von Jake gehasste Konzernchef Mr. Brecht mit ihm machen will, geht:
„Mr. Skowran, nehmen Sie Drogen?“ „Kann ich mir nicht leisten“, sage ich im Scherz zu ihm, in einem Versuch, eine menschliche Note ins Gespräch zu bringen. Er erwidert meine Lächeln nicht. „Wir brauchen eine Urinprobe von Ihnen“, sagt er. Er schaut mich an, als müsste mir bei dieser Nachricht der Schreck in aller Glieder fahren. Er glaubt, dieses Gespräch ist für mich ein Kampf um meinen Job und um mein Leben. Tatsächlich ist es so, dass sein Leben vor seiner Befragung abhängt. Ich habe jetzt eine Waffe zu Haus und gerade entdeckt, dass ich sie gern benutze, und wenn er mich unnötig beleidigt, wird er auf meine geplanten List der erste von einer ganzen Reihe von Leuten sein, die für das, was sie meiner Stadt angetan haben, mit ihrem Leben bezahlen werden.“
Instrument: Revolver
Der Revolver wird also zu seiner Mordwaffe, zu seinem Instrument, um nicht zu sagen: zu seinem neuen Freund. Jake wünscht sich immer einen mit Schalldämpfer, da er beim Morden ziemlich leise ist; er bekommt ihn aber trotzdem nie (außer am Schluss!). Das Morden wird schon zu seinem Lebenszweck, obwohl er es eigentlich nicht mehr nötig hätte, da er, um sein Alibi wegen, auch noch bei der Tankstelle namens Gas’n’Go , bei der er früher immer von seinem Freund Tommy die Zigaretten schnorrte, arbeitet. Dabei kommt ihm ein neuer Feind in die Quere: der Konzernchef von der Tankstelle, bei der Jake angestellt ist, Mr. Brecht, der sich die von der Überwachungskamera aufgezeichneten Videos anschaut und bemerkt, dass er keinen weißen Kittel wie alle anderen Mitarbeiter tragen. Solche und ähnliche Sachen werden Jake auf dem Weg zum Morden immer mehr zum Problem. Auch Karl, der Mann, den Ken Gardocki immer zu Jake vorausschickt, der ein Gehilfe von Ken ist, aber Jake immer ein bisschen komisch vorkommt. Letzten Endes wird er ebenso von Jake erschossen, weil er im Verdacht war, ein Polizist zu sein. Der Verdacht hat sich bestätigt, nachdem Jake seinen Polizeiausweis in der Kleidung der Leiche findet.
Liebe: Frau, Schalldämpfer
Da selten ein Roman ohne (vom Mann gesehen) eine auf das weibliche Geschlecht fixierte Liebe auskommt, fehlt sie hier auch nicht. Der von Spielsucht arg durchbeutelte Jake besucht regelmäßig seine Lieblingsbar. Eines Nachts lernt er dort eine schöne Frau namens Sheila Zardow, die von der Liebe auch stets „verschont“ wurde, kennen, die, was sich erst später herausstellt, eine Polizistin ist. Als Jake von Ken den Auftrag erhält, mit einer Frau, wieder des Alibi wegen, nach Florida reisen, in einem Hotel schlafen und den Mann, der mit seiner nun toten Frau ein Verhältnis hatte, umzulegen, muss Jake mit Sheila reisen und lernt sie dort besser kennen. So gut sogar, dass die beiden später eine Beziehung führen und sogar über eine Hochzeit nachdenken. Der Schluss vom Buch ist überhaupt sehr positiv für Jake. Schliesslich kauften Jake und sein bester Freund Tommy nun den Tankstellenshop Gas’n’Go. Letzter Satz ruft aber nur so nach einer Fortsetzung des sehr gut geschriebenen und leicht zu lesenden Buches, das sich jeder, der Spaß am Herumspielen mit dem schwarzen Humor und Spaß an einem Trashroman hat zulegen sollte: „Man kann es (das Scharfschützengewehr, Anm. d. Red.) in drei Teile zerlegen, und es hat, man höre und staune…einen Schalldämpfer!“
Das Buch „Betriebsbedingt gekündigt“, geschrieben von Iain Levison, ist beim Berliner Matthes & Seitz Berlin-Verlag erschienen.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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