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musik

Best Of Them – die Foo Fighters waren fleißig und melden sich mit 20 brandneuen Songs zurück

2007-04-02 00:12:02

Dave Grohl, einer der talentiertesten, umtriebigsten, vielseitigsten und produktivsten Rockmusiker meldet sich mit seinen Foo Fighters und dem neuen Werk „In Your Honor“ zurück, und zwar gleich mit doppelter Ration.

“Mine is yours and yours is mine, there is no divide,
In Your Honor I would die tonight, for you to feel alive”
(In Your Honor)
 
 
 So müssen echte Rockstars dreinschauen...  
 
Dave „Jekyll & Hyde“ Grohl
Warum ein Doppelalbum? Nachdem sich die Foo Fighters beinahe aufgelöst hatten, musste eine neue Herausforderung her. Dave Grohl hatte immer schon zwei Herzen in seiner Brust schlagen, ein rohmetallen-rockendes und das andere sanftmütig-melancholisch. Anstatt beide Seiten auf einem Album zu vereinen, wie es bisher der Fall war, fasste man den Entschluss, das gespaltene Herz auf zwei separate Silberlinge zu bannen. Das Resultat ist ein wie gewohnt rockendes, mit einer Prise mehr Härte ausgestattetes Foo Fighters-Album („one heavy as fuck“ wie es auf der Bandhomepage heißt) und eines mit rein akustischem Songmaterial.
Für die Produktion von „In Your Honor“ und zukünftiger Schöpfungen haben sich die Foo Fighters in ein abgelegenes Valley nahe L.A. zurückgezogen und dort, inmitten einer der größten US-Pornoproduktionsstätten, ein riesiges Studio errichtet. 
 
 
 ...oder doch lieber so?               (alle Fotos: (c) www.foofighters.com)
 
“Can you hear me? Hear me screaming“...
...fragt Dave Grohl im Einstiegssong “In Your Honor”. Oh ja, laut und deutlich. Mit Schreigesang, brachialen Gitarren und maschinengewehr-artigem Trommelfeuer eröffnen die Foo Fighters uns zu Ehren ihr neues Werk. Hier sind wohl noch Auswirkungen von Grohl´s Metal-Projekt „Probot“ zu spüren. Zumindest diese Nummer folgt dem Versprechen, dass das neue Album das härteste Material beinhalten solle, dass die Band jemals produziert hätte. Mit „Best Of You“ offeriert das Album jedenfalls einen der besten Songs, den die Foo Fighters je geschrieben haben.
 
Best Of You
“I’ve got another confession my friend
I’m no fool
I’m getting tired of starting again
Somewhere new“
 
Die Vorab-Single zum Album rotiert schon seit einiger Zeit im Airplay des - nahezu - einzigen Alternative-Radiosenders Österreichs. Bereits dieser Titel repräsentiert alles, was einen guten, typischen Foo Fighters-Song ausmacht, kraftvoll polterndes Schlagzeug, exzellentes Gitarrenhandwerk und emotionaler, zwischen sanft gehaucht und die Seele aus dem Leib geschrieen, variierender Gesang.
 
Geballte Ladung Energie
Verschnaufpausen bietet das Album keine, hier reiht sich Rocksong an Rocksong. „No Way Back“, „DOA“ oder das gerade mal eine Minute 56 dauernde „Hell“ sind wahre Energiefeuerwerke. Bei allem Druck kommt aber auch der nötige Melodiefaktor nicht zu kurz, weshalb die Stücke nicht in bloßes Metalgedudel abstürzen.
Einzig „Best Of You“, „Resolve“ und „The Deepest Blues Are Black” schlagen – zumindest in den Strophen – etwas ruhigere Töne an. „Resolve“ hat einen ähnlich genialen Ohrwurmcharakter wie „Learn To Fly“ und ist heißester Anwärter auf Singleauskoppelung Nummer Zwei, „The Deepest Blues Are Black“ orientiert sich rhythmisch und mit seinen melancholischen Grundtönen an „Floaty“ aus dem ersten Foo Fighters-Album. „End Over End“ schichtet Gitarre über Gitarre und ist, nicht zuletzt des Titels wegen, eine ideale Power-Schlussnummer.
 
Eine Band in Höchstform
Die teils verzerrten Bässe von Gründungsmitglied Nate Mendel reißen auch den müdesten Zeitgenossen vom Hocker. Taylor Hawkins prügelt wie ein Irrer in sein Schlagzeug und braucht sich vor Trommelmeister Grohl nicht mehr zu verstecken. Dieser schreit sich mit einer Mischung aus Leidenschaft, Power und gleichzeitiger Zerbrechlichkeit Frust, Schmerz und Wut aus dem Leib. Und darüber brettern die verzerrten Gitarren von Grohl und Chris Shiflett (dem jüngsten Bandmitglied). Eine geballte Ladung an Energie und Emotionen, die berührt und unausweichlich mitreißt.
In Your Honor ist ein schnörkelloses Rockalbum, das im Wesentlichen den Weg von „One By One“ fortsetzt und wie aus einem metallenen Guss klingt.
 
 
 
„One loud, one not so loud“ verspricht der Sticker am Album
“Still” ist wegweisender Einstieg ins „not so loud“-Album: hier geht es ruhig, sanft und mit gemächlichem Tempo zur Sache. Die Zerr- weichen Akustikgitarren, die Drumsticks werden gegen Beserl getauscht und Dave Grohl´s Brüllgesang mutiert zu zart gehauchter Samtstimme.
Sanftes Material ist ja nichts gänzlich Neues für die Foo Fighters. Man denke an wunderschöne Songs wie „Walking After You“, „February Stars“ oder die Gänsehaut erzeugende Akustikversion von „Everlong“. Darüber hinaus bewies die Band bereits bei diversen Radioshow- und anderen Kurzauftritten - wo sie akustische Versionen ihrer härteren Nummern intonierten - was sie im „Unplugged“-Sektor drauf haben.
 
Melancholische Songs mit Tiefgang
Wer sich nun locker-flockige Lagerfeuer-Mitsingnummern erwartet, irrt. Das Akustikalbum offeriert vornehmlich getragene, melancholische Songs mit Tiefgang. 
Das einzige, was die völlig unterschiedlich tönenden Alben miteinander verbindet, sind die häufig sehr düsteren Texte, die von Verlust, Trennungen oder Tod handeln (vgl. die beiden Eröffnungstitel „In Your Honor“ und „Still“).
 
Gastauftritte und Rollentausch
Neben Gastgitarrist Josh Homme (für dessen Band Queens Of The Stoneage Grohl bereits mehrmals die Drums bediente), findet sich ein weiterer prominenter Name auf CD Nummer Zwei. John Paul Jones, einst Bassist der Rocklegende Led Zeppelin, steuert Piano („Miracle“) und Mandoline („Another Round“) auf zwei der schönsten Nummern bei. Der folklastige, fast countryeske Charme von „Another Round“, unterstützt durch Fidel, Mundharmonika, Akkordeon und Mandoline betört ebenso wie die aufgetürmten Akustikgitarrenläufe in „On The Mend“ oder Melodieführung und Text  von „Miracle“ – eine zum Weinen schöne Nummer.
 
“Hands on a miracle
I got my hands on a miracle
Believe it or not
Hands on a miracle
And there ain't no way I'll let you take it away”
(Miracle)
 
„Over And Out“ schleicht sich melancholisch-düster mit Streicherarrangement heran, während sich „Friend Of A Friend“ ganz puristisch mit Gesang und Gitarre kleidet. Diese Nummer, die ihre Ähnlichkeit mit dem Nirvana-Song „Polly“ nicht verleugnen kann, hat Grohl bereits vor 15 Jahren über einen gewissen Kurt Cobain geschrieben.
 
Für Überraschungen ist im letzten Drittel des Albums gesorgt, wenn die großteils eher gedämpfte Stimmung zwei Nummern lang einer lockeren Feel-Good-Stimmung weicht. Bei „Cold Day In The Sun“ üben sich Hawkins und Grohl im Rollentausch. Ersterer übernimmt den reibeisernen Leadgesang, der Chef trommelt. Und mit „Virginia Moon“ wagt sich Grohl im Duett mit Norah Jones (!) gar an einen waschechten Bossa Nova. Dave Grohl dazu in einem NME-Interview: „There´s a song on the record that Norah Jones sings on, how nuts is that? But fuck it, why not? It´s our fucking band and we can do whatever the fuck we want. My ambition is for people to ask us what kind of music we play and for us to be able to answer, `Just music.` Not, `Oh, rock music.` But, `Just music`.”
Zum Abschluss wird es noch einmal ganz intim. Auf gezupfte Akustikgitarre und Gesang reduziert klingt „Razor“ wie eine Grohl´sche Huldigung an „Blackbird“, ein wunderschöner Ausklang.
 
Dave Grohl beantwortete kürzlich die Frage, „auf welche Band er denn stolzer sei, Nirvana oder Foo Fighters“, ohne zu zögern: „Foo Fighters. Definitely the Foo Fighters.“ Nun, mit diesem Album hat er auch allen Grund dazu.
 
 
Konzerttipp: Die Foo Fighters werden am 19. August im Rahmen des FM4-Frequency-Festivals als Headliner auftreten!

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