2008-12-14 13:26:18
Anonyma – Eine Frau in Berlin erzählt die letzten Wochen im untergehenden Deutschen Reich und die ersten Begegnungen mit den Alliierten in Berlin.
Das Frühjahr 1945 hat begonnen. In Berlin glauben nur noch wenige an den Endsieg, das Brot wird knapp. Bomben verhindern den Schlaf, im Luftkeller wird geschwiegen. Die Männer sind im Krieg; Frauen, Kinder und Greise wurden zurückgelassen. Eine von ihnen ist die Unbekannte, die in Anonyma – Eine Frau in Berlin ihre ersten zwei Monate im Berlin der Alliierten niederschrieb.
Die Russen werden Iwans genannt. Sie lieben Alkohol, fettiges Essen und Frauen. Nein, sie müssen nicht schön sein, und mit der Hilfe von Alkohol wird auch das Alter nicht zum Problem. Gesund sind sie sowieso, die deutschen Frauen. Doch die russischen Alliierten können auch nett sein. Sie zeigen Fotos von ihren Kindern herum, bringen Schallplattenspieler und wollen ungezwungen feiern.
Sie kommen und gehen. Anonyma hat es geschafft, mit ihren Russischkenntnissen Ansehen zu gewinnen. Umgarnt von nicht nur einem Offizier gelingt es ihr, sich mehrmals vor Vergewaltigungen zu schützen. Geschehen ist es trotzdem, die BewohnerInnen im Haus sehen weg. Zum Schluss wird die Situation zu grotesk, Vergewaltigung und Plünderung gehören irgendwann zum Alltag.
Drei beschriebene Hefte dokumentieren das Leben der Autorin zwischen dem 20. April und dem 22. Juni 1945. Aus den Stichworten wurden mit Hilfe einer Schreibmaschine Sätze, Erinnerungen und Verdeutlichung rundeten das Werk ab. Kurt W. Marek bekam diese Erinnerungen zu Gesicht und übergab sie einem New Yorker Verlag. Im Herbst 1954 wurde die amerikanische Erstausgabe publiziert. Deutsche Verlage weigerten sich in den 1950er Jahren das Buch zu veröffentlich, 2008 erschien in Deutschland die Verfilmung Anonyma – Eine Frau in Berlin unter der Regie von Max Färberböck. Eine späte Form der Geschichtsaufarbeitung?
Anonyma
Eine Frau in Berlin
Eichborn Verlag
ISBN:9783821845340
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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