2007-05-14 21:02:34
Manoel de Oliviera würdigt Buñuels Klassiker Belle de jour vier Jahrzehnte später und mit neuer Besetzung: Belle toujours.
Beinahe 40 Jahre sind seit Belle de jour von Regisseur Luis Buñuel vergangen. Belle toujours von Manoel de Oliveira lässt zwei bemerkenswerte Persönlichkeiten der Filmgeschichte wieder auferstehen: Séverine Serizy und Henri Husson. Es war einmal: Séverins Vergangenheit ist durchzogen von ihren sexuellen Phantasien und einem Geheimnis, das sie bis heute belastet. Die junge Séverine Serizy, damals gespielt von Catherine Deneuve war die blonde Schönheit am Tag - Belle de jour, die ihre masochistischen Phantasien in Madame Anais Etablissement auslebte. Henri Husson, der beste Freund ihres verstorbenen Mannes, wusste um ihr Geheimnis, das so gar nicht in ihr kleinbürgerliches Leben passte.
Paris 2006
In Belle toujours begegnen sich die verwitwete Séverine (Bulle Ogier) und der Lebemann Henri (Michel Piccoli) zufällig wieder. Séverine wird nicht mehr von Catherine Deneuve verkörpert, die auf diese Rolle verzichtete. Bulle Ogier spielt überzeugend die in die Jahre gekommene Séverine, doch im Hinterkopf erinnert man sich immer wieder an die junge kühle Deneuve von anno dazumal. Husson ist ein distinguierter älterer Herr, dem Schalk und Sadismus noch immer im Nacken sitzen. Die Kamera zeigt durchwegs abgeschottete Schauplätze: einen Konzertsaal, eine Bar, eine Hotellobby und ein herrschaftliches Extrazimmer eines Restaurants. Meist umhüllt Dunkelheit die Stadt Paris. Husson eilt durch menschenleere Straßen, um Séverine zu finden. Seitdem er sie zufällig in dem Konzertsaal erblickt hat, hastet er atemlos hinter ihr her. Seine einsamen Schritte hallen in den menschenleeren Gassen wider. Die Verfolgung führt ihn in eine Bar und weiter in ihr Hotel in den Tuilerien. Séverine versucht krampfhaft, Husson auszuweichen, bis sich ihre Wege schicksalhaft kreuzen.
Momente der Langsamkeit und des Stillstands
Der portugiesische Autorenfilmer und Regisseur Manoel de Oliveira ist 98 Jahre alt. Seine Schaffenskraft jedoch ist ungebrochen. Mit wenigen Settings und einigen Establishing Shots führt er in die Räumlichkeiten von Paris ein. Die klassische Musik, die ruhige und starre Kamera unterstreichen die Langsamkeit des Films. Das Auge entspannt, endlich werden ihm langsame Schnitte vorgesetzt. Die atmosphärisch schweren Bilder entfalten dabei ihre volle Wirkung. Besonders eindrucksvoll wird das letzte Abendessen der beiden in Szene gesetzt. Séverine nimmt die Einladung widerwillig an, um endlich Gewissheit zu erlangen. Wird er ihr sein Geheimnis anvertrauen? Das Auge der Kamera ist auf ein Extrazimmer eines Restaurants gerichtet. Prunkvolles Interieur bei Kerzenschein. Zwei Menschen, die sich während des gesamten Abendessens nichts zu sagen haben. Die Kerzen brennen herunter und erlöschen langsam. Der Raum wird in Licht und Schatten getaucht. Im Halbdunkeln sitzen sich Séverine und Husson gegenüber. Hussons geistreiche Sätze verflüchtigen sich und auch die gealtete Belle wirkt streng und unnahbar. Die Vergangenheit bleibt im Dunkeln. Die Kerzen erlöschen.
Filmstart: 25. Mai 2007
Bilder: Stadtkino Wien
Change happens!
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