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Being Julia

2008-06-14 01:06:05

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Erick Zonca zeigt in „Julia“ das mitreißende Portrait einer alternden Alkoholikerin, die nur noch einen Ausweg sieht.

„Saturday!“ grölt Julia mit erhobenem Cocktailglas. Alkoholexzesse und One-Night-Stands bestimmen das Leben der Protagonistin in Erick Zoncas Film. Julia - eine Mischung aus Roadmovie, Thriller und Gangsterstory ist der erste Film, den Zonca in Amerika drehte. Bei der Berlinale 2008 lief er im Wettbewerb um den Goldenen Bären.

Ungewolltes Erwachen

Wenn die Morgensonne leicht über Julias (Tilda Swinton) Haar streicht, die Kamera langsam über ihr Make-up-verschmiertes Gesicht fährt, hinunter gleitet zum verrutschten Paillettenkleid, das ihren Körper halb entblößt, dann wird Julia unsanft geweckt. Ein trockener Mund und kaum bewegliche Beine versüßen das Aufstehen. Eine Nacht folgt der anderen, das Erwachen ist immer dasselbe. Julia verliert den Job, kann sich die Miete nicht mehr leisten und möchte nicht hinaus aus ihrer vernebelten Welt. Die Treffen bei den anonymen Alkoholikern besucht sie nur ihrem Freund Mitch (Saul Rubinek) zuliebe.

Julias labile Nachbarin Elena (Kate del Castillo) hat scheinbar die Lösung für alle Probleme. Ihr achtjähriger Sohn sei in den Fängen des kaltherzigen Großvaters und müsse befreit werden. Julia solle als Komplizin beistehen und würde kräftig entlohnt werden. Der Villa in Mexiko stünde also nichts im Weg, würde nicht auch Elena in einer Traumwelt leben.

Der Blick in die Tatsachen


Im Alkoholrausch zieht Julia die Entführung alleine durch. Der Großvater von Elenas Sohn Tom (Aidan Gould) ist Milliardär und Julia wittert das große Geld. Das Kidnapping wirkt brutal, Julias Umgang mit Tom ist grob. Gefesselt und vollgepumpt mit Tabletten vegetiert der Junge zwei Tage vor sich hin. Doch langsam nähern sich Julia und ihr Opfer einander an.

Erick Zoncas Julia lebt durch die mitreißende Darstellung von Tilda Swinton. Dank dem overacting Swintons gewinnt ihre Rolle an Glaubwürdigkeit. Julia ist eine der wenigen Darstellungen, in denen Swinton aus den fragilen ästhetisierten Figuren heraustritt, in denen sie Bekanntheit erlangte. Ob als Hexe Jadis im zweiten Teil Der Chroniken von Narnia oder in ihrer ersten Rolle als Elena in Derek Jarmans Caravaggio, Swinton wirkt häufig wie ein lebendig gewordenes Renaissancegemälde.

Auch für die Entstehung von Julia war eine Abbildung der Anstoß. Ein Foto von Helmut Newton, auf dem eine Frau mit roten Haaren durch Los Angeles fährt, gab Zonca die Inspiration zum Film. Stilisierte Schönheit verbunden mit Gewalt und Exzessen schaffen eine filmische Glanzleistung, mit wenigen Mängeln.

Fazit

Gegen Ende hin wird die wunderbare Geschichte immer bizarrer, was zwar die Spannung aufrechterhält, aber trotzdem realitätsfern erscheint. Figuren verschwinden während des Films wie Wegwerfartikel. Als Elena das Ihrige zur Handlung beigetragen hat, sieht man sie nicht mehr wieder. Julias Nikotinkonsum schwindet verwunderlich schnell im Laufe der Geschichte.

In den 138 Minuten, die Julia ihren Weg durch den Roadmovie schlägt, begegnet man einer unbekannten Tilda Swinton. Das Ensemble spielt gekonnt zusammen, einzig Aidan Gould wirkt in der Rolle des Tom zu abwesend. Erick Zonca lässt das Ende seines Films bewusst offen, so kann sich jeder Julias Zukunft selbst ausmalen.

Filmstart in Österreich: 20. Juni 2008

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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