Damon Gough aka Badly Drawn Boy liefert mit "Born In The U.K." wieder mal ein feines Album mit zeitlos schönen Songs ab.
Then you see the Union Jack
And it means nothing
But somehow you know
That you will find your own way
It’s a small reminder every day
That I was born in the U.K.
(Born In The UK)
Als ich den Titel des neuen Badly Drawn Boy-Albums das erste mal hörte, musste ich zunächst mal an Elton John´s „Made In England“ denken, und kurz darauf rauschte mir gar das patriotische Bekenntnis „I Am From Austria“ eines bekannten heimischen Sängers durch den Kopf. Aber keine Angst, Damon Gough aka Badly Drawn Boy hat glücklicherweise nichts in Richtung der genannten Vorahnungen vom Stapel gelassen. Auf Nationalstolz weisen gerade einmal Albumtitel und die die englische Bundeshymne imitierenden Eingangsakkorde des Titelsongs auf. Wenn, dann geht´s schon eher in Richtung „Born In The USA“ seines deklarierten Vorbildes Bruce Springsteen, wie etwa das leicht an Don McLean´s „American Pie“ angelehnte „Degrees Of Separation“ zeigt.
What about the world
What do you mean
Well if the world was a better place,
Some of these bad things wouldn’t happen.
Yeah but there’s good things all around,
You just have to look longer and harder
To see them sometimes.
(Swimming Pool)
In „Swimming Pool“, einer Art Ouvertüre versucht ein optimistisch gestimmter Weltverbesserer gegen seinen pessimistischen Gegenpol zu argumentieren. Es könnte sich auch um einen Vater-Sohn-Dialog handeln, der von einem hübschen, melancholischen Klavierthema untermalt wird und in der zweiten Albumhälfte als Anhängsel von „The Long Way Round“ überraschend noch einmal auftaucht. Nahtlos leitet „Swimming Pool“ den eigentlichen Startsong „Born In The UK“ ein. In der flotten, hittauglichen Nummer führt uns der schlecht gezeichnete Junge auf eine amüsante Zeitreise durch sein Leben, verknüpft mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen in seinem Heimatland.
Großteils ist das Album von ruhigen, melancholischen und von Klavier dominierten Songs geprägt. Da wäre etwa das musikalisch wie textlich wunderschöne „Promises“, das mit dem ebenso bezaubernden „Nothing's Gonna Change Your Mind“ einen der Höhepunkte markiert. Auch „Without A Kiss“ fällt in diese Kategorie, das mit einer repetitiven Pianosequenz und dem langsamen perkussiven Aufbau fesselt. Dazwischen sorgen Nummern wie „Welcome To The Overground“, welches mit dem durchgehenden Chorgesang wie ein Extrakt aus dem Musical „Hair“ klingt, oder das leider etwas weniger gelungene, countryeske „The Way Things Used To Be“ für die nötige Abwechslung.
Alles in allem hat der bärtige Mann mit der Haube und der samtweichen Stimme, der mit Ausnahme von Drums und Bass wieder alle Instrumente alleine eingespielt hat, erneut ein feines Album mit zeitlosen Songs und wunderschönen Texten hingelegt, das sich sicherlich perfekt mit trüben Herbsttagen und langen Abenden vorm Kamin kombinieren lässt.
Livetipp: Badly Drawn Boy wird am 3. Dezember in der Arena zu Wien aufgeigen – wärmste Empfehlung !