Kurz vor der Wahl entdeckt das BZÖ das Thema Kindesmissbrauch. Das solche Überzeugungs-Taktiken funktionieren zeigt die Geschichte. Zum Beispiel der Zweite Golfkrieg.
Gegen Kindesmissbrauch - wieso erst jetzt?
4. September 2006: Das BZÖ entdeckt das Thema Kindesmissbrauch. In einer Pressekonferenz stellt Spitzenkanditat Peter Westenthaler sein „Kinderschutzprogramm“ vor, dass Justizministerin Karin Gastinger noch vor der Wahl in den Ministerrat einbringen soll. Gleichzeitig lässt er den Slogan „Keine Gnade für Kinderschänder“ plakatieren. Hintergrund: Das Ende des Entführungsfall Natascha Kampusch hat das Thema in den Blickpunkt der Menschen gerückt. Ein Thema, dass sich kurz vor der Wahl wegen seiner seltenen Eindeutigkeit anbietet. Kindesmissbrauch wird – die Täter ausgenommen – von allen Menschen abgelehnt. Zutiefst. Von allen.
Natürlich passt es auch gut in den law-and-order Anspruch der „Bewegung“ (Eigendefinition). Dazu kommt ein grundsätzlicher Mechanismus der Massenmedien, seit langem schwelende Probleme erst aufzugreifen wenn sich ein aktueller Anlass bietet. Wenn's zu spät ist. Klar, der Kampf gegen Kindesmissbrauch ist wichtig und wie sich solche Fälle in Zukunft vermeiden lassen muss diskutiert werden. Aber nach 6 Jahren Regierungsbeteiligung kurz vor der Wahl damit aufzutrumpfen ist nicht nur billig – sondern widerwärtig. Und wird der Tragweite des Problems nicht gerecht. Es erinnert mich außerdem an eine gern vergessene Geschichte.
Wie die „Brutkastenlüge“ zum Zweiten Golfkrieg führte
Szenenwechsel: 10. Oktober 1990. Das iranische Mädchen Nayirah berichtet vor dem US-Kongress unter Tränen Ungeheuerliches. Sie hätte gesehen, wie irakische Soldaten nach ihrem Einmarsch in Kuwait Babys aus Brutkästen gerissen hätten. Alle amerikanischen Medien bringen die Geschichte, Präsident George Bush Sen. verwendet sie mehrmals in seinen Reden. Die vormals kriegsablehnende Meinung der Öffentlichkeit kippt und der Kongress beschließt den Krieg gegen den Irak. Am 16. Jänner 1991 beginnt der Zweite Golfkrieg.
Nayirah hieß in Wirklichkeit Nijirah al-Sabah und war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Die ganze Geschichte war erlogen, auch wenn es Verbrechen der irakischen Soldaten gab. Kuwait hatte die PR-Agentur „Hill & Knowlton“ beauftragt, in den USA die Stimmung für einen Krieg zu schüren. Um eine maximale Wirkung zu erreichen ließen die PR-Profis in Umfragen abtesten, welches Verbrechen die AmerikanerInnen am meisten ablehnen. Ergebnis: Babymord.