Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Aus. Ende. Vorbei. Wir dürfen wieder fernsehen!

2007-04-02 00:10:50

Eine ganze Nation saß gebannt hinter den Fernsehschirmen und verfolgte mit größter Aufmerksamkeit die 20. Olympischen Spiele in Turin. Der kritische Fernsehkonsument musste nolens volens dieses sportliche Großereignis mitverfolgen, denn beinahe jeder Sender überbot sich gerade im Schwingen der Staatsflagge. Dabei wurde der Fernsehkonsument seiner liebsten Freizeitbeschäftigung beraubt.

Gleich vorweg: Es waren nicht die 20. Olympischen Spiele in Turin, die mich – den Wahrer des niveauvollen Fernsehens, wie es ARTE, 3Sat, Bayern Alpha, usw. tagtäglich vorexerzieren – wieder sehr an den Sinn eines ORF-Fernsehkanals denken ließen. Denn während andere, eben bessere Sender auf das sportliche Remmidemmi pfiffen, mussten ORF-, ARD- und ZDF-Konsumenten in voller Länge und Breite diese übergroße Hürde auf sich nehmen. Und hier wird mit voller Absicht nicht nur der ORF erwähnt, was zur Folge hat, dass auf das auch schon ausgelutschte „Österreich ist so scheiße!“-Gelabere verzichtet werden kann; auch „Eurosport“ soll ausgenommen sein, da er ja, wie logisch, ein Sport-Kanal ist und so nicht auf dieses Großereignis verzichten kann. Stichwort: Umschalten nicht erlaubt!

Das soll…
Zumal es ja - das soll in aller Deutlichkeit auch einmal erwähnt werden - völlig in Ordnung ist, wenn wahre Sport-Junkies, Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für das Extreme namens Sport oder just Anhänger solcher galaktischen Mega-Veranstaltungen zwei ganze Wochen lang früh bis abends um die Wette „glotzen“; das macht meiner einer bei Fußballweltmeisterschaften (ja, ja, ist nicht mehr lange, zählt die Tage!) genauso. Die mich gewaltig störende Sache ist aber dieses verdammte Scheuklappendenken: Die anderen sollen/dürfen nicht besser sein als wir! Wobei wir da schon beim Punkt wären. Es ist nicht dieses im Übermaß vorgetragene „Wir san wir!“-Gehabe, dieses alle anderen Nationen ausschließende Patriotendenken, welches diese Welt immer noch eine sehr graue sein lässt? Seien wir doch – das gilt auch für außersportliche Bereiche – wenigstens ein bisschen kosmopolitischer! Eines soll dabei jedoch schon klargestellt werden: Patriotismus ist, solange er nicht in überbordendem Nationalismus (über das andere, noch schlimmere Übel gar nicht zu reden!) ausartet, nichts Negatives! Und es gab ja – so viel bekam auch ein notorischer Olympische Spiele-Dauerverweigerer mit – auch schöne Szenen; Szenen, bei denen Italien-Fans auch den Siegen der Österreicher (z.B.) zujubelten. Wenn man dann aber, bei Einschalten des Fernsehgerätes bzw. des ORFs, „Star“-Reportern wie Robert Seeger anhören muss, so ist es doch eine Überlegung wert, beide Ohren auf Durchzug zu stellen.


…Fernsehen sein?
Das kollektive – zumindest in intellektuellen Kreisen gern gehandhabte, zumeist korrekte, weil richtig, teilweise aber trotzdem schon lächerlich anmutende – Österreich-Geschimpfe soll in keiner Weise gutgeheißen werden; trotzdem muss man wohl (oder übel?) feststellen, dass es auf deutschen Fernsehsendern (ARD, ZDF, usw.) schon anders abläuft als in dem Land, wo die Alpen den größten Teil einnehmen; alleine schon der Moderatoren wegen. Da ist mir beim besten Willen das Preußische lieber als das „Seeger-Deutsch“ (Wo bleibt der Wiener Schmäh?). Doch nicht zuviel des Moderatoren-Gehansels, schließlich ging es mir dabei ja um die Sache „Fernsehen und Olympische Spiele“. Der schreckliche Kern der Sache ist ja der: triste Dauerberieselung ganztägig. Keine Abwechslung. Bericht auf Bericht, Block auf Block, dazwischen Bestandaufnahmen und Interviews unserer Männer in Turin. Und auch der sehr informative „Newsflash“ durfte nicht fehlen! Jedenfalls bedeutet dieses Ende der Olympischen Spiele letztendlich auch ein breites Aufatmen. Denn jetzt regieren wieder so immens wichtige US-Serien wie „Malcolm Mittendrin“, „Die Simpsons“, „Southpark“ oder andere Fernsehkaliber wie „Harald Schmidt“, das uns auch still und leise gestohlen wurde. Was das bedeutet, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Wir dürfen wieder fernsehen! Natürlich nur bis zu den nächsten Sportnachrichten, die den armen Fernsehkonsumenten mit unzähligen Nachberichten aus Turn bewerfen. Aber da kann ich ja wieder umschalten!

Printer Icon



AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

Newsfeed Icon Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop