Mit ihrem neuen, vierten Album „Eyes Open“ liefert die irisch/schottische Band Snow Patrol das Beispiel einer gelungenen Indiepop-Platte.
Den meisten wird Snow Patrol wohl in Verbindung mit der Schmachtballade „Run“ ein Begriff sein, ihr bisher auch größter kommerzieller Erfolg. Obwohl die Band bereits seit über 10 Jahren existiert, brachten Snow Patrol erst drei Alben heraus. Ihren ursprünglichen Namen Polar Bears mussten sie verwerfen, da bereits eine gleichnamige Band existierte. Nicht weiter verwunderlich
also, dass die auf Snow Patrol umgetaufte Truppe ihr Debütalbum „Songs For Polarbears“ nannten. Nach dem großen kommerziellen Erfolg des dritten Albums „The Final Straw“ und einer ausgedehnten Tournee gab es personelle Umbesetzungen. 2005 verließ Gründungsmitglied und Co-Songwriter Mark McClelland die Band und wurde bald darauf von Bassist Paul Wilson ersetzt. Mit Keyboarder Tom Simpson sind Snow Patrol nun zum Quintett angewachsen, woraus nun ihr 4. Album „Eyes Open“ fruchtete.
Snow Patrol mit Sänger Gary Lightbody (2.v.l.)
Musikalisch wie textlich dreht sich weiterhin alles um die großen Gefühle, Lightbody beschreibt und –singt kleine und große Gefühlsdramen, wie Beginn und Ende von Beziehungen und die damit verbundenen Emotionen. OK, nehmen wir´s gleich vorweg, Snow Patrol klingen ein wenig nach Coldplay, und sicherlich wäre es nun hipper zu schreiben, dass eigentlich niemand eine weitere Coldplay-Style-Band und diese ganze Gefühlsduselei braucht... andererseits, flüchten wir nicht alle gerne mal für eine Spielfilm- oder Albumlänge in eine andere, durchaus mal mit ein wenig Gefühlskitsch überzogene Welt? Natürlich lässt sich schwer leugnen, dass sich die Jungs bei der Ballade „Chasing Cars“ mit ihrem Crescendo-Aufbau von Chris Martin & Co. oder bei „Open Your Eyes“ von den Labelpartnern U2 inspirieren ließen. Dennoch haben sich Snow Patrol im Laufe ihrer nun insgesamt vier erschienenen Alben enorm weiter entwickelt und ihren eigenen Stil geschaffen.
„If I lay here, If I just lay here
Would you lie with me
And just forget the world”
(Chasing Cars)
Die Experimentierfreudigkeit und Verspieltheit ihrer bisherigen Alben ist (leider) ein wenig in den Hintergrund getreten, dafür klingt die Band nun kompakter und ihr neues Album in sich geschlossener. Angefangen bei „You´re All I Have“, Beispiel eines simplen aber rundum gelungenen Popsongs, bis zur leicht dahinschwebenden Schlussnummer, passenderweise „The Finish Line“ betitelt, während dazwischen so manche Songperle erstrahlt. Da lassen´s die Jungs stellenweise auch mal ordentlich krachen („Hands Open“ oder „Headlights On Dark Roads“), zum überwiegenden Teil wird das Album aber von sanften und melancholischen Tönen geprägt. Einer dieser melancholischen Höhepunkte manifestiert sich im Song „You Could Be Happy“, in dem sich Lightbody´s samtweiche Stimme über eine Art Spieluhren-Melodie legt und über eine verflossene Liebe klagt, gefolgt von einem weiteren Höhepunkt, „Make This Go On Forever“. Hier wird die ohnehin schon schwermütige Piano-Grundstimmung durch den dramatischen Choreinsatz im Refrain zur Spitze getrieben. Auch wenn er´s im Grunde nicht nötig hat, bekommt Lightbody bei „Set The Fire To The Third Bar“ ein weiteres Mal stimmliche Unterstützung, diesmal von Martha Wainwright, die dem – ansonsten vermutlich nicht besonders aufregenden - Song dadurch eine ganz besondere Note verleiht.
Die Vermischung von Gitarrenrock-Sound mit Streicherarrangements und sanfter Elektronika erinnert mich stellenweise an das großartige, im vergangenen Jahr erschiene Album „Tourist“ von Athlete, die vielleicht noch mit einer Prise mehr Raffinesse an die Sache herangegangen sind. Dennoch, mit „Eyes Open“ ist Snow Patrol ein tadelloses Indiepop-Album gelungen, und wer auf schneidige Rocksongs wie „You´re All I Have“ oder „It´s Beginning To Get Me“ und gefühlvolle, zuweilen dramatische Balladen gleichermaßen steht, liegt hier goldrichtig.