2011-03-28 18:20:44
"Wer immer das gleiche Bier bestellt, verpasst die Vielfalt der österreichischen Bierkultur", meint Bierpapst Conrad Seidl. Auch heuer steht sein Bier-Guide wieder sinnbildlich für die Forcierung von Kultur und Vielfalt im Zeichen des Gerstensaftes.
Bier gilt als Allrounder für sämtliche Situationen, wird generell in Gesellschaft und verantwortungsvoll getrunken. Ebenso erfreulich: Frauen trinken tendenziell zunehmend Bier. Und der Mensch wurde wahrscheinlich – nach dem aktuellen Stand der Forschung – wegen des Bieres sesshaft; Brot wurde beispielsweise erst später gebacken, als der Gerstensaft gebraut wurde.
Zum Leupold
Mittwoch, 23.3.2011, Gasthaus Zum Leupold. Conrad Seidl präsentiert die 12. Auflage seines alljährlichen Bier-Guides, passend zum Frühjahr vor Eröffnung der Gastgärten in ganz Österreich. Schon das Lokal zur Präsentation spricht für sich: Das Kupferdachl im Souterrain des Gasthauses. Einerseits ist es geschichtsträchtig, denn es bot die Räumlichkeiten der früheren Mausefalle – einem Jazzlokal im Souterrain mit der Wandgestaltung des Malers Christian Ludwig Attersee. Zudem feierte Bundeskanzler Julius Raab die Unterzeichnung des Staatsvertrags im Gasthaus Zum Leupold. Andererseits – um zum Bier-Guide zurückzukehren – wurde das Gasthaus zum Bierlokal des Jahres in Wien gewählt.
Besonderheiten des Guides
Der Bier-Guide resultiert aus mühsamer Kleinarbeit: Die Lokale haben allesamt eine kleine, hilfreiche Beschreibung mit allen lagernden Biersorten, Extras und einer Bewertung des Lokals. Das macht den Guide zu einem unersetzbaren Führer durch das Bier und die Bierlokale in Österreich. Um die Bewertungskriterien kurz im Überblick zu erläutern, sei darauf hingewiesen, dass Conrad Seidl besonderen Wert auf Bemühen um das Bier legt, sowie auf die angebotenen Bierarten und -sorten, ob es Brauerei-Gasthäuser sind (bzw. Selbst-Gebrautes anbieten) und natürlich etwaige Besonderheiten. Fünf Krügerl bedeuten unter anderem ein international herzeigbares Lokal mit einer Vielfalt an Bierstilen, guter Stimmung und einer spürbaren Liebe zum Getränk. Drei Krügerl bekommt ein Lokal, das den regionalen Standard vorgibt. Der Führer umfasst alle Arten von Lokalen: Pubs, Cafés, Restaurants, Beiseln und Bars, sowie alle nennenswerten Bierlokalitäten.
Alles eitle Wonne?
Kritikpunkte findet man natürlich ebenso: Bei jedem Lokal steht zwar, warum es gut ist, aber die kleinen Negativpunkte könnten ruhig als Randnotiz vermerkt werden. Persönlichen Vorlieben wird er ein bisschen nachgeholfen haben, denn dass alle drei Krügerl-Lokale regionale Standards vorgeben - ich weiß nicht recht. Aber eigentlich Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was den Bier-Guide ausmacht: Ein guter Überblick nach Bundesländern geordnet, eine Auflistung aller Biersorten der diversen Lokale und eine Honorierung von Leistungen im Sinne des Bieres und der Bierkultur.
Im Sinne der Vielfalt
Da Alkohol stets den verantwortungsvollen Umgang verlangt, verweist der Bierpapst auf ein exquisites und exklusives Leichtbier namens Wälder Senn aus Egg im Bregenzer Wald (Braumeister Hinrich Hommel), das unter Verwendung von Molke gebraut wird. Auch die vielen neuartigen Bierkreationen und One of Brews werden positiv hervorgehoben – zum Beispiel das Steinbier vom Brauhaus Gusswerk in Salzburg (Braumeister Reinhold Barta) oder das Gammon Ale der Brauerei Forstner Biere in der Steiermark. Insgesamt werden 1200 Adressen gelistet, dazu 5000 Bierangebote, sowie ein Bierkalender, Besichtigungsprogramme der Brauereien und Biermuseen in den Bundesländern.
Erneut unumgänglich
Der Bier-Guide bleibt auch im zwölften Anlauf der unverzichtbare Begleiter von Bierliebhabern aller Art. Er bietet einen umfassenden Einblick in Tradition und zeitgenössische Ausprägungen der Bierkultur. Gleichzeitig schenkt er jedem Bier und jedem Wirt die Aufmerksamkeit, die ihm letzten Endes gebührt. Als zusätzliches Zuckerl wird an einem Smartphone-App gearbeitet. Sollte man undanks ohne Bier-Guide unterwegs sein, so bleibt immerhin fürs Erste die Website des Guides.
Facts:
Conrad Seidls Bier Guide 2011
erschienen im KGV-Verlag, März 2011
388 Seiten, 14,90 Euro
ISBN: 978-3-902645-62-3
Nie-Ruhig-Sitzer mit Faible für extensives Double-Bass-Mitschunkeln und Drang zur Überbetonung künstlerischer Aspekte in B-Movies. Oh yeah, that's my fault!
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