2007-04-02 00:11:23
Róisín Murphy, die Stimme der Dancefloor-Stars Moloko, gastierte gestern Abend mit ihrem Solodebüt in der Arena zu Wien.
Die Einstimmung auf das im Hauptprogramm folgende Konzert von Róisín Murphy übernahm an diesem Abend ein DJ (!). Dieser wurde wohl eigens von Murphy engagiert, um die Besucher auf Betriebstemperatur zu bringen. Dem Publikum gefiel diese Art der Aufwärmung – vor allem denjenigen, die sich an Wochenenden in Schnösellokalen die Gurke geben. Diese kamen der musikalischen Aufforderung nach und bewegten sich gekonnt zu alten Soul- und Funk-Hadern. Eine neben mir tanzende Besucherin war kaum zu bändigen: Wie wild kreiste sie ihre Hüften und schlängelte sich so ekstatisch durch die Menge, so als wäre sie seit nunmehr drei Monaten wieder auf ihrer ersten Party.
Die Erlösung
Mit einem immer wiederkehrenden – so als würde die Platte hängen – schrillen Geräusch betraten die Musiker ihre Arbeitsstätte, hängten sich behutsam ihre Werkzeuge um und stimmten diese vorsichtshalber noch einmal. Die Scheinwerfer wurden gedämmt, nur im Hintergrund vernahm man einen Lichtstrahl, der sich suchend auf der Bühne herumtastete. Der Tontechniker auf der Suche nach einem defekten Kabel?! Nein, bedient wurde dieser Richtscheinwerfer von Róisín, die kurz darauf in einem eher konservativ und in Schwarz gehaltenem Kostüm zum Vorschein kam. Dabei zierte ein Zylinder ihr rotes Haupt. Mit „Ramalama (Bang Bang)“ ging es in den ersten Song dieses feuchtfröhlichen Abends. Dabei zeigte sie ihre Fähigkeiten als famose Diskokönigin. Voller Energie wurden hier die ersten Schweißtropfen aus den Poren gepresst. Ganz nach dem Motto „Schaut her, ich kann es noch immer!

Róisín Murphy mit einer etwas überdimensionalen Taschenlampe
auf der Suche nach dem perfekten Popsong. © Florian Wieser/Musicnet
An ihrer Seite schraubte ihr neuer musikalischer Wegbegleiter Matthew Herbert, welcher als exzentrischer Produzent bereits seit Jahren in der elektronischen Szene seine Brötchen verdient. Dieser hat sich bei „Ruby Blue“, dem Soloalbum von Róisín Murphy vorgenommen, aus jedem nur denkbarem Gebrauchsgegenstand einen Beat oder eine Melodie zu basteln. Mittels Laptop-Technik wurde hier gesampelt was das Zeug hielt. So auch beim nächsten Song, bei dem das Läuten eines Weckers partiell wiederkehrte. Auch die einzigartige Stimme von Murphy wurde in dieser Art und Weise als Instrument eingesetzt. Dabei hauchte sie in ein dafür extra vorgesehenes, zweites Mikrofon. Diese Spur wurde danach sorgfältig zurechtgeschnitten und je nach Gebrauch eingespielt. Davon lebten und zerrten die Songs ungemein. Neu ist diese Art von Melodie-Erzeugung aber keineswegs.
Die mitgebrachte und sehr ausgeschlafen wirkende Rhythmusabteilung agierte eher im Hintergrund des Geschehens. Behutsam wurde die Gitarre gestreichelt und der etwas fülligere Bassist legte sein Instrument sachte auf seiner Wampe ab und zupfte es so gekonnt durch den Abend.
Von der etwas räudigeren Seite zeigte sich jedoch ein mit Trompete, Posaune und Saxophon bewaffnetes Trio, welches im Hintergrund werkelte. Nur stellenweise wurde ordentlich zur Attacke geblasen. Im Normalfall nervt das Saxophon bei übermäßiger Beanspruchung, aber dieses Mal war es anders: Der auf der Posaune agierende Nerventöter wollte nicht länger die zweite Geige spielen und meckerte ständig in einem etwas gezerrten Ton Richtung Publikum. Die an diesem Abend wie eine Dompteurin agierende Murphy zog ihm mit der Peitsche eines über. Ruhe! Jetzt ist Liebe angesagt. Dadurch wurden auch die Bläsersätze etwas subtiler und die Moll-Töne nahmen in der Arena Einzug. Drastisch folgte eine innere Einkehr.

© Florian Wieser/Musicnet
Vorgetragen wurden diese mittels minimalistischen Arrangements. Murphy intonierte in einer designierenden Stimme und torkelte dabei wie ein betäubtes Tier auf der Bühne herum. Ständig auf der Suche nach der Erlösung, versuchte die fortwährend auf das Rampenlicht erpichte Murphy, so etwas wie Gefühle zu vermitteln. Auweia! Anscheinend fühlt sie sich in dieser Rolle nicht einmal selbst wohl. Was zur Folge hat, dass man ihr das auf der Bühne vorgetragenen Leid nicht wirklich abnimmt. Und machen wir uns nicht vor: Schnulzen waren und sind einfach nicht ihre Stärken. Diese liegen ganz wo anders – und zwar in der schicken Welt des Glamours und der Tanzflächen, welche sich durch das ständig wechselnde Bühnenoutfit widerspiegelte: Einmal sexy-konservativ im weißen Frack, dann wieder als Partyqueen im schrillen Indianer-Outfit oder mit glitzerndem Batman-Umhang. Peinlich wurde es aber nie. Zum Abschied umgarnte sie noch brav die Mitglieder der Band – und das Publikum wurde mit einem „Jetzt muss ich aber wirklich ins Betterl“-Abschiedsgewinke in die kalte Novembernacht entlassen.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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