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Attwenger ausgewickelt

2007-09-11 13:44:52

  • attwenger Binder falkner
  • attwenger donaukanaltreiben
  • fm5 attwenger

Scharfe Kritik in lustvoller Performance, englischsprachiger Alpendialekt und ein Konzert am Mond. Nichts klingt ungewöhnlicher als Attwenger selbst.

Sie sind mehr als nur zwei Typen, ein Schlagzeug, eine „Quetschn“ und Musik in Mundart. Und dass volkstümliche Klänge nicht gleich Musikantenstadl sind, sondern auch Metaller, Hip Hopper, Technos, Alternatives etc. etwas mit Attwenger anfangen können, hat das heimische Duo in ihren 15 Jahren Bandgeschichte auf neun Alben deutlich bewiesen.
Anlässlich des 5. Geburtstages von FM5 am 5. Januar 2008 werden Attwenger die Bühne im oberösterreichischen Baumgartenberg bespielen. FM5 hat Markus Binder und Hans Peter Falkner vorab zu einem Gespräch getroffen.

FM5: Ebenso wie Texta werdet ihr am fünften FM5-Fest auftreten. Gemeinsam habt ihr auch eine Single (So schnö kaust gor net) schaun herausgebracht. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Texta gekommen?

MB: Wir haben sie gebeten, ein Remix für das Dog2-Album zu machen. Nach der Deadline haben wir gemeint, dass es jetzt nicht mehr geht, aber irgendwann später. Das hat dann noch ein Jahr von Dog2 weg gedauert, aber sie haben sich viel Mühe gegeben. Ich finde, dass es sehr gelungen ist – gute Texte, guter Sound. Als es dann herausgekommen ist, haben Texta es auf ihr neues Album gegeben, womit wir natürlich auch kein Problem haben.

Werden gemeinsame Auftritte folgen?

MB: Wir haben am Donauinselfest bei der einen Nummer mitgespielt. Das Problem ist aber, dass die Ziehharmonika nicht zu deren Tunes passt und daher weiß ich nicht wie wir das live hinbekommen – aber bei FM5 spielt jeder seine Geschichte.

Euch wird nachgesagt, dass ihr es schafft, Attwenger immer wieder neu zu erfinden. Wie denkt ihr darüber?

MB: Die Sache mit dem „ständig neu erfinden“ ist so ein chronischer Begriff, weil Attwenger eine Neuerfindung ist und die Weiterentwicklung einer Neuerfindung, ist das wieder eine Neuerfindung der Neuerfindung? Der Begriff ist etwas ausschließlich, ich finde den Begriff „entwickeln“ besser. Das trifft es auch mehr. „entwickeln“ im Sinne von „auswickeln“. Dieses Spiel kann man mit Attwenger permanent und endlos dahin treiben. Immer wieder ins Detail gehen und das auswickeln, entwickeln. Das ist mir sympathischer als „neu erfinden“.

Lässt sich Attwenger endlos „auswickeln“?

MB: Das Potential ist da. Wir bleiben nicht an einem bestimmten Zeitpunkt stehen – sprich Sound, Dialekt, „Quetschn“ – sondern  setzten uns ständig mit unterschiedlichen Dingen auseinander. Das verschafft wieder einen anderen Blick auf das eigene Material. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es aus ist. Es kann sein, dass es uns mal nicht mehr freut, was auch zwischendurch passieren kann, aber vom Potential her ist Attwenger eine super Neuerfindung, mit der man sich endlos spielen kann.

Stichwort Dialekt: Wieso ist Mundart eure musikalische Ausdruckssprache?

MB: Weil er vor allem sehr musikalisch ist und weil sein Wortspielpotential sehr hoch ist. Mit dem Dialekt kannst du alles machen. Vor allem die Nähe zum englischen Sound – was wir gerade bei der neuen Nummer versuchen – Reime zu machen, wo sich Dialekt auch mit dem Englischen reimt. Es fällt gar nicht auf. Das würde im Hochdeutsch viel unterschiedlicher sein. Ich finde das Englische und den Dialekt – wie wir ihn verwenden – sehr easy ineinander gehend.

Bei eurem Auftritt vorhin am Donaukanaltreiben waren Textpassagen von Manu Chaos Bongo Bong zu hören. Verwendet ihr öfters andere Interpreten für eigene Songs?

MB: Das sind kleine Zitate. Wir hatten eine Zeit lang von Britney Spears was drinnen: „my loneliness is killing me, I must confess, I still believe“ – super Nummer muss ich sagen. Diese Dinge sind keine großen Sachen, man hat keine Absicht, diesen oder jenen zu nehmen und zitieren zu müssen. Sondern ich spiele „dadadadadadada“ und dann rollt der Text daher. Das muss sich aus einer musikalischen Situation heraus ergeben.

Musik als Mittel Kritik zu äußern gehört zu euren Markenzeichen. Könnt ihr momentan einen verstärkten Trend dazu in der Musikbranche feststellen?

MB: Das haben wir schon in der Volksmusik festgestellt. Das hat eine lange Tradition. Ich glaube, dass Musik immer dafür gut ist. Dadurch, dass es mit Groove und Sound verbunden ist, kommt die Message viel differenzierter rüber. Mir kommt vor, dass dieses Ding immer aktuell ist. Ob da gerade ein Trend dazu ist, weiß ich nicht. Ich kann jetzt kein Zeitloch feststellen, in dem keine politische Musik gemacht worden ist. Wie wir das machen – das ist das Interessante – ist, scharfe politische Meldungen mit einer lustvollen Performance zu bringen.

Denkt ihr, dass eure Messages ankommen?

MB: Was man so mitbekommt, macht das ganz gute Wellen. Kaklakariada und dum – der Response auf die Texte ist ganz gut. Ich würde mich davor hüten, konkrete Wirkungen feststellen zu wollen. Das ist auch nicht der Zweck der Übung, sondern sie zu formulieren, zu artikulieren und das ins öffentliche Spiel zu bringen.

Gibt es ein Musikgenre, das ihr noch nicht erprobt habt?

HPF: Rock’n’Roll.
MB: Eine neue Nummer ist Rock’n’Roll. Sie klingt ein wenig Sixties-mäßig.

Nachdem bereits ein Attwenger-Film und ein Buch erschienen sind – gibt es noch unerfüllte Herzenswünsche?

HPF: Ein Konzert am Mond.

Um das übliche Frage-Antwort-Spiel ein wenig abzurunden, habe ich noch einpaar Impulsbegriffe für euch vorbereitet.

Hinterfotzigkeit

MB: Vordergründigkeit.

Protestsong

MB: Naja, kommt schon wieder.
HPF: Sehr wichtig.

Österreich/er

MB: und -innen. Wir wünschen euch alles Gute. (lacht)
HPF: San super!

ORF

HPF: Wer ist das?

Österreichischer Rundfunk

HPF: Ich habe keine Zeit, um Fernzusehen. Die haben schon super Sachen gemacht, aber nicht immer. Sie sollten etwas mehr…
MB: …riskieren…
HPF: …und Musiksendungen machen.
MB: Ein wenig „altfaderisch“ ist es. Im ORF gibt es die Meinung, dass sehr viele ältere Leute fernsehen und deswegen das Programm.
HPF: Diese Donnerstag-Night-Schiene sollte es an mehreren Tagen geben mit so einer Art von Programm.
MB: Genau. Von Donnerstag bis Sonntag zum Beispiel. Wo Sachen ausprobiert werden können. Fernsehen ist ja ein ideales Medium dafür.
HPF: Nein, von Montag bis Donnerstag, weil wir meistens von Donnerstag bis Sonntag spielen. Dann haben wir wieder keine Zeit zum Fernsehen.

Diskurs-Disput-Streitkultur-Plattform (Anm. Begriff aus einer Treffpunkt Kultur Sendung mit Markus Binder)

MB: Das sind die Plattformen, auf denen die Leute spielen. (zeigt Richtung Bühne)
HPF: Ein Hochsitz.
MB: Ja, ein Hochsitz mit Überblick. Das ist immer die Sache mit der Streitkultur, dass du dir in Österreich so vorkommst, als wenn immer alle gleich beleidigt sind. In Deutschland gibt es viel mehr Bereitschaft oder viel mehr Bewusstsein, dass man über Sachen reden kann, auch wenn sie nicht angenehm sind. Hier herrscht gerne ein „konsensuales“ Klima. Das Österreichische ist gerne „passt scho“.

FM5

HPF: Is’ super. Die machen eine super Sache am 5. Jänner und da kommen wir gerne hin.

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AutorInnen

Linda Schürer-Waldheim

Linda Schürer-Waldheim

VerhaltensUNgestörtes Einzelkind, Belegerin diverser Massenstudien mit großem Faible für Alltagseskapismus mittels Ton und Schrift.

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