Jedes Album der Sängerin, Songwriterin und Gitarristin Ani DiFranco begeistert die Zuhörer von neuem - ihr aktuelles Album "Reprieve" ist dabei mit Sicherheit keine Ausnahme.
And you were no picnic - And you were no prize - But you had just enough pathos - To keep me hypnotized… Ein überschwängliches aber dennoch korrektes Statement, wenn man bedenkt, dass es auch auf die Künstlerin selbst übertragbar ist. Doch nicht nur Pathos ist in den Liedern der Selfmade-Musikerin Ani DiFranco zu finden, auch Ethos und Logos knüpfen sich im Laufe der Melodien mit ein. Doch das war nicht immer so, denn nachdem sie durch unzählige Kaffeehäuser und Bars mit nicht mehr als einer Akustikgitarre und einer Hand voll Songs getingelt ist und sich schnell einen Namen erspielt hat, ließen sie gut gemeinte Vertragsangebote schlicht und einfach kalt. Doch ein höherer Grad an künstlerischer Freiheit und die Gewissheit auf eigenen Füßen zu stehen, bestärkten Ani in ihrem Vorhaben, genauso wie bislang drei Millionen verkaufte Tonträger ihrer, seit über 15 Jahren konstant durch neue Veröffentlichungen am Leben gehaltene, Diskographie.
Nun tut man sich mit dem neuen Album „Reprieve“ schon schwerer, die einstige Mischung aus Punk-Attitüde und Folk-Sound zu finden: der Punk hat sich verabschiedet und Folk ist geblieben. Doch der 19. Longplayer ist einmal mehr außergewöhnlich persönlich, hochgradig politisch und erregt wie eh und je die Gemüter. Dieser wird aber nicht wie im letzten Werk „Knuckle down“ von einer kompletten Band untermalt, sondern nur von Ani und Jazz-Bassist Todd Sickafoose getragen. Ziel der politischen Aussagen sind die amerikanischen Republikaner, sowie die NRA. In „Millenium theater“ beweist die 36jährige ihr Gespür für Weitsicht, wenn der Song eine Kritik an der republikanischen Regierung beherbergt, die sie aufgrund einer fiktiven Krise in New Orleans tätigt, noch bevor Hurrikan Katrina das Land verwüstet hat und die Stadt wahrhaftig im Stich gelassen wurde. Ani DiFranco wird nun mit „Reprieve“ viele Musikfetischisten beglücken, nur den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht.
Nach dem Song „Shroud“, einem Diskurs über die Anbiederung an kommerzielle Normen, kommt es dann zum Trauerspiel mit Moll Akkorden, welches auf den Namen „Reprise" hört, wo auch eine Gitarre wehmütig dem Geschehen beipflichtet. Danach ist das Kammerspiel „Reprieve“ beendet, der Abspann beginnt, großes Kino endet.
Sie kam, sah und …. Musizierte - eine Aposiopese, die auf DiFranco zugeschnitten zu sein scheint.