2008-11-24 12:44:50
Fünf Kinder kämpfen ums Überleben, in einer Stadt, aus der alle Erwachsenen verschwunden sind. Unklar ist, welche Ursache das hat und weshalb drei Jungs und zwei Mädchen nicht davon betroffen sind. Allein ist ein Comic, das Fragen aufwirft.
Stell dir vor, du stehst morgens auf und stellst fest, dass sämtliche Menschen aus deiner Umgebung verschwunden sind.
Sie sind weg, du bist allein. Was passiert ist, weißt du nicht.
Die Fernsehstationen senden nicht mehr, das Radio ist tot, Internet funktioniert auch nicht.
Diese Angst, die von Hollywood schon das ein oder andere Mal geschürt wurde (Der Omega-Mann, I Am Legend), tummelt sich auch auf den Seiten von Allein.
Der Band beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem die Leute in der Stadt Fortville ihren alltäglichen Gewohnheiten und Aktivitäten nachgehen. Sie sitzen zu Hause rum, gehen spazieren und genießen das Leben.
Dann werden auch schon die eigentlichen Charaktere vorgestellt: Yvan, scheinbar aus einer reichen Familie, muss seine Nachmittage und Abende alleine verbringen, weil seine Eltern viel zu tun haben. Leila, eine kämpferische Frohnatur und handwerklich begabt, gerät stets in Konflikte mit ihrem Vater. Camilla lernt und strebert ausgiebig, um in der Schule die besten Noten zu bekommen. Der jüngste von ihnen, Terry, ist ein kleiner aber liebenswerter Quälgeist. Und zu guter Letzt Dodji, ein grüblerischer Einzelgänger aus dem Heim.
"Es gibt etwas Schöneres als die Einsamkeit: die Einsamkeit zu zweit."
(Pitigrilli, Eine Jungfrau von 18 Karat)
In gewisser Weise eine stereotype Ansammlung von Charakteren, die hier zusammengebracht werden.
Diese kleine Gruppe teilt das gleiche Schicksal, obwohl sie nicht wissen, wie dieses genau aussieht.
Als sie sich über den Weg laufen, merken sie aber recht schnell, dass sie zusammenbleiben müssen, obwohl sie ganz unterschiedlich sind. Wenn sie überleben und herausfinden wollen, warum außer ihnen niemand mehr in der Stadt und auf den Straßen ist, müssen sie zusammenhalten. Nichts anderes bleibt ihnen übrig, auf ihrer plötzlich eingetretenen, urbanen Odyssee.
Über Nacht Erwachsen werden
Nur du allein und niemand sonst. Mit wem ist diese Fantasie nicht schon durchgegangen.
Eine interessante, Fragen aufwerfende Serie hat sich der neue Piredda-Verlag hier ausgesucht.
Am Rande macht Autor Fabien Vehlmann gewisse Andeutungen zur Ursache, etwa wenn Leilas Bruder feststellt, dass die Hitze unerträglich ist und die Mutter noch hinzufügt, dass der Himmel eigenartig aussieht. Solche Dialoge forcieren Befürchtungen und treiben die Gedanken weiter voran.
Zeichner Bruno Gazzotti schwingt den Stift in klassischer Cartoon-Manier mit franko belgischem Anklang.
Allein ist ein Gemenge aus kindlicher Naivität und ernstem Unterton. Obwohl die jungen Figuren ihre Nerven bewahren und sich reif verhalten, nagt auch an ihnen die Furcht vor der Ungewissheit, obwohl mit einem Schlag die großen Probleme ihres Alters verschwinden: Der exzessive Druck, in der Schule immer die besten Noten zu haben, fällt zum Beispiel weg. Camilla kann das kaum begreifen.
Auf der anderen Seite müssen die eigenen vier Wände zugunsten der Gemeinschaft und Gruppendynamik geopfert werden, was speziell Yvan gut tut. Nach den neuesten Klamotten fragt niemand mehr.
Stattdessen ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen.
Aus dieser Ausgangssituation lässt sich noch sehr viel rausholen. Bleibt zu hoffen, dass das Team Vehlmann/Gazzotti dies auch zu beherzigen weiß. Zwei weitere Bände sind bereits angekündigt.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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