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Alle Tassen im Schrank

2010-09-25 18:12:59

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The Birkin, Kelly Bag oder auch Chanel 2.55 - Modeinteressierte wissen, wovon hier die Rede ist. Diese drei exquisiten Kreationen stellen drei der fast Tausend feingearbeiteten Exponate im Taschenmuseum Amsterdam dar.

 

Eine Reise durch die Jahrhunderte auf den Spuren des beliebten Accessoires. 

Auf drei Etagen können Laien und Modeexperten Stücke aus längst vergangen Zeiten begutachten.  Zu Beginn des Rundgangs, im dritten Stock, werden Seltenheiten wie die „Letter Cases“ aus dem 17. Jahrhundert zur Schau gestellt. Dabei handelt es sich um aufwändig verzierte, schmale Clutches, in denen (Liebes-)briefe und Wertpapiere transportiert wurden. Die ältesten Ausstellungsstücke im Tassenmuseum Hendrikje, wie es auf niederländisch heißt, gehen zurück bis ins Jahr 1500. Diese zeichnen sich durch ihr Material, vorwiegend Leder, und ihre Beutelform aus, damit sie praktisch an einem Gürtel um die Hüfte getragen werden konnten.

Mit der Mode gehen und Luxus genießen!

Auch die eine oder andere Anekdote erzählt das Museum. So war es im 16. Jahrhundert von größter Bedeutung zu wissen, welches Kartenspiel gerade „en vogue“ war, um dieses dann aus den eigens dafür geschneiderten Gamingpurses hervorzuholen. Dies galt natürlich nur für die Oberschicht, denn gute Taschen waren schon damals teuer. Die Herstellung einer einzigen Perlentasche dauerte zwei Wochen und benötigte 50.000 Glasperlen. Natürlich schlug sich das im Preis zu Buche. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfreute sich Schildkrötenpanzer und Elfenbein, damals beides leider noch nicht verboten, großer Beliebtheit. Diese Variationen galten als echte Luxusgüter, die Stand und Ansehen widerspiegelten. Laut Expertenaussage vor Ort ist heute vor allem Qualität und Praktikabilität gefragt.  

Alles neu macht die industrielle Revolution  

Bevor durch die industrielle Revolution ein enormer Wandel in Verarbeitungstechniken und Materialien vor sich ging, war die Produktion mühsame Handarbeit. Bei edel gestickten Einzelstücken kamen bis zu 400 Stiche auf einen einzigen Quadratzentimeter. Besonders berühmt war hier der Stick-Stil aus Berlin. Doch durch die neuen, veränderten Herstellungsprozesse konnten nun auch die beliebten Maschentaschen maschinell hergestellt werden und wurden dadurch wesentlich günstiger. Diese kettenhemdartigen Besonderheiten mussten vorher aus Hunderten von kleinen Silberringen einzeln miteinander verknüpft werden.  

Das Aufkommen der Kreativität  

Und so reist man durch die Geschichte, bis man schließlich im Art-Déco ankommt. Zu dieser Zeit waren gefärbte Mesh-bags ein beliebtes Accessoire. Natürlich dem Stil der Bewegung angemessen in den typischen Farben Rot und Grün, aber auch Schwarz und Silber.  Auch Skurriles gibt es im Museum for Bags and Purses zu entdecken. Da wären Taschen aus Krokodilpanzer und Leopardenkopf oder wesentlich harmloser in Form eines roten Telefons. Maßgeblich für das Aufkommen kreativer Variationen war Eva Schiaparelli verantwortlich. In den 1930er Jahren sorgte sie mit ihrem Schwarzen Schiff, das eigens für die Besucherinnen einer Kreuzfahrt entworfen worden war, für Aufruhr.  

Designertaschen ansehen und Tassen-Konfekt genießen  

Zu guter Letzt, oder ganz am Anfang, je nach Rundgang, zeigt das Museum die Promis seiner Familie. Dazu gehören all die erlesen Stücke, die einst durch glamouröse Stars Berühmtheit erlangten und heute zu Tausenden als Plagiate angeboten werden. Ganz vorne der Koffer-Spezialist Louis Vuitton, gefolgt von Traditions-Label Chanel und Edel-Punk Vivienne Westwood, um nur einige wenige zu nennen. Wer sich einmal nach Amsterdam verirrt und sich für Taschen interessiert, der sollte diesem ehrwürdigen Gebäude definitiv einige Stunden widmen. Für besonders Interessierte gibt es Workshops, in denen selbst Taschen kreiert werden dürfen. Begleiter mit weniger Enthusiasmus können sich derweil in dem gemütlichen Café im ersten Stock mit Köstlichkeiten, mit und ohne Taschenaufdruck, entspannen. 

 

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AutorInnen

Anni Feiler

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