2008-02-14 17:08:53
H.R. Gigers possierliche und vor Speichel triefenden Kreaturen aus dem Weltall verbreiten wieder Angst und Schrecken. Diesmal sogar in edlem Schwarz/Weiß. Netter und freundlicher sind sie dadurch aber nicht geworden.
Schon öfter hat man versucht die Comics rund um die fiesen Aliens vom amerikanischen Verlag Dark Horse auch hierzulande zu etablieren, meist aber nur wenig oder mäßig erfolgreich.
Nun gibt es eine erneute Wiedergeburt, denn die kultigen Biester
sind einfach nicht totzukriegen.
Neue Blutspuren können also auch weiterhin erwartet werden.
Aus den Tiefen des Weltalls
Der erste Band der neuen Serie präsentiert vier Geschichten von Autoren und Zeichnern, die ganz unterschiedliche Betrachtungen und Handlungen an den Tag legen und mit differenziertem Artwork auch für optische Abwechslung sorgen.
Den Auftakt bildet die Story Glaskorridor von Autor und Zeichner David Lloyd, in dem eine Gruppe rund um den Auftragskiller Frank die Führung auf einem Raumschiff übernimmt.
Dass an Bord des Schiffs eine gefährliche Fracht transportiert wird, ahnen diese nicht.
Natürlich folgt ein unsägliches Missgeschick, und das vorher noch tief schlummernde Alien erwacht zur reißenden Bestie.
Ob Neoheld Frank die Sachen noch zu seinen Gunsten hinbiegen kann?
Überleben von James Vance und Guy Davis konzentriert sich auf die Paranoia des Archäologen Thompson, der auf einer Forschungsstation von Visionen, hohem Fieber und schlimmen Albträumen heimgesucht wird.
Haben die Aliens das Lager und die Station umzingelt, oder ist das alles nur Einbildung?
Die Angst ergreift immer mehr Besitz vom Geist der Männer, die dort stationiert sind. Was ist real, was die Wirklichkeit, die Realität? Fragen, welche bald nicht mehr eindeutig beantwortet werden können.
John Byrne reist mit seinen klassischen Zeichnungen in Earth Angel weit in die Vergangenheit der 50er zurück, wo ein junges Paar ein Raumschiff mitten in den Wäldern einer angrenzenden Stadt findet. Selbstverständlich ist die Neugier groß, und so befreien Matt und Lou versehentlich den Passagier, gewiss mit tödlichen Folgen für die Bewohner des Ortes.
Die letzte Story Erlösung ist die vielleicht beste Erzählung des Bandes.
Wieder spielt das Geschehen auf einem Raumschiff. Durch einen Riss scheint das Schiff nicht mehr lange funktionsfähig zu sein, und so beschließt der unberechenbare Captain Foss seine gesamte Crew im Stich zu lassen.
Nur der religiöse Selkirk schafft es mit ihm in eine Notkapsel, die den Kurs auf einen unbekannten Planeten nimmt.
Dort gelandet, finden sie sich in einer blühenden Flora & Fauna-Umgebung wieder, die aber viel Schlimmeres beheimatet als nur Blumen, Gräser und Bäume.
Mit der Zeit verschlimmert sich die Situation der beiden Passagiere, und auch der sonst so vorbildhafte Selkirk kommt in einen Gewissenskonflikt: Soll er seinem verletzten Kapitän weiterhin helfen und beistehen, der ihn ansonsten nur malträtiert und sich über ihn auslässt, oder soll er ihm die helfende Hand verweigern, um selbst zu überleben? Die Notrationen werden schließlich knapp.
Autor Dave Gibbons lässt seine Geschichte um Gehorsamkeit, Religion und
Hoffnung kreisen, und Mike Mignola unterstützt mit seiner markanten, grobkantigen Strichführung die Kulisse.
Pray you die first
Aliens bietet gute Unterhaltung in Comicform, mit heterogenen Geschichten, die mehr den Fokus auf die Menschen legen, die mit den fürchterlichen Aliens konfrontiert sind, anstatt sich mit den Biestern an sich zu beschäftigen.
Wie reagieren die Menschen auf die Monster?
Angst, Schrecken, Furcht? Natürlich.
Doch zählt auch der Überlebenswille, wie dieser Band deutlich aufzeigt. Der Mensch gibt grundsätzlich nicht auf, auch dann nicht wenn es sich um übernatürliche Wesen handelt, die einen nur als Brutkasten für ihre Art missbrauchen wollen.
Ironischerweise sind die meisten Gründe für die fatalen Angriffe menschlicher Natur.
Lügen und Unwahrheiten zeugen davon, dass auch der Mensch nicht immer eine reine Weste hat.
Würde man sich an korrekte Handhabungen der Frachten im All halten, würden Probleme erst gar nicht entstehen. Vielleicht wurden die Aliens ja nur deswegen geschaffen, um den Homo Sapiens zurück zu seinen Ursprüngen zu führen und Lebenseinstellungen, Sichtweisen und den Habitus zu überdenken.
Und keine Angst: Der Terror hört mit zwei weiteren Bänden noch nicht ganz auf.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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