2010-03-01 19:09:41
Tim Burtons Version von Alice im Wunderland kommt in die österreichischen Kinos. Vorsicht vor dem Jabberwocky, ist die Devise im Wunderland heutzutage.
Eine Alice im Wunderland-Interpretation von Tim Burton, was kann sich ein Fan der Absurdität Schöneres wünschen? Aber wie das mit Burton-Filmen so ist, ist nichts wie erwartet. Gut, abgesehen davon, dass Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham Carter und sein guter Freund Johnny Depp mit von der Partie sind, vielleicht. Die Rolle der Alice hingegen bekam die australische Newcomerin Mia Wasikowska, die ihre Sache ausgezeichnet machte. Nie hat die Welt ein verträumteres Mädchen auf Wundersuche gesehen, als diese junge Schauspielerin in Burtons Film.
Beware the Jaberwock, my son!
Dem Wunderland droht Gefahr durch eine Kreatur, die alle den Jabberwocky nennen. Er ist Thema eines bekannten Nonsens-Gedichtes von Lewis Caroll. Die rote Königin setzt ihn gewissermaßen als Waffe ein, um das Wunderland und seine Bewohner zu unterwerfen. Um dem ein Ende zu bereiten, wird das weiße Kaninchen geschickt, dass Alice finden soll, die mittlerweile allerdings erwachsen ist. Als es mit Alice zurückkommt, will keiner so recht glauben, dass sie die richtige Alice ist. Sie hat ihr "Mehrsein" verloren, darüber ist man sich einig. Früher war Alice irgendwie mehr. Da das Wunderland trotzdem von der Schreckensherrschaft der roten Königin befreit werden soll, falsche Alice hin oder her, erklärt man ihr eben schnell die Problematik und macht sich auf, um der roten Königin endlich die Stirn zu bieten.
Hut, Herz und Moral
Vom Sturz durch das Kaninchenloch bis zum Angriff des Ungeheuers ist man durch die 3D-Technik ständig mitten drin. Da kann man schon mal gehörig erschrecken, wenn man plötzlich von irgendeinem Vieh durch ein Dornengestrüpp gezerrt wird. Johnny Depp als der verrückte Hutmacher erinnert zwar ein wenig an Willy Wonka, ist jedoch die ehrlichste Verkörperung des Mad Hatters, die sich ein Wunderland-Liebhaber vorstellen kann. Auch die rote Königin ist enorm gut gelungen und wird vom Zuseher auf ihre Art sofort lieb gewonnen, ganz im Gegensatz zu ihrer öden Schwester, der weißen Königin.
Die Geschichte mit dem Ungeheuer ist zwar nicht so gut ausgebaut, wie der Mathematiker Caroll sie formuliert hatte, erfüllt jedoch ihren Zweck durch einen ordentlichen Spannungsbogen. Die Endszene ist ein bisschen zu sehr Herr-der-Ringe-Schlacht geworden. Dafür wird man am Schluss noch mit einem Tänzchen des Hutmachers und der Moral, dass ein selbstbestimmtes Leben immer noch das Beste ist, entschädigt.
Und mal ehrlich: Man kann wirklich nicht sagen, dass diese 3D-Sache nicht ungemein cool wäre.
Kinostart in Österreich: 4. März 2010
Die Wiener sind ein heiterer Menschenschlag von großer Traurigkeit, ein leichtlebiges Volk von schwermütig-depressiver Grundstimmung, sie sind hochbegabt, aber die mitleidlosen Feinde ihrer Begabung, sie fühlen sich nur wohl, wenn sie sich nicht wohl fühlen.
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