2010-03-02 20:17:38
Ein gut gelaunter, liebenswert zerstreuter Adam Green im Gespräch über Fernsehen, Literatur, einen ominösen Film und jede Menge Pappmaschee. Achja, und dann war da ja auch noch die Musik.
Ein Interview mit Adam Green entspricht so ungefähr einem seiner Konzerte - wenig Musik, viel Drumherum. Und so kam es, dass ich mich ein bisschen vom Green'schen Chaos mitreißen ließ und nichts wirklich so lief wie geplant. Aber angesichts des großen Unterhaltungsfaktors und seiner liebenswerten Art, ist das durchaus in Ordnung, auch wenn man sich bei Adam Green wohl nie so ganz sicher sein kann, was man ihm glauben soll und was besser nicht.
FM5: Schon genervt von den ganzen Interviews?
Adam: Nein, das ist schon okay.
Ich werde ganz nett sein, versprochen! Vor allem weil du vor ein paar Jahren in der deutschen Show TV Total warst, wo du glaube ich ein bisschen genervt warst, und eine Bierflasche ins Publikum geworfen hast...
Ich habe sie nur in Richtung des Publikums geworfen, in Wirklichkeit war ich nicht mal nahe dran irgendjemanden zu treffen. Ich glaube, die haben alle ein bisschen überreagiert. Die Stagemanagerin war nicht gerade glücklich. Aber ich war wirklich ganz weit weg davon jemanden mit der Flasche zu treffen.
Was hältst du persönlich von den TV- Show Besuchen und ähnlichen Dingen in dieser Richtung?
Naja, ich glaube inzwischen bin ich schon auf die schwarze Liste gesetzt worden, was das Fernsehen betriff, eben wegen diesem Vorfall.
Aber mal abgesehen davon, sind Fernsehauftritte etwas, das du gerne machst oder siehst du das mehr als lästige Pflicht?
Doch, das kann schon ganz lustig sein. Es kommt alles nur auf die Einstellung an mit der du die Sache angehst. Ich hatte schon viel Spaß mit Kameras. Ich meine, da ist dieser komische Typ, der mir schon seit Tagen mit einer Kamera nachläuft. Er kommt wahrscheinlich jeden Moment durch die Türe und filmt uns.
Was für ein Typ?
Uhm... dieser... sowjetische Kerl.
Natürlich. Etwas ganz anderes: ich habe eine Kritik über dein neues Album Minor Love gelesen, in der es hieß, es sei dein erwachsenstes Album. Würdest du das auch so sehen?
Ich weiß nicht, was würdest du sagen?
Das kann ich schwer beantworten, wenn ich jemanden nicht persönlich kenne, nicht weiß, was wie entstanden ist und was dahinter steckt. Ich glaube jemand, der nicht du ist, kann das schwer beurteilen.
Ja, so denke ich über den Journalisten, der das geschrieben hat, der kennt mich doch auch nicht. (lacht)
Eben, deswegen frage ich ja dich.
Es ist für mich auch nicht wirklich leicht zu sagen, zu welchem Zeitpunkt jemand wie ich zu einem Mann wird. Ach ich weiß auch nicht. Ich werde älter, das ist wahr. (lacht)
Würdest du sagen, deine Musik hilft dir erwachsener zu werden oder wächst sie eher mit dir?
Man versucht ja mit jedem Album etwas Neues zu machen. Aber wenn du mit jeder Erneuerung wächst, dann wird das klarerweise irgendwann wichtiger als deine Arbeit selbst. Ich glaube nicht, dass immer alle so gefestigt sind in ihrem Leben, wie sie vorgeben. Selbst meine eigenen Ansichten schwanken manchmal so sehr, dass ich dir in zehn Minuten mit vollster Überzeugung das genaue Gegenteil erzählen könnte. Du musst einfach etwas finden, etwas magisches, wofür du leben willst. Und jetzt wo ich auf Tour bin, sitze ich manchmal im Bus, schaue Kung Fu Filme, esse Cornflakes und denke mir – wer lebt denn so? (lacht)
Klingt doch nach einem schönen Leben. Noch etwas: du hast auch ein Buch (Magazine) voller Gedichte veröffentlich. Wie kam es denn dazu?
Ich trage immer dieses kleine Notizbuch mit mir herum und mache viele Notizen und die machen eigentlich nie Sinn. Das Ganze ist mehr wie eine Liste. Magazine ist irgendwie mehr so etwas wie Twitter. Altmodisches Twitter. Ich schreibe gerade etwas Neues. Ein Buch mit dem Titel How to act bad, eine Bedienungsanleitung.
Klingt interessant, sehr brauchbar.
(Adam lacht)
Und wann wird etwas von deinen Notizen ein Song und wann nicht?
Ich schreibe Songs eigentlich nicht so. Ich bin nicht so der Typ, der dasitzt und die Worte singt, die er vor sich in einem Notizbuch stehen hat. Ich schreibe das auf, was ich singe und das ist für gewöhnlich nichts, was ich vor ein paar Monaten auf ein Stück Papier gekritzelt habe. Es könnte aber natürlich auch sein, dass all diese Zeilen verpasste Gelegenheiten sind, die ich nur umsetzen hätte müssen. Das Buch ist aber besser als die Leute glauben, ich denke es wäre gut, um es auf dem Klo zu lesen.
Wirklich? Du wärst also nicht beleidigt, wenn ich mir dein Buch kaufen würde, um es neben mein Klo zu legen?
Nein, da lesen doch die meisten Leute, oder?
Wahrscheinlich. Kommt da noch etwas von dir in nächster Zeit außer Singen und Schreiben?
Ja, ich mache eine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen in New York. Ich hoffe, dass das klappt, weil jetzt habe ich diese ganzen Skulpturen und die sind so groß, dass man nicht mal mehr in meine Wohnung hineinkommt.
Aus was sind die Skulpturen gemacht?
Pappmaschee.
Und die stehen jetzt alle bei dir zuhause? Wie groß ist denn deine Wohnung?
Nicht groß. Und ich brauche bestimmt einen Lastwagen um die Skulpturen da alle hinaus zu befördern. Die sind ja alle so circa 1,80 – zwei Meter. Ich habe einen Totempfahl und eine Standuhr und lauter so Sachen.
Wie kommt man denn auf so eine Idee?
Ich wollte mein Haus zerstören. Und mich selber bloßstellen. (lacht) Ich wollte, dass mein Haus möglichst unattraktiv wirkt, so dass ich erst gar keine Mädchen einladen brauche. (lacht immer noch)
Interessanter Plan. Und das ist der einfachste Weg, der dir eingefallen ist?
Ja, das ist der einfachste Weg. Man muss nur unordentlich und chaotisch sein
Indem man Pappmaschee-Skulpturen herstellt?
Ok, eigentlich war das ganze nur ein Vorwand um Assistenten zu engagieren.
Weibliche Assistenten?
Natürlich!
Gibt es eigentlich irgendetwas, dass du nicht kannst?
Also der Typ mit der Kamera hat gestern gesagt, ich werfe meine Fehler meinen Mitmenschen quasi ins Gesicht und die müssen dann eben damit umgehen. Vielleicht dient es aber auch zu ihrer Unterhaltung. In Wirklichkeit bin ich ihr kleiner Zirkusaffe, ich weiß es genau.
Ja, aber das heißt dann ja wieder, dass du gut darin bist Leute zu unterhalten. Du scheinst wohl wirklich gut in allem zu sein.
Vielleicht. Oh, da ist der Typ mit der Kamera ja endlich. Ich bin in seinem Film.
Was für ein Film?
Wir sind jetzt gerade in einem Film.
Aber was ist das für ein Film? Um was geht es?
Es ist sein Film. Ich weiß es nicht.
Aber du bist doch in seinem Film.
Wir sind in seinem Film. Du bist in seinem Film, genauso wie ich.
Ja aber dich filmt er doch schon seit Tagen, du musst doch wissen, um was es dabei geht.
Nein. Er filmt einfach alles. Er ist neben mir wenn ich einschlafe und wenn ich aufwache, so dass er auf keinen Fall etwas verpasst. Ich wollte auch, dass das ganze ein Actionfilm wird mit einer Verfolgungsjagd.
Ja mach das.
Kann ich dich dafür die Stiegen hinunter jagen?
Nein. Bitte nicht mich!
Wieso nicht? Wen denn sonst?
Ich weiß auch nicht, ich würde aber gerne dabei zusehen.
Na gut. War das ein Interview, oder was?
Oh, definitiv!
Ja, ich finde dieses Foto repräsentiert mich sehr gut.
Newsfeed von Anna Hausmann abonnieren
eine Insel Puerto Ricos
eine Stadt auf jamaika
der alte Name einer Insel vor der walisischen Küste
eine Kaffeemarke in der DDR
eine Gattung in der Pflanzenfamilie der Portulakgewächse
ein kleines Mädchen aus Mauer
http://monahermann.wordpress.com/
Newsfeed von Mona Hermann abonnieren