2007-04-02 00:10:47
Das Akkordeon, eine dem von Gitarre, Schlagzeug und E-Bass ge- bzw. verwöhnten Musikkonsumenten wohl eher unbekannte Erscheinung österreichischer Prägung, steht auch auf dem neuen Album, „Play-Station“, des polnischen Trios „Motion Trio“ im Mittelpunkt. Einer brachialen Malträtierung kann es dabei nicht standhalten…
Akkordeon. Das Wort, das in unserem Sprachraum wohl eher als „Ziehharmonika“ oder als „Quetschn“ (Dialekt!) durchgeht, ist in letzter Zeit höchstens noch von der genialen österreichischen Band „Attwenger“ vertreten worden. Abseits der (österreichischen) Volksmusik, ist es jedoch um das Akkordeon fast still geworden. Vielleicht könnte das die seit 1996 musikalisch agierende polnische Band „Motion Trio“ mit ihrem neusten Versuch, „Play-Station“, ändern.

Foto: www.asphalt-tango.de
Österreichisch-polnischer Klangmix
Wagt man einen Blick in den Atlas, wird folgende Feststellung gemacht: Polen und Österreich trennt einiges. Einige Kilometer, um präzise zu sein. Auf den Klang der beiden Länder bezogen, stellt es keine Weltreise dar – schließlich erfand im Jahre 1829 ein Österreicher, Cyrillus Demian, jenes Instrument – damals wurde es noch „Accordion“ genannt – , das dem „Motion Trio“ als Ausdrucksmittel dient. Das polnische Trio rund um Marcin Galazyn, Janusz Wojtarowicz und Pawet Baramek lässt sich nicht nur hin und wieder in der Alpenrepublik Österreich zu einem Konzert nieder (Anm.: Der Schreiber dieser Zeilen kann sich an einen Flyer des Trios, dessen Inhalt eine Konzertankündigung im Vöcklabrucker „Stadtsaal“ war, erinnern. Leider blieb es bei dem Gedanken…), sondern darf sich auch den „sponsored by“-Stempel aufdrücken lassen – das Trio wird nämlich von der „Wiener-Krakauer Kultur Gesellschaft“ gesponsert.

Foto: www.asphalt-tango.de
Push the button…
Die in Krakau werktätigen „Motion Trio“ können einem wegen des neuen, auf dem Berliner Label „Asphalt Tango Records“ – ein Spezialist für orientalische, osteuropäische Balkanklänge – veröffentlichten Album „Play-Station“ beinahe Leid tun. Auf der einen Seite ist man in der Situation des Hörers stets im Glauben, hier könne sich (im Klangwesen) noch etwas entfalten, auf der anderen Seite gibt sich das Trio beim Kreieren der Lieder sehr abstinent in Bezug auf Groove. Alle 11 Lieder (das 12. ist ein „Remix“ bzw. die Techno-Version des 2. Songs) erscheinen angesichts der absoluten Mehrheit des Akkordeons sehr monoton. Tracks wie „Ufo“, „Tranceacordion“ und/oder „Helicopter“ mögen wegen der Akkordeon-Technik schon einiges herhalten, in der Gesamtversion eines Songs, dessen Ziel doch ein gewisser „Vibe“ sein soll, klingt dies nicht sehr erfrischend. Einzig und allein das letzte, vorhin schon besprochene Lied „You dance“ in der Techno-Version lässt das Gefühl von einem „Rhythmus“ aufkommen. Deswegen wäre es nicht falsch, das Akkordeon dem „zeitgeistigen“ Sound, der Elektronik im positivsten Sinn nämlich, eine visuelle Freundschaft aufzubinden. So sollte man beim nächsten Erklingen des Wortes „Krakau“ doch bitte nicht (nur) an die „Krakauer“ (Anm.: eine Wurstsorte) denken! Folgende Eigenaussage der Band sollte Anlass genug dafür sein: „Motion Trio is helping the accordion make a brilliant entry into the 21st century“.
Konzerttermine:
„Akkordeongewitter von Osten“:
24. und 25. November '05 - Joe Zawinul `s Birdland / Wien
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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