2007-04-12 21:07:36
Innovative Elektronik-Sounds im Jahr 2007 - geht da noch was? Aber sicher doch! Als Beweis dürfen die zwei neuesten Alben der Klangtüftler Gus Gus und Jean Michel Jarre herangezogen werden.


Klangvirtuose Jarre; Foto: Monkey Music
Tanzbarer Kitsch
Vorantreibende Beats garniert mit einer Brise klangfarblich discotauglicher Synthiespuren und ein sich im Hintergrund ausbreitendes irrwitziges Konglomerat aus lässigen Tönen, denen eine virtuelle Abstraktionsfähigkeit im Zeichen der 0en und 1en attestiert werden muss: Nur um dann nicht wieder in der Falle der schon lang nicht mehr revolutionär klingenden 3-Minuten-Tracks zu landen? Mag sein. Aber in der Liga der Außergewöhnlichen (Air, DJ Hell, Depeche Mode und Konsorten) ist Jarre locker imstande, gut mitzuhalten. So ist sein kürzlich erschienenes Album Téo & Téa als Manifest der These „Intensitätssteigerung durch kreative Abwechslung“ ein mehr als gelungener Beweis, dass solche Ohrenschmankerl – wenngleich sich einige wenige als Hüter eines abgedroschen klingenden Kitsches erweisen – sowohl anno 2007 möglich als auch tanzbar sind. Freilich, folgendes, von dem Online-Musikmagazin laut.de verfasstes Zitat ist korrekt: „Wenn Kraftwerk die Könige des minimalistischen Elektro-Sounds sind, dann ist Jean Michel Jarre der Herrscher über den bombastischen Synthie-Pomp.“ Songs wie Partners in Crime 1&2, Melancholic Rodeo und Chatterbox nehmen ihre Zeugenschaft dafür auf sich.
Fruchtbares Futur
Außergewöhnlich, extravagant und unkonventionell: Auf die isländischen Elektroniker Gus Gus treffen alle Eigenschaften voll und ganz zu. 1995 in Reykjavik nach einer Idee der beiden Flimemacher Stefan Anni und Siggi Kjartansson gegründet, fiel man kurze Zeit später alleine schon der großen Besetzung – 12 Mitglieder! – wegen auf, die im Bereich elektronisch produzierter Musik eher ungewöhnliche anmutet. Bereits ihre erste, auf dem Debütalbum Polydistortion enthaltene Singleauskopplung Polyesterday schlug ein wie eine hochexplosive Bombe: So meldetet sich das Londoner Indielabel 4AD, das eine nicht unbekannte Formation namens Pixies unter Vertrag hatte. Danach folgte das zweite Album This is Normal das, wie der Titel vorgibt, wirklich „normal“ im Sinne einer weniger Experimente eingehenden Musik zu sein schien. Inzwischen minimierte sich das aus DJs, Sängern, Filmemachern, Schauspielern und Fotografen bestehende Sound-Kollektiv auf ein Trio und gründetet das Label Pineapple Records, auf dem sie auch ihr Anfang 2007 erschienenes, atkuelle Album Forever veröffentlichten. Die schon längere Zeit im Internet kursierende Vorab-Single Need in Me deutete bereits auf eine beatlastige Produktion hin; und tatsächlich: Von teilweise sanft verspielt klingenden und für die Masse verwertbaren Songs will man hier nichts wissen. Unterstützt mit einer grandiosen Stimme der Sängerin Urdur Hákonardottir aka Earth aka Lola Be Nice und mit perfekt arrangierten Beats aus der Maschine des poppigen Techno-House-Duos, das sich aus Stephan Stephensen aka President Bongo und Magnus Gudmundsson aka Buckmaster de la Cruz zusammensetzt, findet stattdessen eine Auslotung des anspruchsvollen Grooves auf einer Ebene, die klipp und klar „Ich will tanzen!“ sagt, statt. Auch in diesem Fall ist anzunehmen, dass verdiente Konstrukte wie Hold you und You'll never change im Jahr 2007 noch den einen oder anderen Tanzwütigen motivieren wird. Time for Disco!
Das Album Téo & Téa von Jean Michel Jarre ist bei dem österreichischen Vertrieb Monkey Music und Gus Gus' neues Werk Forever bei Pineapple Records und dem Münchner Label Great Stuff erhältlich.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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