2007-04-02 00:12:43
...unter diesem Motto feierte die Moslemische Jugend Österreichs dieser Tage ihr zehnjähriges Bestehen mit einer gigantischen Feier.
Die moslemische Jugend Österreichs (MJÖ) feierte dieser Tage ihr zehnjähriges Bestehen. Der Verein bietet moslemischen Jugendlichen aus ganz Österreich die Möglichkeit sich zu treffen, sich untereinander auszutauschen und auch gemeinsam den Islam zu praktizieren und zu diskutieren.
Ich war eingeladen bei der großen 10Jahresfeier dabei zu sein...
Als ich von einem Security Mann duch die unglaublich langen Gänge des Austria Centers in Wien gelotst werde, zweifle ich daran, dass die 10Jahresfeier der moslemischen Jugend Österreichs überhaupt Anklang in der Bevölkerung gefunden hat, denn die Gänge sind leer. Hin und wieder huschen gestresste, junge Menschen mit Handies oder Walkie-Talkies bewaffnet an mir vorbei, doch ansonsten erblicke ich keine Menschenseele.
Schon zwei Minuten später wird mir klar, warum sich auf den Gängen niemand herumtrieb. Eine Tür wird mir geöffnet und ich stehe in dem mit circa 5000 Menschen fast vollbesetzten, riesigen Festsaal des Austria Centers Vienna. Ich bekomme einen der wenigen letzten Plätze auf einem der Balkone zugewiesen, von dem aus ich einen wunderbaren Blick auf die Festbühne und die Besuchermenge habe.
In den ersten Reihen sitzen hochrangige Politiker und andere Ehrengäste, die nacheinander auf die Bühne gebeten werden, um dort einige Worte an die gespannt lauschenden Gäste zu richten. Die Grünen-Abgeordnete Terezija Stoisits wird zum Beispiel als „eine gute Freundin“ angekündigt und findet in ihrer Rede klare Worte gegen islamophobe Politiker. Auch ihr Statement „Dieses Land muss ein Einwanderungsland bleiben, sonst ist es nicht mehr Österreich“ stößt auf große Begeisterung in der Menge. Sogar der Bundespräsident lässt es sich nicht nehmen der MJÖ zu ihrem zehnjährigen Bestehen zu gratulieren und schickt – ebenso wie Frauenministerin Rauch-Kallat – eine Video-Botschaft.
Außerdem sprechen unter anderen die jüngste Abgeordnete Silvia Fuhrmann, sowie Nationalratspräsident Kohl und die Stadträtin für Integration Sonja Wehsely der MJÖ ihre herzlichsten Glückwünsche aus und betonen alle die Notwendigkeit einer solchen Organisation in Österreich.
Den Höhepunkt für mich und auch für viele der anderen Anwesenden, mit denen ich mich später unterhalten werde, bildet jedoch die Rede des Islamwissenschafters Prof. Tariq Ramadan, der diese Feier zum Anlass nimmt, um den in Österreich lebenden Moslems Mut zu machen, ihnen aber auch ins Gewissen zu reden. „Who are you? Muslim or Austrian? Who are you first?”, fragt er provokant in die Menge hinein und fährt fort, dass man sich nicht entscheiden soll. Man soll das eine nicht über das andere stellen.
Ramadan spricht immer wieder an, wie wichtig es sei, sich nicht nur auf die Religion zu beschränken, sondern sie zu einem Teil des Lebens zu machen, genauso wie auch das Österreichisch- bzw. Europäisch-Sein nur ein Teil des Lebens sein sollte. „It’s us as Europeans! It’s us as atheists, Muslims, Christians or whatever you want to be in Europe!”, ruft er in die Menge und erntet tosenden Beifall.
Außerdem ruft er in seiner Rede dazu auf und dabei richtet er sich vor allem an die jungen Moslems, die Mitglieder der MJÖ, dass man sich als Moslem besser in die Gesellschaft integrieren sollte und sich selbst nicht als Außenseiter sehen darf. Denn auch wenn Vereine wie die MJÖ großartig sind, so sagt er, solle man sich aber nicht nur in moslemischen Vereinen engagieren, sondern auch in allen anderen. „Muslims should give something. They should act for the civil society. (…) Go out and come together with the other Austrians!”
Doch Professor Ramadan kritisiert auch die österreichischen Medien, die seiner Meinung nach den Menschen einreden, dass sie nicht normal seien, wenn sie nicht Angst vor Moslems hätten.
An kreativen Beiträgen zur Feier fehlt es ebenfalls nicht. Zwischen den Reden werden kleine, sehr unterhaltsame, aber auch gesellschaftskritische Sketche von den Jugendlichen der MJÖ dargeboten, die einerseits die Stimmung auflockern, andererseits aber auch zum Nachdenken anregen. Außerdem bringen zwei aus Salzburg stammende Mitglieder der MJÖ in ihren selbstgetexteten HipHop-Songs ihre Gedanken zum Ausdruck.
Es war großartig zu sehen wie dankbar all diese jungen Mädchen und Burschen hinter ihrem Verein, der MJÖ, stehen und wie engagiert sie alle an dem reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung mitwirken. Spätestens am Ende der großen 10Jahresfeier hat sich die Mühe und Arbeit, die hinter dieser Veranstaltung steckt wirklich gelohnt, als der moslemische Rapper Ammar 114 und der berühmte Musiker und Publikumsliebling Sami Yusuf ihre Konzerte geben.
Ein würdiger Abschluss für eine würdige Feier, die mich, auch durch die Gespräche, die ich mit einigen MJÖ-Mitgliedern an diesem Tag geführt habe, wieder daran glauben lässt, dass ein friedliches Zusammenleben aller Religionen möglich ist. “It’s now time to respect each other and to know each other“, wie Prof. Tariq Ramadan gegen Ende seiner Rede betont.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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