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Schwerpunkt: Shoplifters United im FM5-Interview

... und das vierte hat die Luft rausgelassen

2009-05-19 17:03:19

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Im zweiten Teil des Interviews unterhielten sich FM5 und Shoplifters United über den ORF, den fehlenden musikalischen Patriotismus, Austrofred und über die Europawahl am 7. Juni.

In der zweiten Hälfte des Interviews ging es um Themen wie den ORF, Creative Commons, Promotion und die Ecken und Kanten in Österreich.

FM5
: Ihr befürwortet also die angestrebte Erhöhung des Anteils österreichischer Musik in den ORF-Radios?


René (schnaubt): Ö3 unterstützt ja österreichische Musik insofern, als dass sie den jährlichen Ö3 Soundcheck veranstalten und eine Band rausbringen, die wie eine deutsche klingt und in Österreich gespielt wird. Ö3 stellt sich dann als der große Förderer österreichischer Musik hin und senkt gleichzeitig den Anteil österreichischer Musik im Radio. Das ist der Witz an der Sache!

Thomas (verdutzt): Das muss man mal zusammenbringen!

Eine Kritik im ORF?


René: Was heißt da Kritik? Mir wäre es am liebsten, wenn das alles den Bach runtergehen würde, weil eh alles nur ein riesengroßer Witz ist. Ist jetzt bös gesagt, aber….

Bleiben wir kurz bei der Musikindustrie. Ist das Verwertungsmodell Creative Commons eine Alternative für euch?


Thomas: Bei uns ist alles noch in einem kleinen Bereich, wo es sich wahrscheinlich noch gar nicht auszahlt.

René: Mir geht es da gar nicht so ums "Auszahlen".

Thomas: Eigentlich schon. Aber ich glaube, das wichtigste ist jetzt einmal, dass unsere Musik grundsätzlich gehört wird und dass wir Werbung machen, damit man uns kennt. Und wir haben ja auch kein Problem damit, wenn jemand eine Nummer von uns haben will …

René: Da würden wir niemals nein sagen! Warum auch? Da fühle ich mich doch geehrt!

Thomas, du hast gerade die Promotion angesprochen. Was ist im Bereich einer jungen Band möglich, an Promotion selbst zu machen. Ihr studiert bzw. arbeitet ja alle hauptberuflich.

Thomas: Naja, grundsätzlich würde ich sagen, alles, was man bereit ist selbst zu machen und selbst reinzustecken. MySpace ist da eine große Hilfe und auch die wichtigste Plattform. Dann gibt es aber auch noch andere Plattformen wie Ragioaktiv, Lastfm oder nolabel.at, wo wir auch zu finden sind.

Wir haben ja vorher schon kurz die österreichische Musikszene angestreift. Wie genau erlebt ihr die Szene?


René: Ich gehe öfters auf irgendwelche Konzerte von Bands, die ich nicht kenne und da ist mir vor etwa zwei Jahren etwas aufgefallen: Ich gehe in einen Club in Wien und es spielt eine Band aus Graz und die waren Wahnsinn! Die hätten genauso gut international ganz oben mitspielen können! Die waren technisch super, spielten super Songs, hatten coole Kompositionen und im Endeffekt spielten die vor etwa zehn Leuten. Und zehn Menschen mitreißen, ist quasi unmöglich. Zwei Tage später gehe ich dann wieder in den Club, wo dieses Mal eine amerikanische Band spielte und der Club war gesteckt voll! Die Leute tobten und es ging dabei extrem die Post ab. Dabei habe ich persönlich noch nie so eine schlechte Band gehört! Das war, als wenn ich mir irgendwelche Menschen auf der Straße suche, dem ersten eine Gitarre in die Hand drücke, den nächsten setze ich an das Schlagzeug und die sollen halt irgendeinen Krawall machen.

Das nennt man dann Noise. Ist auch eine Musikrichtung!


René: Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sagen kann, dass das gute Musik war! Aber die waren aus Amerika, weißt du, was ich meine?! Sowas kann ich nicht verstehen (lacht). Beides waren Wochentage, das eine ein Montag und das andere ein Mittwoch, weshalb man auch nicht sagen kann, dass ein Termin schlechter war. Ich hab das schon oft erlebt, dass auf österreichische Musik einfach kein Wert gelegt wird, was ich extrem schade finde.

Woran liegt das? Was glaubt ihr?

René (lacht): Frag den Roscic! Muss ich das noch erklären?

Thomas (lacht): Obwohl ich nicht glaub, dass Ö3 die Amerikaner, von denen du geredet hast, spielen.

René (lacht): Das hat jetzt nichts mit den Amerikanern zu tun! Ich meinte bezogen auf "die neuen Österreicher". Amerika und England sind für uns hip. Da rennen die Leute hin, egal, was die machen. Österreich ist nicht hip, nicht einmal für Österreicher. Ein bisschen gesunder Patriotismus würde vielleicht nicht schaden – an einigen Ecken und Kanten.

Und welche Ecken und Kanten?

René: Zum Beispiel ist Österreich eines der wenigen Länder, das kein Radio hat, das österreichische Musik sendet. Und damit meine ich jetzt einen Großteil an österreichischer Musik. Das gibt es sonst überall. In Frankreich, glaube ich, gibt es zehn. Aber das ist eine andere Geschichte. Der Großteil der Menschen kauft bzw. hört das, was er vorgesetzt bekommt. Das ist traurig, aber so ist es. Und wenn der Mensch nichts aus Österreich vorgesetzt bekommt, dann wird es ihn auch nicht interessieren. Und dabei rennen in Österreich drei von vier Rädern im Dreck und das letzte hat die Luft rausgelassen.

Thomas (lacht): Ich glaub, dazu kann man nicht mehr sagen.

Abschließende Frage: Was wollt ihr als Band unbedingt loswerden? Was brennt euch auf der Seele?

René (schmunzelt): Hört euch alle den Austrofred an, was der sagt, ist genial! Der tut was für Österreich! An alle Musiker: Macht das, was für euch Sinn hat und an alle Musikfans: Schaut einmal, was es für österreichische Bands gibt, die genauso gut sind wie die internationalen Stars.

Thomas: Ja, ist ja eh super. Dem hab ich nichts hinzuzufügen. Der René hat schon recht, dass es viele gute Bands in Österreich gibt, wobei jetzt nicht alle auf Shoplifters United stehen müssen. Es gibt auch andere coole Bands (schmunzelt). Man sollte offen sein und zwar nicht nur für die Sachen, die man sowieso überall hört. Einfach ein wenig selbst schauen und dann kommt man auf viele gute Sachen drauf, die sonst niemand kennt. Wahrscheinlich.

René: Es ist in dem ganzen Gespräch jetzt um Musik gegangen. Musik ist aber nicht das einzige im Leben. Es gibt noch viele andere Sachen.

Und was?


René (lacht): Ich will darauf jetzt nicht eingehen, ansonsten muss ich zum Politisieren anfangen! Und das ist nicht im Sinne von Musik letztendlich. Für mich. Aber es muss sich nicht alles immer um Musik drehen!

Naja, wenn das von dir jetzt schon angesprochen wird: Am 7. Juni sind die Europawahlen. Was werdet ihr wählen?

René (lacht): Wow, ich hab mir darüber echt noch nicht den Kopf zerbrochen. Ich finde die derzeitige Situation ziemlich arg, weil ich nirgends zu 100 Prozent zustimmen kann, wobei das eh nicht möglich wäre. Wenn ich im Internet einen Test mache, werde ich einer Partei zugeordnet, was ich eher arg finde. Welche das ist, will ich jetzt nicht sagen. Aber eine, die ich auf gar keinen Fall wählen werde! Naja, ich werde mir das noch genau überlegen. Nicht wählen ist aber auch keine Option. Eigentlich hat man nur die Möglichkeit, sich für das geringste Übel zu entscheiden oder etwas Eigenes auf die Füße zu stellen.

Thomas: Ich finde es nur schade, dass man nicht dagegen wählen kann. Einfach gegen alle. Das müsste es geben!

René (lacht): Das hast ja eh, wenn du nicht wählen gehst.

Thomas: Nee. Dann wählst du ungültig.

René: Aber ist es in einer Demokratie nicht so, dass man, wenn man nicht wählt, eigentlich für Anarchie ist?

Thomas: Aber zwischen nicht wählen und ungültig wählen ist ja ein Unterschied!

René: Ja. Aber wenn man nicht wählt, ist man ja eigentlich für Anarchie. Theoretisch. Nicht wählen ist aber keine Option. Letztendlich.

Danke für das Interview!



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