2010-05-11 21:24:58
Tief einatmen für Across The Delta. Ihr Passports & Souvenirs ist nämlich anstrengend...
Zugegeben, man durfte bereits äußerst gespannt sein auf das neue Album von Across The Delta. Ihre Debüt-EP Dancing To Architecture strotzte vor Energie, Kreativität und spannender Musik. Across The Delta – die erste wirklich große österreichische ProgRock-Hoffnung mit Potenzial und Chancen. Und auch die vorab downloadbare Single "Unit Exploded" ließ auf Großes hoffen.
Doch leider lässt der Rest von Passports & Souvenirs gehörig (!!!) nach.
„This journey lasts! This journey lasts longer!“
Mit diesen Worten eröffnet die liebliche Nummer "Passports & Souvenirs" das gleichnamige Album und will damit ein bisschen erfreuen, aber hauptsächlich warnen:
Zum Einen ist Passports & Souvenirs der lang erwartete Longplayer von Across The Delta nach der großartigen Debüt-EP Dancing To Architecture und der kleinen Vorabspeisung "Unit Exploded".
Und zum Anderen sind die elf neuen Songs keine Spazierfahrt. Zum nebenbei Anhören eignet sich die Platte genau so wenig wie zum Anheizen einer Party. Dafür verlangt sie vom Hörer zu viel Aufmerksamkeit.
Tick, Tick, Booom!!!
Mit "Everlasting Sound" geht's gleich mal los: Ein spannendes Intro, das nach einer lockeren Nummer klingt. Doch leider schrickt man mit dem Einsatz von Gesang und Schlagzeug furchtbar zusammen. Gitarre und Drums schrammen erbarmungslos über den Gesangspart, sodass außer einpaar Fetzen nichts mehr davon übrig bleibt. Und somit ist der Song auch schon vorbei. War da was?
"Unit Exploded" – eine massentaugliche Rocknummer, die verdient radiofähig ist. Tragende Refains, tolle Stimme. Der Song erinnert ein wenig an die allererste Single "The Intensive Alibi", vor allem das seltsame Outro, wenngleich es deutlich kürzer ist. Und dennoch - nach 3:40 ist alles vorbei und nichts bleibt.
Wenn da bloß nicht so viel Gitarre wäre...
Schon mit der kurzen Zusammenfassung der ersten Songs kann man die ganze Platte beschreiben, denn die Schemata der Nummern ähneln sich eklatant. Sänger Johannes Reisinger hat eine wirklich tolle Stimme, setzt sie großartig ein und singt catchy Melodien (ein bisschen mehr Falsett wär noch super!). Doch leider kann sie sich so gut wie nie gegen die Instrumente durchsetzen.
Dafür sorgt - wie bereits angesprochen - vor allem die Gitarre. Anstatt Raum zu schaffen nimmt sie diesen fast völlig für sich ein, spielt mühsame Riffs auch während der Strophen oder schließt sich der Rhythmussektion an, quasi dem zweiten Problem: so ausgeklügelt die Rhythmen und Songparts auch sein mögen, manchmal wäre es einfach besser gerade aus zu spielen. „BummTschack“, tragende Akkorde, sonst nichts mehr. Das passiert bei Across The Delta leider nicht.
Gespielt wird fast immer. Und überall.
Und das ist der dritte kritische Punkt: nichts bleibt hängen, weder schöne Melodien (außer bei der ersten Nummer vielleicht), noch tolle Beats zum Abgehen und Hüpfen. Was macht man mit so einem Album also?
Kein "Everlasting Sound"
Was bleibt ist ein ambitioniertes aber mühsames Album. Die Jungs haben es absolut drauf, keine Frage. Doch mit Passports & Souvenirs haben sie über das Ziel hinaus geschossen. Überambitioniert könnte man sagen.
Die Platte ist kalt, sie erzeugt keine Atmosphäre, keine Stimmung. Die Nummern haben ihre lichten Momente, jedoch keinen Wiedererkennungs- und schon gar keinen Ohrwurmcharakter. Ok, Letzteres ist nicht unbedingt vonnöten. Aber manchmal doch ein wenig. Und im Moment der bewussten Wahrnehmung sind diese schönen Hörerlebnisse schon vorbei und werden brutal von komplizierten Rhythmen und/oder Gitarrenriffs zerstört.
Man könnte fast glauben, die Instrumente haben sich gegen die Stimme verschworen. So gerne würde man sich zurücklehnen wollen um einfach nur zu hören und zu genießen. Aber es geht nicht. Leider.
i used to be alternative when mainstream was different.
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