2008-03-21 19:22:17
Thomas Lackner, 37, ist Modemacher in Vöcklabruck. Mit seiner Designwerkstatt will er nicht nur Mode, sondern vor allem auch Bewusstseinsbildung schaffen.
„Definitiv Vivienne Westwood. Hundertprozentig. Eine der unterhaltsamsten Persönlichkeiten am Modesektor.“ Schon allein ob dieser Antwort weiß man über Thomas Lackner und dessen stilistische Vorlieben mehr als Bescheid. Denn nicht jeder kann sich auf diese schräge, vormals als „Queen of Punk“ verschriene englische Modemacherin einigen. Lackner, geboren 1971 in Gmunden, wurde die Kollektion quasi in die Wiege gelegt: Das in der Vöcklabrucker Vorstadt liegende Modegeschäft Lackner, in dem er seine Designwerkstatt namens D.I.W.A.P. („Daddy I Want A Pony“) bezieht, ist ein sich bereits in der dritten Generation befindendes Familienunternehmen. Außerdem war seine Großmutter Schneiderin – ein Umstand, der wohl auch Spuren hinterließ. Darauf angesprochen, meint er: „Mode war grundsätzlich bei mir immer ein Thema, weil ich mit dem Textilgeschäft aufgewachsen bin.“
Nach erfolgreicher Absolvierung der Bundeshandelsakademie Vöcklabruck besuchte er einen Speziallehrgang für Grafik und Design in Linz, später noch das Mode-Kolleg sowie die Meisterklasse, die er mit anschließender Meisterprüfung als Damenkleidermacher 1996 abschloss. Danach schuf er Dekorationen für Großveranstaltungen im Großraum Linz, war freiberuflicher Mitarbeiter im Landesstudio des ORF Oberösterreich im Bereich Eventmarketing, als auch für die Wiener Werbeagentur Klasan als Verantwortlicher für diverse Einkaufsstraßen-Vereine zuständig. Seit dem Jahr 2001 ist er als selbstständiger Schneider und Designer für seine Werkstatt D.I.W.A.P. tätig.
Mode als Motiv und Motivation
Aus welchem Motiv heraus wurde er letztendlich Designer? „Ich sehe irrsinnig gerne ein Rohmaterial und ein Endprodukt, weil damit ist etwas abgeschlossen und ich sehe so einen Arbeitserfolg.“ Und fügt lakonisch hinzu: „Ein Bürojob, wo es immer gleichförmig dahingeht, ist eine Katastrophe.“ Dass Mode nicht nur Zierde individueller ästhetischer Konzepte ist, sondern darüber hinaus eine gesellschaftspolitische Bedeutung hat, ist sich auch Lackner bewusst: „Sie ist eine massive Spiegelung der Gesellschaft.“ Eine wichtige Eigenschaft sei damit gegeben, nämlich, „dass man in seinem Entwicklungsprozess in verschiedene Rollen schlüpfen und seine Persönlichkeit entwickeln kann.“ Gezählte 47 Auftritte in Städten wie Wien, Baden oder Linz, hat er seit Beginn als selbstständiger Designer hinter sich.
Die Motivation dahinter sieht er unter anderem auch aus einem ethisch-moralischen Standpunkt: „Mode soll den Menschen unterstützen und das in den Vordergrund rücken was er hat und ist und wie er sich wohlfühlt.“ Er versteht dieses heimliche Grundprinzip als eine „Bewusststeinsbildung“. Denn Mode machen, das heißt selbstverständlich auch „dagegen zu arbeiten.“, gegen diverse, tief in der Gesellschaft verhaftete Klischees, wie er anmerkt: „Es ist ein hagliches Thema für mich, dass man versucht, Menschen in Sachen zu zwängen und Mode vorgeben zu versucht.“
Die Bandbreite seiner Werksatt ist weitreichend. So versucht er sich an der Schnittstelle zwischen den Stilelementen aus Barock, Rokoko, Biedermeier, aber auch den 20er-, 30er-, 40er- und 60er-Jahren, alles verbunden mit japanischen Einflüssen sowie einer Spur, wie er meint, „sexueller Revolution der 70er-Jahre.“
Schließlich ist sein Arbeitskonzept als Tipp an herangehende Modedesigner zu verstehen: „Du musst dir irgendwo deine eigene Linie erarbeiten.“
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren