2007-04-02 00:10:55
Die österreichische Reinkarnation von dem legendären Queen-Sänger Freddie Mercury, Austrofred, brachte vor kurzem seine erste Autobiografie „Alpenkönig und Menschenfreund“ heraus. Darüber und über andere Themen sprach er mit dem Freien Magazin.
Er ist aus Oberösterreich, genauer: aus Steyr-Land. Fast 1, 90 m groß. Bartträger. Schwarzes Haar. Hört gerne Queen und…Erraten! Wir haben es hier mit „The one and only“ Austrofred zu tun. Im Normalfall singt und/oder redet er. Vor kurzem schrieb er aber sein erstes Buch: eine im sympathischen Edition Kürbis-Verlag veröffentlichte Autobiografie namens „Alpenkönig und Menschenfreund“. Im Vorwort beschreibt er seinen durchaus noch skeptischen Zugang zum Verfassen dieser selbstbeleuchtenden Lektüre: „Aber durch das, dass ich aus einem gewissen Wesenszug heraus sehr stark das Bescheidene habe, habe ich lange Zeit auf solche Fragen (ob er jetzt endlich einmal ein Buch, das sich definitiv gut verkaufen lässt, schreibt; Anm. d. Red.) nur geantwortet, sorry Leutln, aber ich bin nun mal in erster Linie ein Rockmusiker und kein Schriftstellerant. Meine Talente liegen im Komponieren, im Arrangieren, im Produzieren und im Performieren – die Büchlschreiberei dagegen ist nicht so ganz meins.“ Aber es kommt – wie so oft im Leben – anders und der Krautrockfan in ihm kann diese subtile Angst vor dem Schreiben ablegen. Ein 1970er-Jahrgang und ein ca. 120 Seiten starkes Buch waren Anlass genug, mit ihm ein Gespräch über seine Person respektive seinen Charakter zu führen.
Freies Magazin 5: Im Vorwort deines Buches „Alpenkönig und Menschenfreund“ schreibst du: „Mein Spruch war ja bekannterweise immer: Kritisch gegenüber den Mächtigen, hilfreich gegenüber den Schwachen, der Wahrheit verpflichtet. Und von dem her findet sich in diesem Buch so mancher Großkopferter in einem eher nicht so hundertprozentig positiven Licht wieder, einfach weil ich ein unbequemer Geist bin, einer der sagt, hallo, so geht es nicht, wenn ich Tendenzen entdecke in der Gesellschaft, wo ich sage, das führt zu nichts Gutem.“ Wann gibt es solche Situationen, in denen du den kritischen Geist wirken lässt? Gibt es Situationen, bei denen du dir denkst, dass jetzt etwas geändert gehört?
Austrofred: Auf das Buch bezogen: nicht jeder muss dort wirken, wo er – je nach Richtung – von der Natur oder von Gott hingestellt ist. Und mein Wirkungskreis ist eben die Musik, die Musikszene. Das heißt persönlich: ich kann dir keinen Eurofighter abbestellen, auch wenn ich mir denke: das ist ein teures Klumpert! Aber was ich sicher machen kann, wo ich einen gewissen Einfluss habe, bei der Musik, dass ich dort kritisch meine Hand erhebe und sage: Es müsste eine andere Förderung als Starmania für junge Kreativkünstler geben.
FM5: Vor ungefähr zwei oder drei Wochen war der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt bei der Talksendung Reinhold Beckmann zu Gast und meinte dort auf die Frage hin, ob er in seinem Alter noch vorhabe, eine Autobiografie zu schreiben, dass eine Autobiografie den Menschen nur künstlich verschönere. Was meinst du zu dieser Aussage?
Austrofred: Nein, das ist natürlich in meiner Autobiografie überhaupt nicht passiert, weil es mehr darum geht, dass ich ein Beispiel - aber kein idealisiertes! - sein möchte. Auch die schlechten Seiten werden da gezeigt und die Jugend, um die es mir ja geht und die ich in den Rockmusikberuf hineintreiben möchte, soll da ja ein leuchtendes Beispiel in mir sehen. Es sind ja weniger, wie es Schmidt vielleicht gemeint hat, Memoiren, sondern es ist auch in gleichem Maße ein pädagogischer Ansatz vorhanden.
FM5: In dem Kapitel „Ein Protestlied“ beschreibst du die aus deiner Sicht unzufriedene Situation mit dem früheren Ö3-Chef Bogdan Roscic. Es verringerte nämlich den Musikanteil an österreichischer bzw. Austropop-Musik radikal und diese Tatsache kommt dir ungut auf. Warum hast du in dem Kapitel aber nicht die (zumindest teilweise) hervorragende Arbeit von Ö1 und Fm4 erwähnt? Oder war das eine bewusste Alleinbeschäftigung mit Ö3?
Austrofred: Da geht es natürlich nur um Ö3. Ö1 ist natürlich ein sehr guter Sender, hat aber für die Pop-Musik null Relevanz. Fm4 müsste man sich eigentlich genauer anschauen, da gibt es durchaus fachliche Stellen, aber da ging es eben – auch aus einer gewissen Folklore heraus – nur um Ö3. Die Ö3-Kritik gehört ja zum Austro-Pop dazu, das ist halt so.
FM5: Einmal im Buch – im Kapitel Lernen Sie Rockgeschichte! – schreibst du auch: Aber der eine Dodl arbeitet garantiert in der ORF-Kulturredaktion. Ich fand den Satz sehr lustig. Aber wenn man den Satz aus ernster Sicht betrachtet: Warum bist du mit dem ORF-Kulturteil bzw. –redaktion unzufrieden? Was gefällt dir daran nicht? Bzw. wie stehst du überhaupt zum ORF?
Austrofred: Na ja, sie könnten einfach viel mehr machen. Wenn man jetzt natürlich den ganzen ORF hernimmt, dann ist natürlich eh Ö1 ein großes Vorbild, wie es sein kann, dass die Sachen, die interessant sind und sich nicht nur auf die Eventkultur beziehen, gebracht werden. Die auch aus sich heraus leben und nicht nur Alibiaktionen (in Bezug auf die Sendezeit) machen; sondern auch etwas zeigen wollen. Und wenn du dir jetzt Treffpunkt Kultur anschaust: da sind eh auch irgendwie interessante Sachen zu finden, aber immer nur diese kurzen Häppchen. Da gehören ein paar Sendungen tiefer gesetzt. Also für das Religionsmagazin Kreuz & Quer gilt das erstaunlicherweise nicht, weil diese Sendung wirklich interessant ist. Und da gehört dann bei anderen Sendungen auch diese Tiefe hinein.
FM5: Im Vorwort steht von dir geschrieben, dass du eben Rockmusiker und kein Schriftstellerant seiest. Bedeutet das, dass du nicht mehr vorhast ein weiteres Buch zu schreiben?
Austrofred: Na ja, ich habe natürlich – obwohl ich natürlich auch andere Talente habe – schon festgestellt, dass ich eben das schriftstellerische Talent habe und da kann ich mir schon vorstellen, in dieser Richtung noch etwas zu machen. Also ich habe da schon etwas im Kopf. Mal schauen, was daraus wird.
FM5: Vermisst du die Zeit mit den Crazy Diamonds (hauptsächlich Pink Floyd-Coverband, in der Austrofred spielte; existierte von 1986 bis 1993; Anm. d. Red.) oder genießt du es jetzt, als Solokünstler unterwegs zu sein?
Austrofred: Ja natürlich, weit besser! Ich möchte die Zeit nicht missen, weil ich einfach viel gelernt habe und du kannst auch nicht einfach wo hingehen und sagen: Hallo, hier ist der Rockstar, hier bin ich! Das kannst du bei Starmania machen, aber da kommst du – außer du bist die Christl Stürmer, die hat Glück gehabt – auch nicht als Rockstar heraus. Aber du musst mal irgendwie das Handwerk erlernen und da meine ich jetzt nicht das spielerische Handwerk. 50-mal vor einem Haus spielen ist sicher besser als vieles Andere!
FM5: Was gefällt dir an Queen im Allgemeinen und an Freddie Mercury im Speziellen?
Austrofred: Der Glamour, die unbedingte Show, die Exstase, das bedingungslose Showding. Die wollten wahnsinnig viel ausdrücken, nicht die Welt verändern. Und das hat irgendwie eine gute Berechtigung.
FM5: Gefallen dir auch neue(re) Bands wie die Scissor Sisters oder I AMX, die ja auch sehr auf ihren Stile und Glamour bedacht sind?
Austrofred: I AMX kenne ich zu wenig. Es kommt darauf an: wenn es zu sehr in die Retro-Bewegung geht, dann mag ich das nicht. Die Scissor Sisters sind eh ganz gut.
FM5: Welche Musik hörst du sonst?
Austrofred: Viel aus den 70er Jahren. Ich glaube, ich bin eh der Einzige in Österreich mit einer kompletten Yes-Sammlung. Aber auch durchaus neuere Sachen.
FM5: Was hältst du vom österreichischen Kabarett?
Austrofred: Da bin ich ganz auf der Zuschauerseite. Alf Poier und Josef Hader. Die anderen sind mir zu vorhersehbar. Und die beiden haben schon etwas, das über das Genre hinausreicht. Aber, wie gesagt: das ist eine reine Zuschauersicht.
FM5: Du erwähnst in deinem Buch, dass du sehr gerne in Oberösterreich lebst. Was gefällt dir mehr: Wien oder Oberösterreich? Wo hältst dich du lieber auf?
Austrofred: Na ja, jetzt wohne ich halt in Wien und das hat ja auch seinen Grund, weil ich hier arbeite und wirtschaftlich gut agieren kann. Obwohl ich eine Landpflanze bin, habe ich eigentlich relativ wenig Landsehnsucht und fühle mich hier in der Stadt sehr wohl. Aber es hat beides etwas. Das eine ist halt Stadt, das andere Land. Da geht es mir eher so wie dem Thomas Bernhard, der ja auch immer von Ohlsdorf nach Wien gependelt ist und er hat eben gesagt, dass er nur im Auto glücklich war, weil wenn er dann schon wieder in Wien war, dann hat ihn die Stadt schon wieder zu nerven angefangen. Bei mir ist das auch so, allerdings ohne diesen großen Leidensdruck.
FM5: Wie man hier sieht (großes, vollgestopftes Bücherregal deutlich erkennbar; Anm. d. Red.), liest du recht gerne und viel. Gibt es neue Bücher, die du zurzeit liest?
Austrofred: Ja, mein eigenes! (lacht.) Das ist sehr großartig, das habe ich heuer beim Überarbeiten schon sehr oft gelesen, weil ich das sehr penibel überarbeitet hab. Künstlerbiografien lese ich natürlich am liebsten! Und über Musiker, also Leute in meinem Format, in erster Linie.
Übrigens: Am 17. Oktober findet die Premiere von „Alpenkönig und Menschenfreund“ im Wiener Rabenhof Theater statt. Unterstützt wird Austrofred dabei von Thomas Rabitsch am Klavier - oder was „am Bösendorfer“ auch immer bedeuten mag.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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