2007-04-02 00:10:57
Buch, Frau, Zigarette: Es ist nicht leicht, die minenfeldartige Problemzone namens Leben heillos zu überstehen. Ein Buch, das irgendwie nicht zu Ende geschrieben werden kann, die nicht zu durchblickende Frauenwelt, außerdem: Wollten wir nicht auch mit dem Rauchen aufhören? Der deutsche Schriftsteller Bruno Preisendörfer widmet sich dieser Symbiose in seinem neuen Buch „Die letzte Zigarette“.
CD-Covers, Bücher, Filme, Posters mit dem Antlitz ewiger Superstars und Fotos: Nichts bleibt von der Zigarette verschont. Auch „Die letzte Zigarette“ nicht; findet sich doch – wie wohl unschwer zu erraten – auf dem Schutzumschlag eine aus den Lippen herunterhängende „Tschik“. Außerdem ist sie eine stets mit dem Hexenkessel namens Kultur Verbundene. Sie steht in direktem Verhältnis zu ihr, was sich auch in diesem von dem deutschen Autor und Publizisten Bruno Preisendörfer geschriebenen Buch inhaltlich wieder findet. Denn darin rauchen sie, die coolen Journalisten, Schriftsteller und Frauen.
![[Abbildung]](http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/zauber1/index.jpg)
"Ich verstehe es nicht, wie jemand nicht rauchen kann." (Hans Castorp, Protagonist des "Zauberbergs" von Thomas Mann) Foto: www.dhm.de
„Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen dabei helfen, …
Zigarette, Liebe (zu den Frauen) und Literatur passt doch gut zusammen. Dachte sich zumindest der 1957 in Aschaffenburg geborene Autor Preisendörfer, der Redakteur des Berliner Stadtmagazins „Zitty“ und der Zeitschrift „Freibeuter“ war und sich heute als freischaffender Kritiker und Schriftsteller seine Brötchen – oder sollte man, angesichts des Romans, Zigaretten sagen? – verdient. Im Herbst letzten Jahres wurde das mit viel Genuss zu lesende Buch veröffentlicht. Darin ist eine Ironie nach der anderen zu finden: Seine Danksagung lautet zum Beispiel „Meinen nichtrauchenden (!) Schwestern Angelika und Edith“. Auch die Titelgebung der drei Kapitel ist erwähnenswert: „Anfangen aufzuhören“, „Die drei Missionen des Jean Nicot“ und „Aufhören anzufangen“. Noch ein Beispiel: Alle paar Seiten wieder liest man den genussvollen Befehl „Bitte rauchen Sie nur wenn das Signal (---- ~)erscheint“.
Zum Inhalt: Der Protagonist, wieder einmal schlicht und einfach „Ich“ genannt, hat genug Probleme. Er kann sich zwischen den Frauen Kreta, Paula, Melanie, Carmen, Philine und Anne entscheiden, versucht gerade ein Buch fertig zu schreiben und will außerdem seine Sucht zu dem blauen Dunst eindämmen. Diese Dreifaltigkeit der Liebe mag manch andere Autoren zu quälenden Romanen voll von Klischees treiben, bei Preisendörfer treibt sie jedoch zu gar schönen Blüten.
… das Rauchen aufzugeben“
Weil Buchbesprechungen auch sehr oft in öden Gangarten geführt werden, soll im folgenden Teil der Autor selbst die Rezension übernehmen:
„Alle glücklichen Raucher gleichen einander. Die unglücklichen jedoch sind stets auf ihre eigene Weise unglücklich.“
Außerdem darf man beim Lesen erfahren, dass Lucky Luke im Jahr 1991 die Zigarette von seinem Zeichner weggenommen und durch einen Strohhalm ersetzt wurde. Preisendörfer stellt auch bei folgendem Beispiel unter Beweis, dass er puncto Bibel-Zitate sehr belesen zu sein scheint, als er das mit Schwierigkeiten versehene Zusammentreffen zwischen Rauchern und Nichtrauchern beschreibt: „Eher geht eine Camel durch ein Nadelöhr, als dass sich Nichtraucher und Raucher darauf einigen können, was „ab und zu“ bedeutet: Zwei in der Stunde oder zwei am ganzen Tag?“ (Parodie auf Zitat Mt 19, 24)
Das Buch „Die letzte Zigarette“ ist letzen Herbst im Eichborn Verlag erschienen.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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