2007-11-20 23:24:52
Das Wiener Drum'n'Bass-Magazin „resident“ feierte kürzlich sein zwei-jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit Chefredakteurin Michaela Holy über Erwartungen, die internationale Wahrnehmung und die Zukunft dieses Print-Mediums.
Dass das musikalische Genre Drum'n'Bass gerade in letzter Zeit eine massive Hochkonjunktur feiert, ist sicher nicht nur an den zahlreichen Wiener Drum'n'Bass-Clubs festzustellen. Ein immens wichtiges Medium ist das Wiener Print-Magazin resident, das vor kurzem sein zweites Jahr des Bestehens feierte. Das Freie Magazin sprach mit der Chefredakteurin Michaela Holy über Erwartungen, die internationale Rezeption und über die inhaltliche Zukunft von resident.
FM5: Wie war die Geburtstagsparty im Zoo?
Michaela Holy: Die Party ist sehr gut angekommen. Wir haben sehr gutes Feedback bekommen – sowohl von den Artists als auch von den Gästen. Ich denke gerade die Wiener Drum'n'Bass-Szene ist nicht nur wegen des Line-Ups gekommen, sondern wegen unseres Geburtstages.
Hattet ihr euch ursprünglich erwartet, zwei Jahre bestehen zu können?
Ich hatte generell ursprünglich erwartet, dass resident schon bei der ersten Ausgabe einschlägt wie eine Bombe. Wir haben uns keine Gedanken darüber gemacht, wie lange wir bestehen können, sondern haben daran gearbeitet, vier Mal im Jahr ein gutes Magazin rauszubringen.
Was bedeuten für dich diese zwei Jahre?
Ich habe sehr viel gelernt und resident hat mich auch beruflich weiter gebracht. Ich habe gelernt, dass (unentgeltliche) Projektarbeit mit so vielen Menschen sehr schwer, aber machbar ist. Ich konnte meine eigenen Stärken und Schwächen effizient herausarbeiten und habe Menschen kennen gelernt, die ich sonst wohl nie kennen gelernt hätte. Es ist großartig, etwas aus dem Boden zu stampfen und so konsequent zu verfolgen.
Wird Resident international überhaupt wahrgenommen?
Ja klar. Sehr positiv sogar. Wir unterscheiden uns im Ansatz zur Musik etwas von unseren Konkurrenten. Wir versuchen mehr Trends und Zusammenhänge und weniger Autobiografien aufzuzeigen. Dadurch sind wir bei verschiedenen internationalen Künstlern sehr positiv aufgefallen. Unsere größte Resonanz haben wir klarerweise in Deutschland, doch auch in England interessieren sich viele Künstler für ein Feature und auch für die Mix-CD.
Wie sieht es deiner Meinung nach mit österreichischem Drum'n'Bass im Jahr 2007 aus?
Drum'n'Bass in Österreich boomt wie nie zuvor, nicht nur partymäßig. Es gibt eine richtige Masse an jungen aufstrebenden Produzenten, die jetzt einer nach dem anderen gesignt werden. Allen voran der junge Salzburger Camo, der in Grooveriders Radioshow auf BBC Radio1 heftig gepriesen wurde. Auf jeden Fall drängen viele nach oben – und haben das auf Grund ihrer Skills auch verdient. Concept und Shnek aus Wien muss man hier auch erwähnen, die auf dem Label von Total Science (CIA) mit Open Up einen der Tunes des Jahres geliefert haben.
Ist es für dich schwer, so ein Magazin zu machen?
Es ist immer wieder eine Herausforderung, sich selbst und auch die anderen zu motivieren. Aber im Endeffekt ist es gerade durch die Erfahrung - dem Lerneffekt der letzten zwei Jahre - und dem homogenen Team nicht schwer, „so ein Magazin zu machen“. Die Schwierigkeit liegt eigentlich in fehlenden Zeit-Ressourcen.
Du bist ja eine Drum'n'Bass-Spezialistin und um ein bisschen auszuholen: Wie wird sich dieses Musik-Genre weiterentwickeln?
Im Moment entwickelt sich der Sound in zwei große Richtungen: Es gibt den Nu Jump Up und Rave Style, der gerade durch Leute wie Pendulum und TC immer populärer wird. Daneben pushen Labels wie Metalheadz und Soul:R eine neue Art von intelligent Drum'n'Bass – hier sind an erster Stelle Commix und Marcus Intalex zu nennen. Außerdem verschmelzen die Grenzen zu anderen Genres immer mehr: Techno hat wieder einen enormen Einfluss, Klute hat z. B. auf seinem Label Commercial Suicide, das bisher nur Drum'n'Bass veröffentlichte, eine Minimal-EP mit einem John Tejada-Remix rausgebracht.
Gerade Drum'n'Bass muss sich oft den Vorwurf der faden, sich ständig wiederholenden Beats und Basslines machen lassen: Wie stehst du dazu? Entwickelt sich Drum'n'Bass weiter?
Klar – und wie. Die Techno-Geschichte ist ein Ding, aber Drum'n'Bass ist auch sonst wieder so offen wie nie zuvor. Eine Zeit lang gab es tatsächlich ein gewisses Scheuklappendenken, aber viele DJs lassen jetzt auch andere Styles in ihre Sets einfließen: DJ Flight spielt Dubstep mitten in einem Drum’nBass-Set, Noisia spielt Drum’n’Bass, Breaks und Electro-House in einer Art Hybrid-Set. Man kann aber auch ein reines Drum'n'Bass-Set mittlerweile sehr abwechslungsreich gestalten, oft fehlt den Leuten da nur der Mut. Produktionstechnisch gibt es wie gesagt auch Ausflüge in andere Gefilde, wie auch Martyns letzter Release auf Marcus Intalex’ Label Revolve:r zeigt, ein Dubstep und Downtempo Release auf einem bis dahin reinen Drum’n’Bass-Label.
Glaubst du, dass diese Genre aufgrund der bereits so zahlreich vorhandenen Clubs in Wien an Qualität verliert?
Zum Teil ist das sicher so, aber das reguliert sich meist selbst. Oft kommen Leute daher und veranstalten irgendwas, aber das ist dann oft nicht von Dauer. Tatsächlich gibt es die drei Platzhirschen Mainframe, Beat It und Urban Art Forms, die ihr Handwerk allesamt gut verstehen. Klar kommt da manchmal der ökonomische vor dem qualitativen Gedanken, was dann manchmal zu einer gewissen Vereinheitlichung des Sounds führen kann. Gerade Beat It schafft es aber, mit abwechslungsreichen Line-Ups wöchentlich was Neues zu bieten.
Welche Ziele wird Resident weiterhin verfolgen?
Wir werden versuchen, international mehr Präsenz zu erlangen. Wir möchten unseren Status als die Meinungsbildner in Sachen Drum’n’Bass und Breakbeat weiter ausbauen. Und gute Partys natürlich: Im Februar beispielsweise wird es eine kleine Tour geben. resident presents: Lifted Music wird in Wien und Vorarlberg mit Spor, Apex und Chris Renegade wieder ordentlich Gas geben.
Wird es irgendwelche Änderungen in naher Zukunft geben?
Wir werden inhaltlich mehr anbieten, den bisherigen Themenkreis etwas vergrößern. Wir möchten den Lesern Artverwandtes näher bringen und den Content mit unter anderem mehr (Gast-)Kommentaren auflockern. Ab 2008 wird die Auflage aufgrund der Nachfrage verdoppelt. In unserer Pause bis zur nächsten Ausgabe im März 2008 verstärken wir außerdem unsere Online-Präsenz mit Content und News auf www.resident.at.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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