2007-04-02 00:10:50
Menschen, die glauben, Bayern bestehe nur aus Weißwurst essenden Lederhosenträgern, haben sich mächtig geirrt: Sub-Bavaria ist da, um die Subkultur zu dokumentieren. Patrick Gruber, einer der drei Erfinder bzw. Leiter, erklärt das Projekt.
„Laptop, Lederhosen und Oktoberfest – so sieht man Bayern im Rest der Republik. Nicht zu Unrecht. Doch jenseits der Wiesn, in den Speckfalten der Lederhosen und in den Weiten des bajuwarischen Kollektivhirns hausen unendlich viele, mehr oder weniger abstruse Geschichten und Facetten bayerischer Subkultur. Um dieses bajuwarische Geheimwissen zu demokratisieren wurde das Projekt Sub-bavaria ins Leben gerufen.“ So wird Sub-Bavaria – auch das „bayrische Wikipedia“ genannt -, das seit 22. Juli 2005 online ist, eingangs beschrieben. Seit ca. einem Jahr hält dieses bayrische Projekt Subkultur in Form von vernetzten Artikeln fest. Das Projekt ist eine freie Plattform; jeder Interessierte kann also Artikel zu noch nicht existierenden Themen ergänzen. Im Folgenden ein Interview mit Patrick Gruber, einem der Erfinder bzw. Leiter von Sub-Bavaria.
FM5: Sub-Bavaria in ein paar Worten erklärt.
Patrick Gruber: Sub-bavaria ist das Internet-Lexikon der bayrischen Subkulturen. Vieles was in den letzten Jahrzehnten und aktuell in der Subkultur in Bayern passierte, ist kaum dokumentiert. Wir wollen dieses Geheimwissen für jeden zugänglich machen und Zusammenhänge und Einflüsse aufzeigen. Jeder kann Texte ergänzen und neue Artikel schreiben und so zu Sub-bavaria beitragen.
Wie viel Zeit verbringt ihr pro Tag/Woche mit Sub-Bavaria?
Wahrscheinlich 2-3 Stunden pro Woche. Am Anfang war es viel mehr, jetzt
helfen sich die User gegenseitig und wir können uns auf Veranstaltungen
konzentrieren, die die Webseite in Zukunft ergänzen werden.
Seht ihr euch als ein Projekt wie Indiepedia,
nur eben speziell bayrisch?
Indiepedia ist nur auf Independent-Musik beschränkt, wir decken aber alle
Bereiche der Kulturen (Off-Theater, Poetrie-Slams, unabhängige
Kunst-Spaces, Autoren-Filmer, Radiosendungen etc.) und politischen Aktivismus
von heute bis zurück zum ersten Bauernaufstand, der in der Sendlinger
Mordweihnacht endete. Uns geht es dabei auch darum zu zeigen, wie die
verschiedenen Kultur-Bereiche zusammenhängen.
Stichwort München - weil es der letztendlich einzige urbane Raum Bayerns
ist - : Gibt es in dieser Gegend wirklich so viel zu berichten (über
Pop-Kultur usw.)?
Etwa die Hälfte der Artikel ist aus München, was wohl damit zusammenhängt,
dass wir drei Gründer in München sind und dass viele Leute vom Land in die
Stadt gezogen (oder nur gefahren) sind wenn sie Subkultur machen wollten. Im
Gegensatz zu anderen Großstädten - allen voran Berlin - ist die populäre
Meinung, dass wenig in der Subkultur passiert. Das ist so nicht richtig,
hier wird nur nicht so offen darüber gesprochen.
Gab es schon Missbrauchsfälle oder läuft alles korrekt ab?
Richtigen Missbrauch gab es nicht, es gibt aber immer wieder Diskussionen
über einzelnen Personen oder Gruppen, die für die eine Seite zu
kommerziell orientiert und für die andere ungerechtfertigt schlecht
dargestellt werden. Aber die Diskussionen werden ausgetragen und
schließlich kommt ein Artikel raus, der beide Seiten darstellt. Dann gibt
es natürlich auch gerade Bands, die sich sehr positiv darstellen. Wir
versuchen, dass dies jeweils als Selbstdarstellung gekennzeichnet ist.
In welchem Raum - so weit das zu messen ist - sind die höchsten
Zugriffszahlen zu vermerken?
Das kann man immer aktuell hier sehen:
http://www.sub-bavaria.de/wiki/Spezial:Popularpages
Nach den internen Seiten liegen die Rote Sonne und die Domagkateliers vorne.
Seid ihr zufrieden mit Sub-Bavaria?
Auf jeden Fall! Wir hatten im Februar wieder über 7000 Besucher, davon 400,
die mehr als 50 mal auf der Seite waren. Ich denke das ist für ein
subkulturelles Angebot sehr gut.
Änderungen - mit Blick in die Zukunft?
Die Seite soll so bleiben wie sie ist, als nächstes planen wir
Veranstaltungen. Angedacht ist eine Kino-Abend über Münchner
Autorenfilmer, ein Open Air bei Traunstein und ein kleines Event zum
einjährigen Bestehen.
Sub-bavaria kann auf der Seite www.sub-bavaria.de besucht werden.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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