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musik

“Dancing With Tears In My Eyes”

2007-04-02 00:12:03

Das Debütalbum “The Backroom” von den Editors (ohne “The”). - Achtung, dieses Album birgt Suchtgefahr! Eine Platte wie ein Film Noir, düster, leidenschaftlich, beklemmend, aufwühlend, und hie und da ein Funken Hoffnung.

Achtung, dieses Album birgt Suchtgefahr! Eine Platte wie ein Film Noir, düster, leidenschaftlich, beklemmend, aufwühlend, und hie und da ein Funken Hoffnung.
 
Der erste Hördurchgang hinterließ Eindrücke dieser Art: Eine düstere Anti-Sommer-Platte, eine interessante, wenn auch eigenwillige Stimme, an die man sich wohl erst gewöhnen muss. Ist nicht wirklich was neues, klingt in etwa wie Interpol und Joy Division, auf Dauer etwas „anstrengend“ und aufwühlend.
Zweiter Hördurchgang: Die Songs bleiben schnell haften, durch die vorwiegende Düsternis scheinen wunderschöne Melodiebögen hindurch, sowohl das Songmaterial als auch die Stimme des Sängers erweisen sich als sogar variantenreicher als Vergleichbares ihrer (vermeintlich) großen Brüder von Interpol. Darüber hinaus werden vielschichtigere Einflüsse spürbar, wie etwa Placebo oder die frühen U2.
Dritter Hördurchgang: Das Zeug hat Suchtcharakter, ich ergebe mich, bin gefangen von dieser wunderbaren Platte.
 
 
 
Großteils peitschen tanzbare Achtel-Bassdrum-Rhythmen und ein sehr melodiespendender Bass die Nummern voran, während das Klangbild von zwei halligen, stets nur leicht angezerrten Gitarren dominiert wird. Darüber thront die klagende und gehaltvolle Stimme des erst 23jährigen Tom Smith, eine Mischung aus Ian Curtis (Joy Division), Paul Banks (Interpol) und – haltet mich für verrückt – Frank Sinatra.
 
 
 Tom Smith live beim FM4 Frequency Festival
 Foto: (c) Stephan Brückler
 
Leidenschaft, Power und Schönheit, dennoch ist man stets den Tränen näher als dem unbeschwerten Discotanz, was das Album zu einem perfekten Begleiter für den ausklingenden Sommer macht. Trotz der durchaus Dancefloor-tauglichen Rhythmen weht eine melancholisch-düstere Grundstimmung durch das gesamte Album, die in den stilleren Kompositionen auf die Spitze getrieben wird, aber gleichzeitig pure Schönheit offenbart, wie in „Camera“ oder der Schlussnummer „Distance“.
 
“Look at us
Through the lens of the camera
Does it remove all of our pain
If we run
Then look in the back room
Where we hide all of our feelings”
(Camera)
 
Es fällt schwer, Highlights herauszupicken, aber „Munich“, „Blood“ und „All Sparks“ sind die ersten Kandidaten, die sich fest im musikalischen Gedächtnis verankern. Das einzige Manko dieser Platte ist maximal die fehlende Abwechslung, da die Gitarren stets mit denselben Hall-, und Zerreffekten ausgestattet sind, so dass man zwischendurch eine Akustikklampfe direkt herbeisehnt, und auch so manche kompositorische Elemente wiederholen sich auf Dauer. Ein Manko, das man auch als Stärke werten kann, denn so klingt das Album unverwechselbar und  wie aus einem Guss.
 
„Open your arms and welcome...”
Bei den Editors gibt es nur eine Herangehensweise, entweder lässt man sich voll und ganz darauf ein und lässt sich in ihrer Musik fallen, oder man lässt die Finger davon, oberflächliches Hören ist hier fehl am Platz.

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