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Ästhetik der Zerstörung

2009-11-08 15:55:46

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2012 wird die Flut kommen, vor der Noah einst mit seiner Arche floh. Roland Emmerich inszeniert mit 2012 ein Spektakel der ästhetischen Zerstörung vor dem die Maya schon gewarnt hatten.

 

In einer stillgelegten indischen Kupfermiene entdeckt ein junger Wissenschaftler die stetige Erhitzung des Erdkerns. Berechnungen zu Folge wird die Erdkruste zu schmelzen beginnen. Die dadurch ausgelösten Instabilitäten sollen in Verbindung mit den daraus resultierenden Tsunamis die Erdoberfläche unbewohnbar machen. Wir schreiben das Jahr 2009. Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) überbringt die Information ans Weiße Haus. Der darauffolgende Schnitt versetzt ins Jahr 2012.

Zukunftsszenarien


Roland Emmerich gehört spätestens seit Independence Day zum Überbringer destruktiver Zukunftsszenarien. Specialeffects zeichnen seinen Film mehr aus als dramaturgische Feinheiten. Auch in 2012 ist das nicht anders. Die Story ist seicht, zwischenmenschliche Beziehungen bleiben am Rand stehen. Nicht der Mensch, sondern die virtuell inszenierte Naturgewalt wird zum Helden.

Der gescheiterte Autor wird zum Antihelden stilisiert für seine entwöhnten Kinder und seine fremdgewordene Exfrau. Zufall und Glück spielen im Leben von Jackson Curtis (John Cusack) eine unermessliche Rolle. Der Ausflug mit den Kindern in den Yellowstone Nationalpark lässt ihn auf einen verrückten Radiomoderator – sehr amerikanisch fanatisch besetzt mit Woody Harrelson – treffen, dessen Zukunftsvorhersagen sich nach und nach bewahrheiten. Der inaktive Supervulkan, der unter Yellowstone schlummert, wird explodieren, dann kommen die Tsunamis. Doch die größten Mächte der Welt haben sich schon eine Lösung überlegt.

Noahs Erben


Roland Emmerichs Abschlussfilm auf der Hochschule für Fernsehen und Film in München trug den Titel Das Arche Noah Prinzip. Das Budget betrug 1,2 Millionen D-Mark. Der Film zählt zu den teuersten Studentenfilmen überhaupt. In 2012 wird das Prinzip der Arche Noah erneut aufgegriffen. Richtig beschaulich wird es, wenn ein Dutzend Hubschrauber Giraffen und Elefanten über die Berge Chinas zur Lagestätte der Archen transportieren. 

Wenn eine Wohnmobil in einen Erdkrater stürzt und eine Hand am Krater das Überleben des Insassen signalisiert oder ein Flugschüler nach zwei Flugstunden einen Airbus steuern kann, dann wird der amerikanische Traum wahr. Roland Emmerich, gebürtiger Deutscher und Vorzeigeamerikaner, hat ein neues dystopisches Epos geschaffen. Über zweieinhalb Stunden zieht sich das Spektakel an Specialeffects, in dem auch Kanzlerin Merkel eine Hommage gesetzt wird. "We were warned" ziert in fetten Lettern das Filmplakat von 2012, und das sollte sich das Kinopublikum auch zu Herzen nehmen.


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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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