2007-04-02 00:10:14
Aufmerksamkeit für vergessene Länder und Menschen zu wecken, das ist der Hintergund der aktuellen Aktion "Break the Silence", mit der Ärzte ohne Grenzen durch Österreich tourt. FM5 traf sich mit Verena Leitner von Ärzte ohne Grenzen um über die Hintergründe der Organisation, das Projekt und aktuellen Entwicklungen zu sprechen und um zu erfahren, warum es so schwierig ist bei Ärzte ohne Grenzen mitzuhelfen.
"Break the Silence" ist euer aktuelles Jugendprojekt, das sich gerade auf Tour durch Österreich befindet. "Break the Silence" soll motivieren selbst Ideen zu entwickeln und den Blick auf die humanitäre Situation "vergessener Länder" lenken. Wie soll das gelingen?
Ziel der Tour ist es, Aufmerksamkeit für vergessene Länder und die Menschen dort zu wecken und zu Diskussionen zu dieser Thematik anzuregen. In der westlichen Welt ist das Problem, dass das Blickfeld immer auf große Katastrophen gelenkt wird. Dort sind die Medien vor Ort, dort erfolgt Berichterstattung und Bewusstseinsbildung. Da berichten alle darüber und jeder ist auch bereit, etwas zu tun. Wenn es aber um andere Krisen geht, die einen gewissen medialen "Schwellenwert" nicht übersteigen, über länger andauernde Krisen beispielsweise, ohne einen großen Höhepunkt, so werden diese Krisen nicht wahrgenommen. Zumindest öffentlich. Hier schaut die Welt nicht aktiv zu und damit werden sie vergessen. Das ist im Kongo oder im Sudan der Fall. Gerade dieses Jugendprojekt soll helfen, damit sich Schüler und Jugendliche dieser Problematik bewusst werden und sich überlegen, was sie in ihrem Bereich tun können, um Aufmerksamkeit zu bekommen für Probleme dieser Welt, die nicht so präsent sind in den Köpfen der Leute.
Ärzte ohne Grenzen legt sehr viel Wert auf Öffentlichkeitsarbeit. Ihr geht beispielsweise auch auf Österreichtour... Wie wichtig ist euch das Image?
Uns ist die Wahrung der Unabhängigkeit sehr wichtig. Darauf legen wir großen Wert. Wir achten darauf bei all unseren Auftritten und Aktivitäten, damit wir diese Unabhängigkeit auch behalten. Das fängt dabei an woher unser Geld kommt. 80 Prozent unserer Einkünfte stammen von Privatspenden. Das ist eine Selbstverpflichtung, die sich die Organisation auferlegt hat, damit es zu keiner politischen Einflussnahme durch Vergabe öffentlicher Gelder kommen kann. Dies hat auch Auswirkungen auf unsere Herangehensweise an Projekte, damit wir das tun können, was wir medizinisch für notwendig in einem Gebiet oder Land erachten.
Es ist ziemlich schwierig bei Ärzte ohne Grenzen aktiv mitarbeiten zu können. Wie kann man mitmachen? Warum ist der Zugang zum Helfen so schwierig?
Berufserfahrung und Praxis ist notwendig aus einem ganz einfachen Grund. Wir schicken die Leute als Experten ins Ausland. Sie haben vor allem die Aufgabe lokale Mitarbeiter auszubilden und ihr Wissen weiterzugeben. Dafür ist es notwendig seine Ausbildung abgeschlossen zu haben und mehrere Jahre Berufspraxis zu haben. Es ist keinesfalls so, dass es in diesen Ländern nur unausgebildete Mitarbeiter gibt!
Ärzte ohne Grenzen gehört sicher zu den reicheren Organisationen. Im Zuge der Tsunami-Berichterstattung hieß es, dass Ärzte ohne Grenzen für Südostasien genug Geld hätte, man solle bei anderen Organisationen spenden. Wie schaut die Situation nun wirklich aus? Ich habe gehört, dass das Projekt in Malawi noch immer dringend Geld braucht.
Zunächst einmal, wir gehören wahrscheinlich nicht zu den reicheren Organisationen. Wir gehören zu den größeren Organisationen. Wir sind die größte medizinische Nothilfeorganisation, das bedingt natürlich auch, dass mehr Stoßkraft in Form von Finanzen da ist, um Projekte zu betreuen und um medizinische Betreuung zu gewährleisten. Doch auch wir suchen ständig Geldmittel, um die Hilfe aufrechterhalten zu können. Vor allem für die Hilfsprojekte die gerne vergessen werden, wo die Weltöffentlichkeit nicht hinsieht. Dazu gehören unsere Projekte in Malawi.
Malawi gehört zu den 15 ärmsten Ländern der Welt (60 % der Menschen leben unter der Armutsgrenze), und ist eines der dicht besiedeltsten Länder Afrikas. Eine Million Menschen sind in Malawi an Aids erkrankt.
Wir haben zahlreiche Hilfsprogramme im Land, die sich vor allem mit der HIV/Aids Aufklärung und Behandlung beschäftigen. Wir behandeln Patienten mit antiretroviralen Medikamenten, betreiben Kliniken und machen Präventionsarbeit. In den Hilfsprogrammen sind auch zwei Österreicher, ein Artz und eine Medienexpertin für die Informationsarbeit tätig. Sie behandeln Patienten, initiieren und leiten Aufklärungsprogramme, drucken Broschüren etc. Nur so kann die Aids-Pandemie eingedämmt werden.
FM5 hat das Projekt in Malawi im Rahmen des Social Clubs mit 1.200 Euro unterstützt. Was passiert mit dem Geld?
Es gibt Projekte zur Aufklärung der Bevölkerung und Information über den Test und das Leben mit der Krankheit.
Die antiretrovirale Therapie, die bei Aids lebensverlängernd ist, ist verhältnismäßig teuer. Gerade diese Programme brauchen sehr, sehr viel Geld.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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