2008-06-08 13:41:58
Spaniens angehende Reporter nehmen für die Karriere schon mal schlaflose Nächte in Kauf. Ángela und ihr Kameramann erleben bei einem Einsatz mit der Feuerwehr ein schauerliches Fiasko, dass mit Bränden reichlich wenig zu tun hat.
Während Sie schliefen heißt die Sendung der jungen Journalistin Ángela, in der Berichte über Personen gezeigt werden, die nachts ihre Arbeit verrichten müssen, während alle anderen zu Bett gehen.
Diesmal hat es Ángela und ihren Kameramann Pablo in eine Feuerwehrwache verschlagen. Sie führen Interviews, zeigen die Feuerwehrmänner beim Essen, gehen durch die Station, doch Notrufe, Action oder Aufregung gibt es nicht, alles verläuft ruhig.
Bis der erhoffte Notruf doch noch kommt, der Alarm anfängt und die Sirenen losheulen.
Als die Feuerwehr mit den beiden Reportern am Ort des Geschehens ankommt, warten bereits Bewohner im Erdgeschoss des Hauses, sind ängstlich und verunsichert.
Es gibt keine Spur eines Brandes, auch hat es keine Katze auf einen Baum verschlagen. Schreckliche Schreie wurden aus einer Wohnung vernommen, daraufhin Feuerwehr und Polizei alarmiert.
Was hat der Lärm aus der Wohnung zu bedeuten?
Ángelas Erwartungen scheinen sich just in diesem Moment zu erfüllen, die Kamera soll dabei den Vorfall für die Zuschauer ungeschnitten dokumentieren.
Bald merkt das Reporter-Duo jedoch, dass es sich um keinen gewöhnlichen Routineeinsatz handelt, in den sie mit hineingeschlittert sind.
Es erwartet uns eine angsterfüllte und ausweglos erscheinende Situation, die uns Pablos Kamera vor Augen führt.
"There's something more to this place. Our cells don't work. Neither does the TV or radio. We're isolated."
Kurze Zeit später steht das Haus unter Quarantäne.
Die Umweltbehörde hat das Wohngebiet abgeriegelt, um eine Epidemie zu vermeiden.
Ein Ausweg ist somit ausgeschlossen. Niemand darf hinein, keiner kann hinaus.
Der Tod aller Bewohner scheint die letzte Konsequenz zu sein, denn Rettung scheint nicht in Sicht.
Rasant ziehen die Regisseure Jaume Balagueró und Paco Plaza im Verlauf des Filmes das Tempo an, erhören die Dosis an packender Furcht mit bekannten Tricks, die aber ihre Wirkung nicht verfehlen.
Die Erzählweise (wackelige Kameraführung, unausgeglichene Lichtverhältnisse u.a.) und die desolate Situation der Ereignisse ist es, die [●REC] so schauderhaft werden lassen.
Nicht nur, dass bereits Bewohner von einem mysteriösen Virus befallen sind und damit eine tickende Zeitbombe darstellen, auch thront über allem die Gefahr der Ansteckung durch Speichel und Bisse wie ein Damoklesschwert über deren Köpfen.
Dabei weiß der Zuschauer anfangs selbst nicht, welche Ursachen dafür verantwortlich sind, Informationen werden nur häppchenweise geliefert, welche die Anspannung und das Unbehagen noch verstärken.
Dabei und mittendrin
[●REC] ist zwar typisch luzides Genrekino, doch die vorgegaukelte Echtheit und Authentizität dieser gruseligen Mockumentary ziehen direkt in diesen hektisch gefilmten, schwindelerregenden und rapiden Sog hinein.
Dem investigativen Journalismus wird durch Ángela und Pablo eine subtile Rolle zuteil, denn die Bewohner beschließen, nachdem sie sich gegenseitig die Schuld an ihrer Lage geben und Anzeichen für Rassismus durchscheinen, alle dafür Verantwortlichen für ihre Misere ordentlich zu verklagen.
Doch wird es dazu noch kommen?
83 Minuten reichen aus, um einen effektiven Horror-Adrenalin-Thriller zu erzählen, der in den letzten Sekunden sich noch zu steigern weiß.
Am Schluss erscheinen die Schweißperlen auf der Stirn wie von selbst.
Was die Hexe von Blair oder das riesige Ungetüm aus Cloverfield können, können die Bewohner dieses infektiösen Hauses schon lange.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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