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"Wir haben einen Wählerauftrag."

2012-01-14 18:36:59

  • manuel 2012 Voglsam Rubey Schauspieler
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  • manuel 2012 Voglsam Rubey Schauspieler
  • manuel 2011 Voglsam Rubey Schauspieler
  • manuel 2012 Voglsam Rubey Schauspieler
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Schauspieler, gefeierter Kabarettist, Produzent und Hauptdarsteller von Österreichs erster Webserie – keine Frage, 2011 war ein gutes Jahr für Manuel Rubey. FM5 hat ihn getroffen und zu seinen Plänen für 2012 befragt.

Seit einigen Wochen ist die heimische Fernsehlandschaft um eine Serie reicher. fauner consulting, Österreichs erste Webserie, wurde praktisch über Nacht zum Überraschungserfolg. Produzent und Hauptdarsteller Manuel Rubey, seines Zeichens Schauspieler (Aufschneider, Braunschlag), Ex-Musiker (Mondscheiner) und Kabarettist (Triest), gab uns nicht nur Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Serie, sondern sprach auch über andere Projekte und seine Pläne für 2012.

FM5: Wie soll es mit fauner consulting weitergehen? Ist eine 2. Staffel geplant?

Manuel Rubey: Ja und nein. Dank der großen Resonanz, auf die die Serie bis jetzt gestoßen ist, sind wir in der glücklichen Position, dass wir nun einige Interessenten für eine 2. Staffel haben. Jetzt klinge ich schon wie ein Politiker, aber wir haben einen Wählerauftrag – ich glaube das Wichtigste ist, dass wir auf keinen Fall irgendeinen Kompromiss machen. Das ist das, was die Leute sich erhoffen und das nehmen wir auch total ernst. Ja, wir würden gerne eine 2. Staffel drehen, aber die Bedingungen müssen schon sehr frei sein.

Die Möglichkeiten zur Finanzierung reichen vom klassischen TV Sender bis zum Product Placement. Gibt es Finanzierungsarten die ihr ausschließt?

Es geht nicht darum, etwas auszuschließen, wir können uns verschiedene Modelle vorstellen. Product Placement, wenn es subtil eingewoben ist, ist mir im Endeffekt lieber, als wenn man Kompromisse inhaltlicher oder ästhetischer Natur machen muss. Wie gesagt, wir sind für alles offen: es kann mit dem ORF passieren, es kann mit Sponsoring passieren. Es kann auch gar nicht passieren.

Kannst du uns Näheres zum Entstehungsprozess der Serie erzählen?

Also die Vorgeschichte ist die, dass Georg Weissgram (Regisseur & Autor der Serie) drei Spielfilme geschrieben hat, die ich sehr gut fand. Da ich nun schon länger in der Branche bin und einige Leute kenne, wollte ich ihm bei der Vermittlung helfen. Das Problem ist, dass diese Drehbücher niemand liest, wenn ein Regisseur, wie Georg Weissgram, noch nichts außer Musikvideos gemacht hat. Aus diesem Frust heraus ist dann die Idee entstanden – „Na, drehen wir‘s doch einfach selbst!“.

Danach ging dann auch alles relativ schnell. Die Idee für fauner consulting kam im Mai, im Juni hatte Georg die ersten Drehbücher fertig geschrieben. Gedreht wurde im September, mit nur einem Drehtag pro Folge, was ziemlich stressig war. Die Notwendigkeit pro Folge nur einen Drehtag anzusetzen rührte auch daher, dass wir den Mitarbeitern ja nichts zahlen konnten.

In einem Presse Interview hast du erwähnt, dass ihr sogar Schauspieler, die am Projekt mitwirken wollten, ablehnen musstet. Ist die Zahl der „Bewerber“ inzwischen noch gestiegen?


Ja, jetzt ist es natürlich extrem. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir für die erste Staffel für jede Rolle unsere Wunschbesetzung erhalten haben. Jeder, den wir gefragt haben, hat sofort zugesagt. Es wäre auf jeden Fall kein Problem für uns, Schauspieler für eine 2. Staffel zu finden (lacht).

Die Filmmusik stammt von Bernhard Fleischmann – wie kam es zu dieser Kooperation?

Bernhard Fleischmann und Georg Weissgram sind schon sehr lange befreundet und Georg hat auch schon einige Musikvideos für ihn gemacht. Bernhard Fleischmann ist darüber hinaus auch sehr daran interessiert, mehr Filmmusik zu machen.

Das Ganze wirkt wie ein großes Bewerbungsvideo – die erste große Regiearbeit von Georg Weissgram, die Musik von Bernhard Fleischmann.

Das trifft es auf den Punkt. Es soll eine charmante Bewerbung einer neuen Generation von Filmschaffenden sein. Was ich in diesem Zusammenhang noch gerne erwähne - Leena Koppe, unsere Kamerafrau, die als erste Frau überhaupt den großen Diagonale Kamerapreis gewonnen hat (für Die Vaterlosen), und immer noch nicht von ihrer Arbeit leben kann – das ist eigentlich unfassbar. Ich kann mich über meine persönliche Auftragslage nicht beschweren, aber die meisten anderen hätten mehr als eine Chance verdient.

Im Pressetext wird fauner consulting als „melancholische Comedyserie“ bezeichnet. Es fällt auf, dass die einzelnen Episoden verschiedenste Genre-Elemente aufweisen. Was war die Idee dahinter?

Es gibt eine durchgehende Handlung und dann hat Georg für jede Episode ein Überthema ausgeben, das jetzt nicht unbedingt jedes Mal erkennbar sein muss. Es gibt die Medienfolge, die Slapstickfolge, die Sportfolge, etc.



K
ommen wir nun zu Triest, für das du, gemeinsam mit Thomas Stipsits grandiose Kritiken eingeheimst hast. Wie geht es dir damit, dass dein Terminkalender bereits zu Beginn des Jahres bis Dezember mit Auftrittsterminen gefüllt ist? Bleibt da noch Zeit für andere Projekte?  

Das ist eine schwierige Frage – wir planen sogar schon Termine für 2013. Das ist einerseits großartig, weil man weiß, dass man zu tun hat und ich es wahnsinnig gerne mache. Gleichzeitig ist es schwierig, weil mein Leben so eigentlich nicht funktioniert und ich mir gerne Freiheiten lasse. Daher versuche ich einen Mittelweg zu finden – wir könnten auch 140 Mal spielen nächstes Jahr, aber das werden wir eher auf 70 Termine reduzieren.

Hast du Angst vor Monotonie und Langeweile, wenn ihr so lange mit demselben Programm unterwegs seid? Variiert ihr den Text?

Wir variieren den Text jetzt schon ständig. Wir sind beide auf dem Standpunkt, dass auch bei der 100. Aufführung der Mensch, der Eintritt bezahlt, die volle Leistung bekommen muss. Da wir das Stück selbst geschrieben haben, haben wir die Freiheit Szenen rauszuwerfen und zu verändern. Wir haben uns geschworen, dass wir, sollten wir wirklich an einen Punkt kommen, an dem es uns nervt, aufhören. Das finde ich wichtig. Aber noch sind wir weit davon entfernt.

Sind neben Triest noch weitere Projekte mit Thomas Stipsits geplant?

Wir werden auf jeden Fall auch weiterhin zusammenarbeiten. Wir haben uns einfach auf ganzer Linie gefunden.

Das heißt, du könntest dir nicht vorstellen, alleine als Kabarettist auf der Bühne zu stehen?

Naja, ich kann‘s mir nicht, nicht vorstellen, weil ich finde, dass es eine totale Herausforderung wäre. Aber ich bin zu sehr Schauspieler, ich brauche ein Gegenüber.

Man hat dich in den letzten Jahren des Öfteren im Theater gesehen. Ist in dieser Hinsicht etwas geplant?

Das ist eigentlich das Einzige im Moment, von dem ich sehr glücklich bin, es nicht machen zu müssen. Mir kommen die beiden anderen Branchen, in denen ich derzeit aktiv bin (Fernsehen & Kabarett), stimmiger vor. Ich habe das Gefühl, dass hier eine größere Leichtigkeit herrscht, dass man sich nicht so wichtig nimmt und es nicht ständig um das Verhandeln von Eitelkeiten geht. Im Moment geht mir das Theater nicht ab.

Du bist derzeit nicht als Musiker aktiv. Wie intensiv beschäftigst du dich noch mit der Wiener Musikszene?

Eigentlich jetzt viel mehr, da das Vergleichen wegfällt. Ich hör viel mehr Musik. Seitdem ich mich als reiner Musikkonsument begreifen kann, gehe ich auf mehr Konzerte und bekomme auch viel mehr mit. Es gibt ja irrsinnig viele tolle Sachen. Ich finde Florian Horwath großartig. Darüber mag ich zum Beispiel den Nino aus Wien, Fred Schreiber und Kreisky sehr gerne.

Kommen wir nochmal zum Fernsehen zurück. Welche Formate sprechen dich als TV-Konsument an?

Ich schau‘ Willkommen Österreich, Tatort und Fußball. Ansonsten fast ausschließlich Serien. Gerade habe ich die vierte Staffel von Breaking Bad fertig angesehen – vermutlich die beste Serie, die es jemals gab. Was ich auch sehr gut finde, ist In Treatment – Gabriel Byrne spielt einen Therapeuten. Man könnte es auch ein bisschen als Inspiration für fauner consulting sehen, da es auch ausschließlich in einer Praxis spielt. Demnächst werde ich mit Boardwalk Empire beginnen.

Generell muss ich sagen, dass mich die hohe Qualität dieser Serien beeindruckt. Ich finde faszinierend, wie die Charaktere über 900 Minuten entwickelt werden und wie sich die Geschichten verzahnen. Sopranos hat hier eine richtige Bewegung losgetreten und manchmal habe ich das Gefühl, in Amerika ist es schon so weit, dass die wirklich begabten Leute inzwischen Serien machen.

Danke für das Interview und deine Zeit!


 

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Nina Wöss

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'Sie gehörte zu den Mädchen, die niemals etwas nur mögen oder gut finden, sondern schwärmen.'

K. Hagena, "Der Geschmack von Apfelkernen"

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