2011-04-18 17:59:09
Eigensinnig und in neuer Besetzung: Warum das Bundesheer zu Musik verführt und was von Musikaufnahmetests an Gymnasien zu halten ist erzählten die High Level Headphones FM5.
Geplant war eigentlich ein gemütliches Treffen in einem Privatgarten im 7. Bezirk, im Schatten auf Bierbänken. Daraus wurde leider nichts: Die Frühjahrsgrippe hielt die Redakteurin eisern im Bett. Das Interview mit den High Level Headphones – kurz HLH – haben wir dann doch via Facebook gemacht. Deshalb wurden einige Halbsätze, Smilies und Wortkreationen so behalten, wie sie waren.
FM5: Als ich euch googelte bin ich über einen Satz gestolpert: Ein Veranstalter nannte euch „Seelenverwandte Musiker die ihre Songs über die Tragik und Freuden des Lebens niederschreiben“. Würdet ihr euch selbst als seelenverwandt bezeichnen?
HLH: Naja, das traf wohl noch eher auf die alte Besetzung zu. Martin und Julian sind ja Brüder und wir fühlten uns schon irgendwie seelenverwandt. Vor einem guten halben Jahr ist Julian allerdings aus der Band ausgestiegen. Jetzt würden wir uns nicht mehr unbedingt als seelenverwandte Musiker bezeichnen. Wohl eher als Freunde, die Spaß daran haben, zusammen Musik zu machen.
Und welche Tragik und Freuden sind euch schon wiederfahren, die ihr in eurer Musik verarbeitet?
HLH: Keine großartigen, wohl eher die üblichen Tragiken und Freuden, die man als Mitte zwanzig Jährige kennt: Hochs und Tiefs mit Frauen, Freunden, Familie, mit sich selbst…
Indie Rock-Bands schießen heutzutage wie Pilze aus dem Boden. Wie unterscheidet ihr euch von den anderen?
Phil: Wir würden uns nicht unbedingt als Indie Rock-Band bezeichnen. Wir würden uns überhaupt nicht in eine Schublade stecken. Wir verfolgen mit unseren Songs auch keine feste Schiene, sondern schreiben bzw. spielen einfach drauf los. Wenn uns das Ergebnis gefällt, haben wir einen neuen Song.
Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?
Joe: Als ich erfahren habe, dass mich das liebe Bundesheer zum Grenzeinsatz nach Burgenland schickt, habe ich mir eine Akustikgitarre gekauft. Ich wusste, dass das sonst sehr öde sechs Wochen werden würden.
HLH: Das muss man dem Bundesheer hoch anrechnen, dass es Joe die Zeit gegeben hat, sich selbst das Gitarrenspielen beizubringen.
Martin: Früh zusammen mit dem Papa Flöten- und Klavierunterricht. Klassische Musik zum selber spielen ist mir nicht gelegen… Es hat nur für den Punk gereicht und so habe ich mir selber Gitarre beigebracht - und auch meinem Bruder. Später wurde ich zum Bass degradiert, da ihn keiner sonst spiele wollte. So wurde ich zum legendären Bassisten.
Phil: Ich wollte auf ein Musikgymnasium gehen. Komischerweise haben sie mich dort nicht genommen. Soviel zu den verlässlichen Aufnahmetests ;) Nein, im Gymnasium war einer, der hat Gitarre gespielt. Der hat mir die ersten Griffe gezeigt...
Als Einflüsse habt ihr mal The Libertines, The Strokes und BRMC angegeben – woher kommt die britisch-amerikanische Begeisterung?
HLH: Das sind einfach die bekannten Bands – die, nichtsdestotrotz, einfach genial sind. Leider ist es nach wie vor so, dass diese britisch-amerikanischen Bands – zusammen mit Bands aus Schweden – den Haupteinfluss in der Musikbranche haben. Bands aus Österreich oder anderen Staaten aus Europa haben es sehr schwer in der dieser Branche.
Martin: Aus dem United Kingdom kommt die beste Musik überhaupt – das war schon immer so und wird wahrscheinlich immer so bleiben. BRMC und The Strokes haben wir schon live gesehen. Wie wir angefangen haben Musik zu machen, waren diese Bands gerade in aller Munde. Und das Album von den Libertines "Up the bracket" hat uns so begeistert, dass wir selbst Musik machen wollten.
Neben der Musik habt ihr ja eure Brotberufe: Martin ist Koch, Joe studiert Chemie und Mathematik, Hannes ist auf der FH Salzburg Soziale Arbeit, Anna Kommunikationswissenschaft und Phil Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Salzburg. Wie vereinbart ihr das mit eurer Musik?
HLH: Als Student ist es eher leicht, sich die Zeit für Hobbies zu nehmen. Generell ist die Musik für uns alle ein guter Ausgleich zur Arbeit und Ausbildung. Wir treffen uns meistens am Wochenende zum Proben, was unsere Partner nicht immer begeistert. Und die Gigs sind eh am Abend, also nach Feierabend. Schwieriger wird es, wenn wir in anderen Städten in Österreich unter der Woche spielen – zumindest für mich (Martin). Aber bis jetzt hat es immer gut funktioniert und wir hoffen, dass das so weiter geht. Es ist halt alles eine Frage der Organisation.
Die Zusammensetzung der Band ist nun anders – was hat sich außer den Personen für euch geändert?
HLH: Zum Teil die Instrumente – Synthesizer (gespielt von Anna) ist neu dabei. Und auch die Musik ist ein bisschen anders geworden... Es ist nicht mehr so die typische Indie-Combo mit Bass, Schlagzeug, Gitarre. Bei uns gibt es nun auch eine weibliche Stimme die dem ganzen einen femininen Touch gibt ;)
Man könnte auch sagen, dass unsere Musik vielleicht ein bisschen elektronischer geworden ist. Hmm, als Musiker ist es wirklich schwierig, die eigene Musik zu beschreiben... Wir machen das, was uns gefällt und denken nicht viel nach über Indie-Klischees.
Wie schwer ist es, als Band aus Salzburg Fuß zu fassen?
HLH: Sehr schwer. Es gibt so gut wie keine Förderungen. In Schweden, im UK, etc. läuft das ja ganz anders. Da wird allein schon in den Schulen mit Musikunterricht viel mehr gemacht. In Salzburg hilft dir keiner... Man muss alles selbst organisieren was wirklich oft mühsam ist. Bzw. muss man einfach die richtigen Leute kennen. In Salzburg gibt es leider nur den Yeah!Club, wo lokale Bands vor größerem Publikum auftreten können. Wir hatten das Glück dort schon öfter spielen zu dürfen.
Was steckt hinter eurem EP-Titel Wasted Words?
HLH: Wir wollten es eigentlich nach dem Song "Leave it all behind" nennen, aber einer von uns wollte einen anderen Namen für die EP. Wasted Words hat uns einfach gefallen... Vielleicht weil wir, wenn wir nach einem Konzert „wasted“ waren, nur sinnlose, vergeudete Worte von uns gegeben haben.
Nein, im Ernst. Für manche ist unsere Musik vielleicht wasted words, also vergeudete Musik im Sinne von wertlos... Für uns ist es allerdings natürlich das Gegenteil... Macht das Sinn?
Wie wird’s weitergehen?
HLH: Wir werden jetzt dann eine Platte aufnehmen: Eine EP von fünf Songs. Wir wollen auch wieder ein Musikvideo drehen. Und natürlich live spielen was nur geht.
Die Band: High Level Headphones, das sind Phil Ainz - guitar,vocals; Anna Pi - vocals; Jürgen Schoiber - guitar; Martin Leixnering - bass;
Hannes Ortner – drums
beschäftigte sich schon im Biologieunterricht lieber mit Aphorismen und Kurzgeschichten als mit der Photosynthese. Widmet sich nun vor allem "Fokus" und ihren Geschichtebüchern.
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