2011-04-03 13:38:54
Eine ausgelassene Stimmung, passend zum sonnigen Wochenende, bot sich allen Anwesenden am 2.4. im Wiener Gasometer als die sechs Norweger von Kaizers Orchestra alles in Gang setzten ihren Ruf als fabelhafte Live-Band zu verteidigten.
„Willkommen im Reich der besten Live-Band der Welt!“ titelt eine deutschsprachige Fanpage auf ihrer Startseite. Und auch wenn es ein plakativer Werbeslogan ist, kommt diese Übertreibung der Realität schon ganz nah: Von der Bühnenpräsenz der Band konnte man sich am 2.April selbst ein Bild machen, als Kaizers Orchestra den Wiener Gasometer mit norwegischen Rockklängen beschallten.
Atomare Sicherheitsvorkehrungen?
Dem wartenden Publikum bot sich ein lieblich wirkendes Bild: Es türmten sich antik aussehende Instrument, fragwürdige Ölfässer und hübsche Wohnaccessorizes, die – wie sich später heraus stellte – alle ihrem Zweck dienten. Punkt 21.45 betraten die sechs Herren unter tobendem Applaus die vollgestellte Bühne. Sogleich gab es auch den ersten Hingucker des Abends: Helge Risa, der Mann an der Orgel, spazierte mir nichts, dir nichts mit einer Gasmaske im Gesicht auf seinen vorgesehen Platz. Doch für die geschulten Kaizers-Fans nichts Neues, denn dieses unschöne Ding, das nicht die Einflüsse einer atomaren Katastrophe abwenden soll, gehört mittlerweile zum Markenzeichen dieses mysteriösen Mannes.
Dass Kaizers Orchestra unter der Leitung von Sänger Janove Ottesen nicht mehr die Jüngsten sind, bedeutet noch lange nicht, dass sie auch musikalisch zum alten Eisen gezählt werden können. Dieses Vorurteil konnten die sechs an diesem Abend aus dem Weg räumen, denn was folgte, waren beinahe zwei Stunden pures Unterhaltungsprogramm. Stillstehen? Ausgeschlossen.
Des Kaizers Familie
Der Ruf als famose Live-Band eilt den Herren Kaizers voraus und sie scheinen es jedes Mal darauf anzulegen, dies unter Beweis zu stellen. Auf die Frage an das Publikum, wer die Band bereits zuvor schon einmal gesehen hat, reckte beinahe die gesamte Masse einen Arm in die Höhe. Die darauf folgende Antwort von Janove Ottesen: „Welcome to the Kaizers‘ family!“ Dass dermaßen viele Leute immer wieder und allem Anschein nach immer wieder gerne sich die Kaizers zu Gemüte führen, kann schlichtweg nur an der Liveperformance ihrer Musik liegen. An der Freude des Texte-Mitgrölens wohl weniger, denn diese sind grundsätzlich für Otto Normal nicht verständlich und somit auch schwer zu singen.
Geboten wurden zudem nicht nur altbekannte Stücke aus den vergangenen Alben sondern vor allem viel Neues. Der Grund auf Tour zu gehen ist meist der Release eines neuen Longplayers – in diesem Fall nennt sich das gute Stück Violeta Violeta Vol.1 und allein der Name deutet auf Großes hin.
Mehr als eine Trilogie
Ein Album nach dem anderen zu produzieren kann nach einer so langen Bandgeschichte wie Kaizers Orchestra sie haben, auf Dauer langweilen. Um wieder frischen Wind wehen zu lassen hat man entweder die Möglichkeit, eine Live-Platte oder ein Best Of-Sammlung zu produzieren oder spaßhalber ein Cover-Album aufzunehmen. Für die sechs Norweger scheint dies aber alles keine Option gewesen zu sein bzw. wurde es bereits gemacht (Live Album). Und so wundert es nicht, dass sie mit einem ungewöhnlichen Konzept Aufmerksamkeit erregen wollen. Der aktuellen Platte Violeta Violeta Vol.1 werden bis Anfang 2012 zwei Fortsetzungen folgen, wobei jedes der drei Alben miteinander thematisch verknüpft ist, indem die tragische Familiengeschichte eines Mädchens namens Violeta durch die Trilogie erzählt wird.
This is how it works
Showtechnisch gesehen bewegen sich Kaizers Orchestra am Puls der Zeit. Vorbei ist die Ära, als es vollkommen ausreichend war, cool und statisch sein Set abzuspielen und dennoch mit Ohnmachtsanfällen in der ersten Reihe zu rechnen. Konversation mit dem Publikum, Bewegung auf der Bühne sowie die eine oder andere außergewöhnliche (akrobatische oder musikalische) Einlage gepaart mit stimmungsuntermalenden Visuals gehören heutzutage zu einer jeden guten Show. Und dies haben Kaizers Orchestra mit Braovur erfüllt.
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VerhaltensUNgestörtes Einzelkind, Belegerin diverser Massenstudien mit großem Faible für Alltagseskapismus mittels Ton und Schrift.
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