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Schwerpunkt: Das Phänomen Strache

"Strache ist ein Nadelstreifrechter"

2009-04-01 09:31:14

  • Reiterer, Horaczek
  • Strache, Reiterer, Horaczek

Es gibt neues über Österreichs rechte Parteiführung: Zwei Journalistinnen schrieben ein Buch über FP-Chef H.C. Strache und meinen, dass "sowohl Rechte als auch Linke nicht enttäuscht werden".

Es war der Knoblauchgeruch in der Straße, in der er aufgewachsen ist. Ja, dieser Gestank soll Heinz-Christian Strache dazu gebracht haben, Migranten seit seiner Kindheit misstrauisch gegenüber zu sein. Aber nicht nur Anekdoten über die Jugend des FPÖ-Chefs kann man in dem Buch "H.C. Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde" lesen. Auf den 256 Seiten findet man auch eines der letzten Interviews mit Jörg Haider und Stellungnahmen Straches zu "Wehrsportübungen" mit Gottfried Küssel.

Die beiden Autorinnen, Claudia Reiterer (ORF) und Nina Horaczek (Falter)
führten über 40 Einzelinterviews, auch mit dem FPÖ-Chef, und sichteten umfangreiches Archivmaterial, um herauszufinden, was das "Phänomen Strache" nun ausmacht. Aber genau das auf den Punkt zu bringen, fällt Autorin Nina Horaczek auch nach monatelanger Arbeit schwer: "Der FP-Chef ist komplexer, als dass man das in zwei drei Sätzen zusammenfassen könnte", meint die Journalistin bei der Präsentation des Buches. Ihre Kollegin Reiterer wird da schon konkreter: "Strache ist sicher keiner von jenen Neonazis, mit denen er in seiner Vergangenheit Kontakt hatte. Er ist ein Nadelstreifrechter."

Die Idee zu dem Projekt
kam den beiden Frauen bei einem Spaziergang im Zoo: Wäre es nicht an der Zeit, ein Buch über Heinz-Christian Strache zu schreiben? Schließlich erreichte er mit seiner Partei bei der Nationalratswahl 2008 fast 20 Prozent der Stimmen. Deshalb ließen die beiden den Vorwurf auch nicht gelten, dass sie mit ihrer Arbeit die Popularität Straches noch steigern würden: "Schließlich kann man den Chef der drittstärksten Parlamentspartei mittlerweile nicht mehr ignorieren."

"Es wäre im Gegenteil falsch, Strache nicht zu thematisieren"
, so Horaczek. Authorisiert wurde das Buch nicht. Dass Strache trotzdem öffentlich – wie er es vor kurzem in der ZIB2 getan hat – sich über das Buch zu freuen scheint, stört die beiden Frauen nicht: "Erstens war seine Begeisterung über das Buch ein rhetorischer Trick", so Reiterer, "und zweitens kann er sich ruhig darüber freuen." Schließlich sei es kein polemisches Buch geworden. Reiterer: "Rechte als auch Linke werden nicht enttäuscht werden."

Laut Horaczek scheint die Arbeit mit den beiden Journalistinnen auch für den FP-Chef etwas gebracht zu haben: "Schließlich hat Strache gezeigt, als er den Falter als Qualitätsmedium bezeichnete, dass die Rechten doch irgendwo lernfähig sind."



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Martina Powell

Martina Powell

beschäftigte sich schon im Biologieunterricht lieber mit Aphorismen und Kurzgeschichten als mit der Photosynthese. Widmet sich nun vor allem "Fokus" und ihren Geschichtebüchern.

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Jakob Eder

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