2010-01-02 15:27:15
Mehr als 14 Jahre nach "The Spirit of Linz" wurde kürzlich endlich wieder ein Tondokument aus der Fanszene des FC Blau-Weiß Linz vorgestellt: "Don't throw your points away", so der treffende Titel, kann dabei mit ganzen 15 Tracks (!) aufwarten.
Die Vorgeschichte
Das Jahr 1995 war ein überaus ereignisreiches: Österreich trat der EU bei, der damalige französische Staatspräsident Jacques Chirac ließ am Mururoa Atol Atomtests durchführen und der österreichische Fußballmeister hieß zum erneuten Mal SV Austria Salzburg. In Linz wurde eine Fusion der beiden Erzrivalen Lask und FC Linz in letzter Minute verhindert, ehe dieser Zusammenschluss zwei Jahre später dann doch traurige Realität wurde. Und noch etwas passierte in diesem denkwürdigen Jahr: Die CD The Spirit of Linz, wo einige in bekannten Linzer Szenebands (SHY, Linz Süd Kartell; Heute: Texta) engagierte Fans, ihre Zuneigung zum FC Linz in Form von einigen hörenswerten Stücken zum Ausdruck brachten, kam auf den Markt und war binnen weniger Wochen vergriffen.
Im Mai 1997 wurde der FC Linz, der es im Jahre 1974 als SK Vöest Linz sogar einmal zu Meisterehren brachte, durch eine "Fusion" mit dem Linzer ASK über Nacht ausgelöscht, ehe im Sommer des selben Jahres die blau-weiße Fußballtradition in der Stahlstadt in Gestalt des FC Blau-Weiß Linz in der Landesliga wieder zum Leben erweckt wurde. Viel Wasser ist seither die Donau und ebenso viel Bier die durstigen Kehlen der zahlreichen FC Blau-Weiß Linz-Supporters hinuntergeflossen: Der Verein agiert derzeit in der Regionalliga Mitte und einige seiner Fans haben sich 2007 zu einer Vereinigung namens Arge Tor! (Arbeitsgemeinschaft: Tribüne ohne Rassismus) zusammengeschlossen, die im heimischen Donauparkstadion eine Werbebande mit dem Slogan Blau-Weiß Linz-Fans gegen Rassismus initiierte, und auch sonst durch vielfältigste Aktionen (Konzerte, Lesungen, eine eigene Radioshow namens Blau Crowd FM auf Radio FRO etc..) auf sich aufmerksam machte.
Im Vorjahr setzte man sich ein besonders ambitioniertes Ziel: Ganze 14 Jahre nach dem Erscheinen von The Spirit of Linz sollte endlich wieder für Nachschub aus der blau-weißen Tonschmiede gesorgt werden. Nach geeigneten Bands für die Realisierung des Samplers zu suchen, stellte wahrlich kein allzu schwieriges Unterfangen dar, zumal in der blau-weißen Fanszene traditionell viele MusikerInnen beheimatet sind. Das Endprodukt liegt seit einiger Zeit vor, nennt sich Don't throw your points away und beinhaltet 15 Tracks.
Der Inhalt
Eingeläutet wird die Compilation von einem Song der großartigen, aber leider sträflich unterbewerteten Linzer Indie Pop-Kombo SHY, deren Stück Wo Fußballstadien keine Sponsorennamen haben, das vom Titel her natürlich an Where the streets have no names von U2 angelehnt ist, inhaltlich freilich jedoch die kommerziellen Ausschlachtung des Fußballsports anprangert. Die beiden MCs Huckey (Texta) und Sam (Hinterland) vertonen danach das unbeschreibliche Gefühl eines Auswärtstriumphes und schließen dabei stilistisch wie qualitativ an das bisherige Schaffen ihrer Hauptbands an.
Die schon längst in der Szene etablierte Linzer Kombo Vacunt bietet mit dem Titeltrack des Samplers anschließend kraftvoll-dynamischen und geradlinigen dahin gleitenden Punkrock, der aber auch Freiräume für eingängige Momente gewährt. Hinter dem Pseudonym Koksstierler74 verbirgt sich hingegen ein schräg-amüsantes Projekt, das gekonnt alte Vöest Linz-Chants aus den 70er und 80er Jahren mit elektronischen Klängen verknüpft.
Keine Ahnung! aus Linz haben mit Stahlstadtkinder (Keine Coverversion des Willi Warma-Klassikers!) zwar beileibe keine musikalische Meisterleistung vollbracht, dennoch zählt der Beitrag dieser Punkrockformation zu den charmantesten und schlichtweg authentischen Stücken auf dieser CD. Disco Torture gehen ähnlich an die Sache heran wie Kokstierler74, in diesem Fall werden jedoch akustische Eindrücke aus dem glorreichen Derby-Sieg gegen den Lask 2002 in eine elektronische Klangwelt transferiert, wo durch Miteinbeziehung eines Glockenspieles und einer elektronische Ukulele Mut zu relativ unorthodoxen Experimenten bewiesen wird.
Der überaus tanzbare Sound von Merker.tv bewegt sich irgendwo im Grenzbereich von House, Soul, Disco und Punk, und pendelt sich dabei auf einem stattlichen Niveau ein. Die Fangruppierung The Firm hat einen Track namens Pommesbude beigesteuert, der musikalisch sehr an den Titelsong des 95er Samplers The Spirit of Linz erinnert: Ein melancholischer Indie Pop-Song, der inhaltlich die unerschütterliche Treue zum FC Blau-Weiß Linz zum Ausdruck bringt.
Hinter 68 Dreadlocks verbirgt sich der Linzer Gitarrist Daniel Steiner (Vacunt, Ex-Strahler 80), der diese Band einst als Punkrock-Singer/Songwriterprojekt gründete, das sich aber durch den Einstieg von Phil Huemer (Bass) mehr und mehr zu einem hochwertigen melodramatischen Punk/Pop/Songwriter-Duo entwickelt hat, wo Steiner einmal mehr sein feines Gespür für griffige Melodien unter Beweis stellt. Danach folgt eine Aufnahme eines beliebten Fanchants, der somit auch für die Nachwelt erhalten bleibt.
Didi Bruckmayr hat sich nicht nur durch seine beiden Kombos Fuckhead und Wipe out und gefühlten eintausend weiteren Projekten sowie Aktionen unterschiedlichster Art, sondern zuletzt auch durch sein Soloprojekt einen weit über die Grenzen Österreichs hinaus reichenden ausgezeichneten Ruf erworben: Bruckmayrs unverkennbares Organ erfreut zwar bei dieser Nummern nicht das Ohr, dafür hat Bruckmayr gemeinsam mit DJ Mussurunga bekannte Fangesänge erbarmungslos durch den Elktroreißwolf gedreht.
Hellmeth stehen für Hip Hop, der untergriffigen und aggressiven Art, hier werden Missstände wortreich angesprochen und keineswegs unter den Teppich gekehrt.
Danach legen Sandl die Schattenseiten einer Auswärtsfahrt schonungslos offen und stellen in ihrer schwermütig-bluesigen Nummer die Sinnfrage, warum man sich solche Fahrten in hunderte Kilometer entfernte Dörfer überhaupt antut.
Das Napalm Quintett hat einen der wenigen Songs ohne direkten Fußballbezug beigesteuert, und auch deren Instrumentierung (u.a. eine Ziehharmonika, die dem Stück natürlich eine besonders melancholische Note verleiht) erweist sich als nicht gerade alltäglich. Thematisch erinnert der Song an den alten Ostbahn-Klassiker Seit wos kan Ruaß mehr rengt. Es geht um das Wegbrechen von unzähligen Arbeitsplätzen mit allen Folgeerscheinungen.
Auch die mittlerweile aus Funk und Fernsehen bekannten Wiener Durchstarter Kommando Elefant haben mit Rabauken einen fabelhaften Auszug aus ihrer äußerst empfehlenswerten CD Kaputt, aber glücklich zur Verfügung gestellt. Bandkopf Alf Peherstorfer stammt nämlich ursprünglich aus der Stahlstadt und bekennt sich dank seines einst in der Vöest beschäftigen Großvaters seit seiner Kindheit zum SK Vöest Linz/FC Blau-Weiß Linz.
Erwerbbar ist das gute Stück zum Preis von nur 10 Euro.
E-Mail-Adresse: info@arge-tor.org
Herkunft: OÖ; Schwerpunkte: Musik, Politik, Fußball
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Jaaaaaaaaaaaaaaa!
Ich war das einzige Wiener Volksschulkind, dass den FC Linz als Lieblingsverein hatte.
Mir geht das Herz auf...
[antworten]
Jaaaaaaaaaaaaaaa!
Ich war das einzige Wiener Volksschulkind, dass den FC Linz als Lieblingsverein hatte.
Mir geht das Herz auf...
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ThomasH
Zum 1. Track dieser CD, nämlich "Wo die Fußballstadien keine Sponsorennamen haben" von SHY gibt es auf YouTube ein (inoffizielles) Video, das Eindrücke des Donauparkstadions (= Heimstätte des FC Blau-Weiß Linz) vermittelt.
http://www.youtube.com/watch?v=Zy_xQELzJyc
http://www.shy.at
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Zum Songs "Auswärtssieg" von Huckey & Sam (Texta/Hinterland), der ebenfalls auf dem Sampler enthalten ist, gibt es nun auch ein Video, das seit kurzem auch bei YouTube zu finden ist:
http://www.youtube.com/watch?v=WzHpCvtd0HE
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